Kino-Kritik: Turniertanz durchs Leben
VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 06.11.2008 - 07:53Düsseldorf (RP). Tanzen befreit: nicht nur das regellose Herumhüpfen, auch das beherrschte Abarbeiten exakter Figuren. Hilft das doch, den eigenen inneren Rhythmus zu finden und zugleich harmonisch auf einen Partner einzugehen. Sagen jedenfalls Tanzlehrer mit philosophischen Nebeninteressen.
Die werden an der seltsamen belgisch- französischen Komödie „Rumba“ verzweifeln. Darin erleben wir ein liebendes Lehrerpaar, Fiona (Fiona Gordon) und Dom (Dominique Abel), das zweifellos innige Erfüllung im Turniertanzen findet. Aber Kamera und Akteure führen uns diese Momente seligen Lösens aus dem Alltagstakt eben nicht als elegantes Schweben vor, sondern als stelzvogelartige Exzentrikübung. Man darf an John Cleese und den Monty-Python-Gag über das Ministerium für kuriose Gangarten denken.
Wenn Fiona und Dom die Tanzfläche verlassen, wirken sie keinen Gelenkschwenkmillimeter lockerer als andere Menschen, dann wirken sie eher noch bizarrer: zuhause bei ihren Zubettgehritualen, beim Schulunterricht oder bei der Akrobatikübung, sich im fahrenden Kleinwagen fürs Turnier umzuziehen. Abel und Gordon, die zusammen mit Bruno Romy als Regisseure von „Rumba“ firmieren, greifen da zurück auf die frühe Stummfilmkomödie, aber auch auf das fröhliche Neben-der-Normalität-Stehen kleiner Sketche in Kinderprogrammen des Fernsehens. Subversiv ruhig, mit unbewegter Kamera, schauen sie dem fortwährenden Aufstand unkurierbarer, liebenswerter Verschrobenheit gegen die Konvention unauffälligen Benehmens zu.
Irgendwann gehen sie dann mit der Grausamkeit der großen Humoristen gegen ihre Figuren vor und zeigen, dass die ulkigen Missgeschicke schlichterer Komödien nur Bilder dafür sind, dass das Leben beständig versucht, uns und das uns Liebe kaputtzuschlagen. Dummerweise wird der Film gerade dann ein wenig langatmig und auch pathetisch, als er den Mumm fasst, seine Helden ernstlich zu beschädigen und zu fordern, als er sie körperlich einschränkt und die interessante Frage nach dem Ansatzpunkt der Liebe stellt, nach dem, was uns bindet, entzückt, loyal hält: Wieviel kann man wegnehmen, bevor die Liebe erlischt? Der selbstbewussten Absonderlichkeit des Beginns folgt eine etwas steife Bedeutsamkeitspose, als habe mitten im Tanz die Kapelle gewechselt.
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