Kino-Kritik: Viel Kostüm, wenig Substanz
VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 21.02.2008 - 09:38Düsseldorf (RP). Älter werden nur noch die anderen – wir gewinnen an Lebenslust. Also hat die Werbeindustrie für die 50- bis 70-Jährigen ein Wort gefunden, das Shopping- und Konsumenergie suggeriert und einen Gipfel der Menschheitsentwicklung: Best- Ager. Öffentlich-rechtliche Fernsehprogramme sind dicht bestückt mit Schmunzelstücken über rüstige Menschen jenseits der ganz sportlichen Jahre.
Über solche Etikettenspiele und Fiktionen kann man unterschiedlicher Meinung sein, aber in einem dürfte Einigkeit herrschen: das Kino muss mehr bieten als ein Fernsehspiel. Erst recht eine Gabriel- Garcia-Marquez-Verfilmung wie Mike Newells „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“, die im Kolumbien des späten neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts spielt.
Enttäuschenderweise liefert diese Bestsellerverfilmung nur mehr Menge, nicht mehr Substanz als eine Best-Ager-Schnulze. Sie serviert uns die Jugendzeit und mittleren Jahre ihrer Figuren in der gleichen magenschonenden Soße tragisch- romantischer Schicksalsergebenheit wie die Reifephase. Die Geschichte ist rasch erzählt. Der Telegrammbote Florentino (Javier Bardem) verliebt sich 1879 in die Bürgerstochter Fermina (Giovanna Mezziogiorno). Deren Vater kommt der Affäre auf die Schliche und die Tochter heiratet einen standesgemäßen Herrn (Benjamin Bratt).
Von da an ist in Florentinos Armen Platz für viele Frauen, in seinem Herzen aber stets nur für eine. Ein halbes Jahrhundert nach der Trennung sucht er die mittlerweile verwitwete Fermina wieder auf. Was sich so kurz zusammenfassen lässt, könnte uns in einem Film, der aus vielen Momenten der Qual, des Zweifelns, des Beinahe-Vergessens die stete Bedrohung einer großen Liebe formt, durchaus in Bann schlagen. Unter Newells Regie aber scheint alles schmuck vorherbestimmt, unausweichlich und gut erträglich. Die lange Trennungsphase dient von Anfang an nur dazu, uns die Beharrlichkeit der Liebe zu beweisen.
Man kann dem Briten Newell („Vier Hochzeiten und ein Todesfall“) manches zugute halten. Dass er sehr altmodisch auf die Kraft des menschlichen Gesichtes setzt, dass er nicht mit nervösen Drehbuchwendungen, sondern mit der ruhigen Präsenz der Schauspieler Interesse binden will. Aber nicht einmal Javier Bardem („Das Meer in mir“) kann Newells Projekt der Bedächtigkeit den Odem des Lebens einhauchen. Als Vitrinenpark der Kostümschneider-, Kulissenbauerund Maskenbildnerkunst lässt sich „Die Liebe in den Zeiten der Cholkera“ sogar mit mildem Interesse abflanieren. Bis uns ernüchternd wieder einfällt, dass hier eigentlich eine große Leidenschaft vermittelt werden sollte.
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