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Doppelte Penelope Cruz im Kino: "Vanilla Sky" - Schlechtes Imitat aus Hollywood

zuletzt aktualisiert: 21.01.2002 - 12:23

Frankfurt/Main (rpo). Zwei Filme, eine Geschichte: Am 24. Jannuar kommen mit "Vanilla Sky" und "Abre

los ojos" zwei Filme gleicher Handlung in die Kinos. Der Geniestreich "Abre los ojos" (Öffne Deine Augen), stammt aus der spanischen Produktion des Jahres 1997 und ist ein Frühwerk des iberischen Junggenies Alejandro Amenabar. Die weibliche Hauptrolle der Sofia spielt die schöne Penelope Cruz. Dieselbe Figur verkörpert sie in "Vanilla Sky", 2001 in Hollywood inszeniert von Cameron Crowe.

Der entscheidende Unterschied zwischen beiden Filmen ist nicht die spannende Geschichte eines Lebemanns, der im wahrsten Sinn des Wortes bei einem Autounfall sein Gesicht verliert, es aber wieder gewinnen will. Der kommerziell höchst bedeutungsvolle Unterschied ist vielmehr die Mitwirkung von Superstar Tom Cruise, der in "Vanilla Sky" jenen smarten David mimt, der im Original noch Cesar hieß. Cruise, dessen ehemalige Frau Nicole Kidman derzeit in Amenabars sanftem Gruselhit "The Others" Kinotriumphe feiert, hat nicht nur die Hauptrolle inne, sondern die Kopie des spanischen Sensationserfolgs auch mitproduziert.

In beiden Filmen begegnen wir einem Mann, der mit den Frauen spielt und dafür einen hohen Preis bezahlt. Denn die eifersüchtige Blondine Julie wil nicht hinnehmen, dass ihr wohlhabender Liebhaber sein Herz für die sinnliche Sofia entdeckt hat. In ihrer Verzweiflung rast sie mit dem Auto in den Abgrund, David neben ihr kann es nicht verhindern. Julie wird getötet, ihr Beifahrer kommt mit schwersten Verletzungen davon. Doch sein hübsches Gesicht, das dem anderen Geschlecht so großen Eindruck machte, wird grausam entstellt. Es wird einsam um den ehemals Vielgeliebten, erst eine wundersame Operation gibt David sein altes Gesicht zurück.

"Abre los ojos" - Kleiner Film mit verblüffend originellen Ideen

Aber längst ist unklar geworden, was Traum, Täuschung, Realität oder Furcht erregende Zukunftsvision ist. Am Ende wird David, wie auch vormals Cesar im spanischen Vorbild, auf dem Dach eines schwindelerregend hohen Hauses sein, aber dort nicht stehen bleiben. Er blickt dort in einen doppelten Abgrund, abgründig enden folglich auch beide Filme.

Die Hollywood-Variante, das ist leicht zu erkennen, hat viel mehr Geld gekostet als Amenabars Geniestreich von 1997. Aber der bessere, weil atmosphärisch stimmigere und inszenatorisch dichtere Film war das Original.

Natürlich konnte dieses keinen Original-Titelsong von Paul McCartney vorweisen, die Schauspieler waren himmelweit von dem Bekanntheitsgrad und den Gagen eines Tom Cruise oder auch von Cameron Diaz, die in "Vanilla Sky" die unglückliche Julie verkörpert, entfernt. Doch ein wirklicher Nachteil stellte das nicht dar, im Gegenteil. "Abre los ojos" ist ein kleiner Film mit einer verblüffend originellen Idee, die teuere Kopie hingegen ein gerade wegen ihrer perfekten Verpackung künstlich aufgeblasener Bluff. Daran hat das penetrant selbstverliebte Agieren von Cruise keinen geringen Anteil.

Trotz des Geldes fehlt Kraft und Frische

Der Amerikaner sorgt dafür, dass nicht die Geschichte, sondern er der Star ist. Dabei wissen wir doch längst, welch gut aussehender Junge er ist. Doch Cruise und sein Regisseur Crowe zeigen uns das vom Maskenbildner verunstaltete Gesicht Davids nicht als grausames Schicksal eines Mannes, sondern - sicher unfreiwillig - als einfach nicht hinnehmbare Entstellung des Superstars.

Auch Penelope Cruz wirkt im Remake unangenehm lieblicher als im Original. Nur in einer Szene, in der sie Spanisch spricht, blitzen Temperament und Härte auf, ist sie kurz ganz bei sich.

Regisseur Crowe hat großen Aufwand getrieben bei den Dreharbeiten. Ganze Teile Manhattans wurden gesperrt, um eine möglichst gespenstische Menschenleere des Häusermeers, in dem die Figuren agieren, zu erzeugen. Nie zuvor war der so belebte Times Square abgeriegelt worden. Aber solch spektakuläre Einschübe können nicht darüber hinwegtäuschen, das dem 60-Millionen-Dollar-Imitat Kraft und Frische von Amenabars Frühwerk fehlen. Ohne Geld geht beim Film nichts, aber auch dort ist Geld nicht alles. Leider wird das bessere Original nur in wenigen Kinos zu sehen sein. Wer sich trotzdem zwischen beiden Fassungen entscheiden kann, sollte nicht zögern, diesmal Spanien den Vorrang vor Hollywood zu geben.


 
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