Kino-Kritik: Vier Mal Weihnachten
VON ALBERT BAER - zuletzt aktualisiert: 04.12.2008 - 07:45(RP). Kate (Reese Witherspoon) und Brad (Vince Vaughn) hassen Familienfeiern und erst recht Weihnachten, wenn die ganze bucklige Verwandtschaft zusammenkommt. Stattdessen düst das kinderlose, glücklich unverheiratete Paar lieber alle Jahre wieder in ein exotisches Urlaubsparadies.
Doch weil diesmal ihr Flug zu den Fidschi-Inseln wegen Bodennebels gestrichen wird, müssen sie unterm Tannenbaum stramm stehen. Und weil die beiden Scheidungskinder sind und ihre jeweiligen Elternteile im Streit liegen, stehen nicht nur eine oder zwei, sondern gleich vier Weihnachtsfeiern auf dem Programm. Bei seinem Vater (Robert Duvall), ihrer Mutter (Mary Steenburgen), seiner Mutter (Sissy Spacek) und ihrem Vater (Jon Voight), inklusive jeweiliger Lebenspartner, Großeltern, Geschwister, Nichten und Neffen.
Nein, das ist – auch wenn der Titel so klingt – keine Fortsetzung des Komödienhits „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“, in dem Ben Stiller von Robert De Niro in die Mangel genommen wurde. Im Original heißt der Film treffender „Four Christmases“, und was das scheinbar glückliche Paar bei diesem episodischen Bescherungsmarathon erlebt, hat zur Belustigung des Betrachters wenig mit besinnlich fröhlicher Feststimmung zu tun, sondern bewegt sich eher zwischen hemmungslosem Feiertagsfieber und schwerer geistiger Umnachtung.
Spielfilm-Debütant Seth Gordon bringt seine Hauptfiguren mit genüsslicher Schadenfreude immer wieder in peinliche Situationen. Wenn Brads prollige Brüder ihn in Wrestler-Manier flachlegen, er und Kate beim Krippenspiel Maria und Josef mimen müssen oder eine Mama das Fotoalbum zückt und bei Kerzenlicht böse Kindheitserinnerungen hervorkramt, gerät auch der Zuschauer wahlweise ins Schmunzeln oder Schlucken.
Leider hält das respektlose Drehbuch die Gehässigkeiten der ersten Stunde nicht durch. Weil wir in Hollywood sind, tropft am Ende dieser Weihnachtskomödie doch wieder Kitsch von der Leinwand, wird es sentimental, wenn das familiengeschädigte Pärchen von der Erkenntnis heimgesucht wird, dass Familie doch ganz schön ist und zu allem Überfluss Kate ihre biologische Uhr ticken hört.
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