Horror-Parodie "Mitternachtszirkus": Vampire ohne Biss
VON PETER STEINHART - zuletzt aktualisiert: 07.01.2010 - 20:43Düsseldorf (RP). Am schönsten sind die "toten Seelen": kleine Kapuzenmännchen, die mit kindlicher Zutraulichkeit nach den Händen der Besucher greifen – aber nicht, um sie festzuhalten, sondern um sie abzubeißen. In diesem zum "Mitternachtszirkus" eingedeutschten "Cirque du Freak" gibt es allerhand zu sehen, was ebenso grausig wie komisch ist.
So wie der Dompteur der ganzen Freak Show, der sich Crepsley nennt und von John C. Reilly als eine ruhelose Mischung aus übermütigem Spaßmacher und dämonischem Zeremonienmeister gespielt wird.
"Das ist ein Vampir", flüstert begeistert der 16-jährige Steve, der seinen Freund Darren zu einem Besuch des merkwürdigen Zirkus überredet hat. Doch nicht diesen allzu willigen Steve, sondern den zögerlichen Darren macht Meister Crepsley zu seinem Gehilfen: zu einem "Halbvampir", den er lehrt, die Blut-Tankstellen in der Menschenwelt nur in kleinen Dosen anzuzapfen und sie nicht etwa zu töten, wie es Crepsleys Gegner tun, die mörderischen "Vampyre".
Der "Mitternachtszirkus" hätte eine durchaus stimmungsvolle Horror-Komödie werden können, verrennt sich jedoch vor lauter Übereifer in einem Gestrüpp teils monströser, teils neckischer Nebenfiguren. Zu selten wird er blutrünstig komisch wie bei der kapriziösen "Corma Limbs", wenn sie "Wolfman" ihre alsbald nachwachsenden Arme zum Verzehr reicht. Manchmal landet er buchstäblich in Witzeleien mit Bart wie bei Salma Hayek als der schönen Wahrsagerin, die mit wild wuchernder Gesichtsbehaarung kämpft.
Viele Action-Szenen sollen wohl in diesen "Mitternachtszirkus" (nach Roman-Vorlagen von Darren Shan) jenen Teil der männlichen Jugend locken, der sich vom "Twilight"-Fieber der Mädchen nicht anstecken ließ. Doch während Regisseur Chris Weitz mit der "Twilight"-Fortsetzung "New Moon" ein weiterer Erfolg in der modischen Welt der Teenager-Romanzen mit Vampiren gelang, fand sein Bruder Paul Weitz für "Mitternachtszirkus" zwar gnädigere Kritiker, aber zu wenig Publikum. Einst waren sie als brüderliches Team unschlagbar mit so unterschiedlichen Filmen wie "American Pie" und "About a Boy".
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