Kino-Kritik: Transamerica: Zwischenstopp im Geschlechtsleben
zuletzt aktualisiert: 13.03.2006 - 08:28Ein schwieriges Thema haben sich die Macher von "Transamerica" ausgesucht, das nur langsam ein Publikum fand. Doch die Serie "Desperate Housewives" machte es plötzlich möglich, dass das Drama um eine Geschlechtsumwandlung plötzlich in aller Munde war. Denn Felicity Huffman, eine der "Hausfrauen", spielt die Hauptrolle. Mit einem Jahr Verspätung wurde sie dafür für einen Oscar nominiert und nach mehr als einem Jahr versucht es der Film nochmal in den deutschen Kinos. Diesmal mit mehr Erfolg als 2005?
Ungewöhnlich ist die Rolle Huffmans in "Transamerica" allemal. Sie spielt die konservative transsexuelle Bree, die seit Jahren in Los Angeles auf den letzten operativen Eingriff zur perfekten Weiblichkeit hinarbeitet. Doch just, als sie das Geld für den finalen Schnitt zusammen hat, meldet sich Toby, ein in New Yorker Jugendhaft einsitzender Teenager, der seinen Vater Stanley sucht. Bree realisiert, dass Toby das Ergebnis seiner einzigen Beziehung zu einer Frau und er der Vater ist - oder nun so etwas wie die Mutter.
Auf Anraten ihrer Therapeutin reist Bree nach New York, um die Geschichte aus ihrer männlichen Vergangenheit zu klären. Doch anstatt sich zu bekennen, lässt sie Toby im Glauben, sie sei eine christliche Missionarin, die ihn, der im Pornogeschäft Karriere machen will, wieder auf den rechten Weg bringen will. Als aus dem Plan, den Jungen bei seinem Stiefvater abzuliefern, nichts wird, machen sie sich gemeinsam auf den Weg nach Hollywood.
Das alte und das neue Leben
Doch das Roadmovie gerät auf halber Strecke ins Stocken. Bree nimmt Toby mit zu ihren Eltern, um dort noch einmal den Kampf um die eigene Identität zu durchleben. Es ist dieser Moment der Transformation, jener Zeit zwischen altem und neuem Leben, den Stunden des Noch-Ertragens und Nicht-Mehr-Ertragen-Wollens, die "Transamerica" zu einem berührenden Drama machen, das weit über die Transgender-Thematik hinausweist.
Regisseur Duncan Tucker betonte, dass "Transamerica" eigentlich eine altmodische Geschichte über Familienbande, ein Elternteil und ein Kind sei. Damit wolle er die Zuschauer in die Gedanken und die Herzen von Menschen katapultieren, die sie sonst als Außenseiter betrachten würden, "wenn sie sie überhaupt betrachten würden", sagte Tucker.
Spröde Männlichkeit
Dass dies dem Film gelingt, ist in erster Linie Huffmans Verdienst. Mit ungewohntem Mut zu kantig spröder Männlichkeit beschreitet Huffman so überzeugend den Weg des "Dazwischen", dass mancher Kinobesucher lange nicht glaubt, dass Bree von einer Frau gespielt wird - zumal Tucker seiner Hauptdarstellerin in nur wenigen Szenen eine Penis-Prothese verpasst.
Huffman entwirft eine Figur, die für sich aufrichtig in Anspruch nehmen kann, einen einzigartigen Weg zu gehen. Noch dazu versieht sie die spröde Bree mit einem Humor, der nie die sexuelle Identität der Figur diskreditiert, sondern ausschließlich aus dem sperrigen Charakter Brees erwächst. Am Ende entlässt der Film die Besucher mit der Bekanntschaft eines Menschen, der sich für eine Seite des Lebens in allen Konsequenzen entschieden hat - und bereit ist, ein neues "Dazwischen" zu akzeptieren.
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