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Neu im Kino: Verliebte Vampire beißen nicht

VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 15.01.2009 - 07:56

(RP). Vampire sind die besseren Menschen. Sie hören Debussy, leben in Biohäusern im sattgrünen Wald, und sie pflegen eine Tugend, die es in der übersexualisierten Gegenwart eigentlich gar nicht mehr gibt: Entsagung. Kein Wunder also, dass sich Bella Swan, die von Kristen Stewart gespielte Hauptfigur von "Twilight – Biss zum Morgengrauen", in den blassen Edward, jüngster Spross einer kultivierten Blutsauger-Familie, verliebt.

Szene aus "Twilight - Biss zum Morgengrauen".  Foto: Concorde
Szene aus "Twilight - Biss zum Morgengrauen". Foto: Concorde

"Twilight" ist die Verfilmung des ersten Teils von Stephenie Meyers weltweit erfolgreicher Vampirsaga. 26 Millionen Bände hat die 34-jährige Autorin bereits verkauft, und zumindest in den USA ist die Adaption für die Leinwand ebenfalls ein Hit: 289 Millionen Dollar spielte sie bislang ein, bei Produktionskosten von 37 Millionen Dollar.

Tatsächlich sind das zwei unterhaltsame Stunden im Kino. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Schauerromantik, ein europäisches Phänomen des späten 18. Jahrhunderts, in der amerikanischen Gegenwartskultur aufgegangen ist. Die Vampire sind spöttische Freigeister, sie bilden eine intellektuelle und optische Elite. Die anderen Einwohner des stets verregneten Städtchens Forks im Bundesstaat Washington wirken dagegen ungehobelt, verfilzt und brutal.

Scheidungskind Bella Swan zieht aus dem sonnigen Phoenix dorthin, zu ihrem Vater. Auf der Highschool sind viele sehr nett, aber doch ein bisschen tumb, und deshalb fällt ihr sofort dieser blasse Junge mit den roten Lippen auf. Der 22-jährige Robert Pattinson spielt den scheuen Vampir Edward als eine betörende Mischung aus James Dean und P. B. Shelley, ein vom Untotsein angekränkelter Schwärmer. Natürlich verlieben sich die beiden, und Bella, dieser schöne Schwan, hält zu ihrem Freund, auch nachdem er von seinem ungewöhnlichen Grundnahrungsmittel berichtet hat. Zugute kommt ihm, dass er nächstens keine Menschen anfällt, sondern bloß Rotwild reißt. Und damit das so bleibt, muss er die Kontrolle über seine Leidenschaften behalten – er darf also nicht annehmen, was sie ihm leicht bekleidet auf dem Bett sitzend anbietet.

Regisseurin Catherine Hardwicke hat die Geschichte ohne Längen und mit viel Ironie inszeniert. "Twilight" ist romantisch und märchenhaft, aber doch angenehm gegenwartsbezogen.

Der Film geht zudem als Sozialstudie über die Befindlichkeit der amerikanischen Jugend durch. Sie sehnt sich ganz offensichtlich nach unsterblicher Liebe.

Quelle: RP

 
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