Kino-Kritik: Vervielfachter Mord
VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 28.02.2008 - 09:47Düsseldorf (RP). Kamera drei soll gefälligst wegschwenken von den Demonstranten, bestimmt die Regisseurin des Nachrichtenteams. Der amerikanische Präsident wird gleich im spanischen Salamanca auftreten, und die Sendeleitung hat entschieden, das Gefühl gelungener Außenpolitik zu vermitteln.
Dieser Auftakt von „8 Blickwinkel“ lässt hoffen. Wie Sigourney Weaver als Nachrichtenregisseurin vom Ü-Wagen aus das Ereignis gestaltet, das ist in seiner Skrupellosigkeit nah dran am Infotainment mancher Sender. Aber hier wird etwas passieren, was die Regie nicht unter Kontrolle bekommt: Auf den US-Präsidenten (William Hurt) wird geschossen, der Mann sackt zusammen, die Personenschützer werfen einen auf die Rednerbühne Stürmenden nieder, und bevor die Menschen auf dem Platz sich zwischen Panik und Bestürzung entscheiden können, geht auch noch eine Bombe hoch.
Als einer der Personenschützer (Dennis Quaid) aufgeregt in den Ü- Wagen stürmt, um sich die Fernsehbilder anzusehen, entdeckt er prompt etwas, das uns bisher entgangen ist. Und er will auch voraneilen, er will einen Täter stellen. Nur bekommen wir nicht, was wir erwarten: die lange Verfolgungsjagd. Stattdessen rast im ultraschnellen Rücklauf der Film „8 Blickwinkel“ selbst zurück und zeigt uns das Geschehen noch einmal aus anderer Warte. Alles Wichtige, suggeriert das, ist bereits geschehen, war in Bruchstücken bereits im Gezeigten versteckt. Wir haben es nur nicht erkannt. Das ist ein interessanter Ansatz, weil so die Gewissheit des Sehens untergraben wird.
Immer wieder wird der Film rückwärts sausen, und je mehr Informationen er uns gibt, desto mehr Möglichkeiten zur falschen Verknüpfung. Aber Regisseur Pete Travis und Autor Barry Levy verraten diesen harten B-Film-Erben: Mal lassen sie Figuren und Möglichkeiten des einen Blickwinkels beim Wechsel zum anderen wegfallen, dann wieder scheuen sie das eigene böse Bild eines Politdschungels und lassen den Gutmenschen im Präsidenten durchbrechen.
Man muss den Film für seine Frechheit bewundern, mit der er Salamanca wie die Provinzstadt eines Italowestern als Kulisse der Passiven und Verschreckten nutzt, aber der Mut zur Dreistigkeit verlässt ihn leider immer wieder.
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