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Action: Berlinale-Sieger "Tropa de elite": Überleben im Slum

VON FRANK NOACK - zuletzt aktualisiert: 06.08.2009 - 10:15

(RP). Verbrechensbekämpfung lohnt sich nicht, sie schadet sogar der Karriere. Wer als Polizist aufsteigen will, der muss sich mit den Drogenbossen arrangieren. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz in den Slums von Rio de Janeiro, und damit steht José Padilhas Film, der auf der Berlinale 2008 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde, vor einem Problem.

 Foto: Senator Film
Foto: Senator Film

Wenn ohnehin alles sinnlos ist, warum soll man zwei Stunden lang diesem Treiben zusehen? Die Gefahr ist groß, dass der Zuschauer genauso abstumpft wie die brasilianischen Polizisten und beim Anblick erschossener Zivilisten nur denkt: Selbst schuld, warum leben die auch auf diesem Pulverfass?

"Tropa de elite" ist somit trotz seines rasanten Tempos und seiner mitreißenden Actionszenen ein Film, der Geduld abverlangt. Es dauert eine Stunde, bis die einzelnen Polizisten Profil gewonnen haben und man erkennt, dass in dieser Welt doch nicht alles sinnlos ist. Ein paar Männer treten der BOPE bei, einer Elitetruppe, die sich nicht mit der Korruption abfindet. Die Regierung steht unter Druck, denn Papst Johannes Paul II. will die Stadt besuchen und in der Nähe eines Problemviertels residieren. Alle Gefahren müssen aus dem Weg geräumt werden. Das hat paradoxerweise noch mehr Tote zur Folge.

Die stärkste und spannendste Figur ist der Polizist Neto (Caio Junqueira), dem man charakterliche Integrität ebenso zutraut wie plötzliche Gewaltausbrüche. Die intensiv gespielten häuslichen Szenen mit seiner Ehefrau bleiben besonders im Gedächtnis. Dagegen ist sein Kollege Matias (André Ramiro) zu eindimensional edel gezeichnet. Er hat es aufgrund seiner dunklen Hautfarbe schwerer, sozial aufzusteigen, liest Bücher und möchte Anwalt werden. Den harten Kämpfer, der sich in den Slums bewährt, nimmt man ihm nicht ab.

Eine wichtige Figur bleibt Matias dennoch, da er an der Uni mit reichen weißen Kindern der Oberschicht zu tun hat. Ihre politische Heuchelei wird gnadenlos entlarvt. Sie mögen Matia als armen Schwarzen – und verstoßen ihn, sobald sie erfahren, dass er Gesetzesvertreter ist. Vor die Wahl gestellt, mit Polizisten zu verkehren oder mit Drogendealern, entscheiden sie sich für die Dealer.

José Padilha leistet sich ein paar Zeitsprünge. Ansonsten ist sein Film betont kunstlos gemacht, anders als Fernando Mereilles' thematisch verwandte, aufdringlich cleverer, technisch selbstverliebter "City of God".

Bei Padilha wirkt nichts gestellt oder konstruiert. Man hat den Eindruck, alles geschieht von selbst, und die Kamera hält es einfach nur fest.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

Quelle: RP

 
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