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Drama "Ein Sommer in New York – The Visitor": Vertrieben aus dem Reich der Freiheit

VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 14.01.2010 - 13:14

(RP). So hat man New York bisher nur bei Woody Allen gesehen. So liebevoll und hochachtungsvoll gefilmt als Stadt der Freiheit, in der Menschen aus allen Ecken der Welt zusammenleben, abends in den Clubs ihre Musik machen oder manchmal tagsüber im Central Park. Man möchte es sofort erleben, dieses New York, das jedem eine Zukunft verspricht, der genauso wach ist wie diese Stadt und irgendein Talent hat, auf das er vertraut.

 Foto: Pandastorm Pictures
Foto: Pandastorm Pictures

Tarek hat so eine Gabe. Der syrische Einwanderer spielt afrikanische Trommel und verdient sich bei Jam-Sessions sein Geld. Seine Freundin Zainab stammt aus Afrika und verkauft auf einem Straßenmarkt selbstgemachten Schmuck. Die beiden sind glücklich miteinander und in New York. Allerdings sind sie illegal.

Und sie wissen nicht, dass ihre Wohnung eigentlich einem anderen gehört: Walter, Dozent an einer Hochschule in der Provinz. Als er zu einem Kongress nach New York muss und in seiner Stadtwohnung absteigen will, überrascht er dort das illegale Paar. Und setzt die beiden vor die Tür. Doch dann regt sich etwas in ihm. Mitleid vielleicht, doch auch Interesse an den beiden Menschen, die da in seinen vier Wänden ein neues Leben aufbauen wollten. Und so holt er sie zurück und lässt sich ein auf eine seltsame Wohngemeinschaft.

Es könnte nun viel schief gehen in Thomas McCarthys Drama "Ein Sommer in New York". Doch der Film gleitet nicht ab in Kitsch, weil Richard Jenkins diesen Walter spielt, einen Mittfünfziger, finanziell abgesichert, gesellschaftlich angesehen, doch sein Leben nur noch als Fassade empfindet. In seinem Beruf engagiert er sich nicht. Die freie Zeit weiß er nicht sinnvoll zu füllen, Freunde hat er nicht, Pläne auch nicht. Diese Leere wird leicht und treffend skizziert, und weist über den Einzelfall hinaus. Da wird das alte Amerika porträtiert, satt und leer, und ihm wird ein neues Amerika gegenübergestellt, das der Einwanderer, die agil sind, lebenshungrig, kreativ.

Doch ist der Film nicht so naiv, es bei diesem romantischen Bild zu belassen. Tarek wird in der U-Bahn angehalten, kann sich nicht ausweisen, gerät in Abschiebehaft. Natürlich ist seine Freundin machtlos, doch auch Walter, der seinem neuen Freund helfen will, scheitert gnadenlos an den Regeln seines Landes. Es ist die große Stärke dieses Films, dass gerade nicht irgendwelche Menschenrechtler für die Einwanderer kämpfen, sondern ein Durchschnittsamerikaner, der durch reinen Zufall in die Geschichte hineingezogen wird und erkennt, dass es keinen Unterschied gibt zwischen ihm selbst und dem jungen Mann aus Syrien. Sie sind zwei Menschen, zwei New Yorker, doch Pässe entscheiden über ihr Leben.

Richard Jenkins wird für diese Rolle als Oscar-Kandidat gehandelt. Zurecht, denn er spielt grandios unsentimental, selbstironisch, präzise. Schön, würde er dem Film Aufmerksamkeit bescheren.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Quelle: RP

 
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