"Tomb Raider II": Lara Croft und das goldene Kästchen
zuletzt aktualisiert: 11.08.2003 - 10:47Angelina Jolie hat die Rolle ihres Lebens gefunden. Das ist die gute Nachricht zum Film "Lara Croft: Tomb Raider - Die Wiege des Lebens". Während man vor zwei Jahren bei "Lara Croft: Tomb Raider" trotz des kommerziellen Erfolgs noch Zweifel haben durfte, ob aus der Videospielfigur jemals eine überzeugende Filmfigur werden würde, ist das zweite Lara-Croft-Abenteuer rundum gelungen.
Als besonders glücklich hat sich wohl die Entscheidung der Produzenten erwiesen, Jan de Bont die Regie zu übertragen. Der weiß nach dem Desaster von "Speed 2" ganz genau, wie man ein Sequel besser nicht macht. Mit "Tomb Raider 2" stellt er wieder seine Kompetenz als Actionspezialist unter Beweis.
In seiner Inszenierung ist Angelina Jolie zur perfekten Verkörperung einer Animationsfigur geworden, einer unbesiegbaren Heldin, dem Filmschnitt sei Dank. Ihre Fähigkeit, auch die kniffligsten Situationen heil zu überstehen, ist diesmal besonders gefragt, gilt es doch zu verhindern, dass die berühmte Büchse der Pandora von Bösewichtern gefunden und geöffnet wird. Die verheerenden Folgen sind ja allgemein bekannt.
Es geht also darum, etwas zu finden, um es sofort wieder zu verbergen. Der gut verpackte Kern des Films: Das Leben spendende und erhaltende weibliche Prinzip kämpft gegen die lebensbedrohenden männlichen Bösen. Die Protagonisten der männlichen Destruktivität sind ein chinesischer Gangsterboss und ein verrückter Wissenschaftler.
Lara Croft turnt durch drei Kontinente
Der Nobelpreisträger und Biowaffenhändler Dr. Jonathan Reis (Ciarán Hinds) will am Untergang der Menschheit wenigstens noch einmal kräftig verdienen und sich vermutlich im letzten Moment retten. Um diese gefährlichen Typen samt ihrer unzähligen Helfer - in einer Nebenrolle Til Schweiger - abzuwehren, turnt Lara Croft durch drei Kontinente. In Griechenland entdeckt sie einen im Mittelmeer versunkenen Tempel. Nachdem sie ein Killerkommando abgewehrt hat, lässt sie sich von einem Hai an die Meeresoberfläche ziehen - "Shark Rider" so zu sagen. In China springt sie von einem Wolkenkratzer, und in Afrika schließlich muss sie der Versuchung widerstehen, das todbringende goldene Kästchen zu öffnen.
Neben vielen spektakulären Actionsequenzen findet der Film auch Zeit für ruhige Szenen, in denen Lara Croft, Ex-Agent Terry Sheridan (Gerard Butler) und die beiden exzentrischen Jungen, die im Hintergrund Lara zur Seite stehen, sich beraten und Pläne schmieden, ganz im Stil der schönen alten Abenteuerfilme.
Nur wurden die Frauen damals von Männern gerettet, denen sie am Ende die Wunden verbanden. "Tomb Raider 2" dreht dieses Muster um und bietet den Kinobesucherinnen, nicht ohne Ironie, eine moderne Identifikationsfigur. Das männliche Publikum dürfte sowieso gegen Lara Crofts Nahkampf-Ballett im hautengen Latexdress nichts einzuwenden haben. Gute Voraussetzungen also für einen dritten Teil.
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