Kino-Kritik: Tristan & Isolde: Eine Liebe im Mittelalter
zuletzt aktualisiert: 15.05.2006 - 08:51Sie gelten als Prototyp des dramatischen Liebespaars und sind viel älter als Romeo und Julia. Tristan und Isolde rühren seit mehr als einem Jahrtausend die Herzen, von ihrer verbotene Liebe haben Generationen schon seufzend gelesen oder gehört.
Das frühmittelalterliche Ehebruchsdrama über die verbotene Liebe zwischen dem tapferen Ritter Tristan und der blonden Königstochter Isolde will nun ein junges Publikum anrühren. Anders als in Richard Wagners stilbildendem Operndrama ist nicht ein Zaubertrank die Wurzel des erotischen Übels, sondern es verlieben sich zwei Teenager mit rasenden Hormonen, einfach so. Die auch historisch um Realismus bemühte Version informiert zuvor über das Chaos, das im Britannien des 6. Jahrhunderts nach dem Abzug der Römer herrschte. Tristan ist der Ziehsohn von Lord Marke von Cornwall, der seit langem versucht, die zerstrittenen britischen Stämme zu einen. Als Tristan bei einem Scharmützel mit den Iren einen vergifteten Pfeil abbekommt, wird er für tot gehalten und auf einem Kahn auf dem Meer beigesetzt.
Und weil der schicksalhafte Zufall auch in dieser vermeintlich authentischeren Version Regie führt, landet das Boot ausgerechnet an der irischen Küste, wo Tristan von Königstochter Isolde entdeckt und heimlich gesund gepflegt wird. Ihre Liebe hat jedoch keine Chance, und Tristan kehrt nach England zurück. Als aber der irische König seine Tochter als Turnier-Preis anbietet, erringt Tristan im Auftrag von Lord Marke den Sieg - nichtwissend, dass Isolde die Braut ist. Kaum ist sie in England und unter der Haube, nimmt die Chose ihren bekannten Lauf, mit heimlichen Rendezvous, Intrigen, Mord und Totschlag.
Unrasierte Gesellen im poströmischen Chaos
Doch mit der Rückkehr nach Cornwall hat nicht nur das Liebespaar, sondern vor allem der Film ein dickes Problem. Denn Isoldes männlich-attraktiver Gatte Marke ist trotz Einarmigkeit weit cooler als Tristan, der die Ausstrahlung eines Bravo-Starschnitts und melancholischen Herrenunterwäschemodels hat. Dass sich die blonde Maid, Typus patente Krankenschwester, heimlich in die Arme dieses Westentaschen-James Dean stürzt, erscheint dem Zuschauer nicht zwingend. Statt als frühes Vorbild von Romeo und Julia beziehungsweise "Titanic" droht die Mär deshalb fast zum Exempel einer funktionierenden Zwangsheirat zu werden, die vom pubertär-wehleidigen Tristan sabotiert wird.
Doch wo dem titelgebenden Paar die schicksalhafte Leidenschaft auf oft unfreiwillig komische Weise abgeht, macht der Mittelalter-geeichte Kevin Reynolds ("Robin Hood") ansonsten inszenatorisch alles richtig. Denn was dem Sandalen-Epos seine antiken Sandalen an braun gebrannten Männerwaden, ist dem Mittelalter-Epos das Klirren und Scheppern der Schwerter von unrasierten Gesellen, welche die römische Bäderkultur erfolgreich abgeschüttelt haben. Im Gegensatz zu den Technicolor-Schmachtfetzen vergangener Zeiten ist hier das Mittelalter auch optisch finster: Das Design schwelgt in Schlammtönen, und statt edler Ritter beharken sich zottelige "Warlords".
Kitschfreie Romantik
Die stramm-mätzchenfreie Action mit hauendem Barbarenvolk wird aufgelockert durch relativ kitschfreie Romantikszenen, stimmungsvoll-magische Landschaftsaufnahmen und ein Unhappy-End, das seinen Namen verdient und zumindest Mädels zum Taschentuch greifen lässt. Und die Ernsthaftigkeit des Spektakels passt zum Trend: Auch neohistorische Epen wie "Gladiator", "Alexander", "Troja" und "Königreich der Himmel" geben sich schrecklich unironisch. Bisher jedoch haben sich die erklecklichen Investitionen in die Renaissance klassischer Stoffe nicht rentiert, wie auch der Misserfolg des Filmes an amerikanischen Kinokassen bewies.
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