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Speed Racer: Viel Lärm um Tricks

VON FRANK NOACK - zuletzt aktualisiert: 13.05.2008 - 15:59

War das eben nicht Moritz Bleibtreu? Dieser Sportreporter, an dessen Hinterkopf die Kamera kurz vorbeigefahren ist? Unmöglich. Warum sollte er sich für eine Komparsentätigkeit hergeben? Ein paar Minuten später sieht man ihn noch einmal, er ist es wirklich und wird sogar im Nachspann genannt.

Für deutsche Zuschauer ist das neue Action-Spektakel der Wachowski-Brüder besonders reizvoll, denn viele deutsche Schauspieler absolvieren Kurzauftritte. Cosma Shiva Hagen ist zurechtgestylt wie eine Hollywood-Diva, Jana Pallaske wird im Nachspann erwähnt, aber wo war sie im Film? Ill-Young Kim hat ein paar Sekunden als koreanischer Sportreporter. In richtigen Rollen kann man Ralph Herforth als arroganten Rennfahrer und Benno Fürmann als coolen Geheimagenten bewundern. Warum die starke deutsche Präsenz? „Speed Racer“ wurde in Potsdam-Babelsberg gedreht, da werden sich einige deutsche Schauspieler gesagt haben: Wenn die Schöpfer der „Matrix“-Trilogie schon einmal hier sind, dann übernehmen wir auch mal Kleinstrollen.

Sie hatten ihren Spaß, und der Zuschauer hat ihn auch. „Speed Racer“ ist flott, bunt, sympathisch. Und doch verlässt man das Kino mit dem Gefühl: War das alles? 100 Millionen Euro kostete das Vergnügen, davon kamen neun Millionen Euro aus dem Deutschen Filmförderfonds. Da der fertige Film technisch makellos ist, kann man internationale Anbieter werben: Seht her, was für perfekt ausgerüstete Studios wir haben. Selbst Hintergrunddetails wie Rasen oder Blumenbeete wurden im Computer nachkoloriert. So lässt „Speed Racer“ den Zuschauer nie vergessen, dass er eine Comic-Verfilmung ist.

Bei der Figurenzeichnung wurde auf emotionale Tiefe geachtet. Der 23-jährige Emile Hirsch („Into the Wild“) spielt Hauptfigur Speed als einen Denker und Grübler, obwohl er laut Drehbuch ein gewöhnlicher Autonarr sein soll, der allein mit seinem Motor kommuniziert. Speed will die Familienehre retten, nachdem sein älterer Bruder Rex in Korruptionen verwickelt wurde. Es geht um die Fairness im Sport. Aber was ist das für ein Sport? Nie hat man das Gefühl, dass auch nur ein Fahrer einen Kratzer riskiert hat. Kein Stunt raubt den Atem, weil es keine echten Rennwagen sind, die da an Steilküsten entlang fahren.

Eine Enttäuschung ist der Film, weil die angestrebte Verbindung von Kunst und Schund, von Philosophie und Popcorn-Kino nicht funktioniert. Quentin Tarantino beherrscht dieses Spiel, die Wachowskis selbst haben es bei der „Matrix“ gespielt. Doch „Speed Racer“ ist einfach nur nett und flott. Das hätte man billiger haben können.

Quelle: RP

 
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