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Unser Mann in Afrika: Bruce Willis in "Tränen der Sonne"

zuletzt aktualisiert: 25.08.2003 - 10:21

Sehr selten sind afrikanische Bürgerkriege das Thema von Kinofilmen - nicht nur, weil von der Weltöffentlichkeit Konflikte wie in Ruanda oder aktuell in Liberia nur nebenbei wahrgenommen werden. Der Actionfilm "Tränen der Sonne" mit Bruce Willis macht eine Ausnahme.

Er wagt sich in die afrikanische Unordnung und versucht etwas andere Akzente zu setzen, als man es sonst in amerikanischen Kriegsfilmen gewohnt ist. Im nigerianischen Bürgerkrieg wird die christliche Bevölkerungsgruppe von muslimischen Rebellen abgeschlachtet. Vom amerikanischen Flugzeugträger fliegt ein achtköpfiges "Navy Seal"-Elitekommando los, um auf einer Missionsstation im Dschungel eine italo-amerikanische Ärztin, zwei Nonnen und einen Priester zu evakuieren, die von Rebellenarmeen bedroht werden.

Die Rettungsaktion geht schief, weil Ärztin Lina Kendricks sich ebenso wie ihre Mitstreiter weigert, ihre Schutzbefohlenen zu verlassen. Ungerührt lässt Befehlshaber Waters Lena und die Flüchtlinge durch den Dschungel marschieren und verfrachtet die verzweifelte Ärztin dann mit einem Trick alleine in den Rettungshubschrauber. Doch als er beim Überflug der Station das blutrot gefärbte Wasser und die Leichen sieht, dreht der Hubschrauber um.

Waters entschließt sich, alle auf einem mehrtägigen Marsch ins sichere Kamerun zu geleiten. Den Sinneswandel des Militärs, der zwischen Pflichterfüllung und menschlichem Mitfühlen hin- und hergerissen ist, stellt Bruce Willis in der Hauptrolle recht gut dar. Seine introvertierte Mimik mit erschöpfter "Augen zu und durch"-Attitüde wirkt im Kriegsfilmgenre ebenso positiv untertrieben wie das Verhalten seiner Truppe, die nüchtern anstatt martialisch auftritt.

Auch hinsichtlich der merkwürdigen Wahl der sinnlichen Schönheit Monica Bellucci als todesmutige Ärztin wird der Zuschauer, der auf die üblichen Enthüllungen gefasst ist, enttäuscht: Sie muss nur ab und zu die Bluse einen Knopf weiter öffnen. Die gegenseitige Anziehung der beiden Hauptfiguren bleibt ebenfalls in der Schwebe.

Impressionistischer Albtraum

Regisseur Antoine Fuqua ("Training Day") gelingt es zudem, die animalische Mordlust und die Verstümmelungen, die der Flüchtlingstrupp unterwegs miterlebt, auf eine Weise zu zeigen, die schockiert, aber nicht voyeuristisch ist - und die außerdem, in der Erinnerung an die Fernsehbilder der ruandischen Massaker, ziemlich authentisch scheint.

Auch der guerilla-ähnliche, anfangs lautlose Kampf im Dschungel mit geisterhaften, durch Nachtsichtgeräte aufgespürten Bösewichten ist spannend inszeniert als impressionistischer Albtraum. Womöglich schwebte Fuqua etwas Ähnliches vor wie im Klassiker "Apocalypse Now", der ja von Joseph Conrads Afrika-Roman "Herz der Finsternis" inspiriert ist. Jedoch: Ebenso wie der Thriller den Beweis schuldig bleibt, dass Monica Bellucci mehr ist als ein properes Dekolleté, so schafft er es auch nicht, mehr "Message" als den üblichen Heldengesang auf tapfere amerikanische Soldaten zu transportieren.

Das Doppelübel Pathos mit damit einhergehender Verdummung holt auch dieses eher ambitionierte Werk ein: Der penetrant dräuende und sentimentale Soundtrack von Komponist Hans Zimmer verkleistert die Gehörgänge ebenso wie die kleinen grauen Zellen.

Und ist schon die Handlung, auf Hawaii gedreht, ein fiktives Potpourri unbestimmter afrikanischer Bürgerkriegszustände, so erweckt besonders die Nichtbelästigung des Zuschauers mit auch nur einer Silbe Hintergrundwissen den Verdacht bewusster Desinformation. Inwieweit Weltmächte in die Entstehung afrikanischer Krisen involviert sind, bleibt so selbstverständlich außen vor wie Details über afrikanisches Leben.

Der Rest sind Irak-Klischees von Rettern, die wider Willen eingreifen müssen, und platte Beweihräucherung mittels strahlender schwarzer Gesichter, die den unrasierten Helden ewige Dankbarkeit schwören. Zumindest im Film.


 
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