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panorama angelina jolie wanted AFP
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Kino-Kritik: Volles Rohr gegen das Böse

VON FRANK NOACK - zuletzt aktualisiert: 04.09.2008 - 09:57

Düsseldorf (RP). Der letzte russische Filmregisseur, für den in Hollywood der rote Teppich ausgerollt worden ist, war Sergej M. Eisenstein. Und das liegt fast achtzig Jahre zurück. Dass es seitdem keine vergleichbare Einladung gegeben hat, lässt sich nicht allein mit begrenzter Reisefreiheit und Kaltem Krieg erklären. Eher damit, dass das sowjetische und post-sowjetische Kino zu langsam und schwermütig war, um das Interesse Hollywoods zu wecken. In der Reagan- Ära erzielte der Exilrusse Andrei Konchalovsky ein paar mittlere Erfolge, doch er konnte sich nicht dauerhaft als Regiepersönlichkeit etablieren.

Genau das ist jetzt einem 47-jährigen Mann aus dem fernen Kasachstan gelungen. Timur Nuruachitowitsch Bekmambetow, der Regisseur, hat der russischen Filmindustrie mit seinen Werken „Wächter der Nacht“ (2004) und „Wächter des Tages“ (2006) ihre ersten internationalen Blockbuster verschafft. Die Befürchtungen, er würde in Hollywood Schiffbruch erleiden, sind widerlegt worden. Seine Comic-Adaption „Wanted“ hat bisher über 250 Millionen Dollar eingespielt, und trotz der veränderten Produktionsbedingungen spürt man noch Bekmambetows persönliche Handschrift. Er ist er selbst geblieben, obwohl er auf seine vertraute russische Crew verzichten musste. Für Drehbuch, Kamera und Ausstattung zeichnen Amerikaner verantwortlich; die fetzige Musik komponierte Danny Elfman. Diese Hollywood-Insider haben sich Bekmambetows Vision angepasst, nicht umgekehrt.

Der unscheinbare Held von „Wanted“ ist Wesley Gibson (James McAvoy), ein kleiner Büroangestellter. Er wird am Arbeitsplatz gemobbt, und seine Freundin nörgelt herum, weil direkt vor seiner zugemüllten Wohnung die Eisenbahn vorbeirast. Wesleys Leben gerät aus den Fugen, als ein geheimnisvoller Fremder (Thomas Kretschmann) ihn bedroht und eine geheimnisvolle Fremde (Angelina Jolie) ihn beschützt. Die Frau nennt sich Fox und gehört zu einer Bruderschaft, die das Böse bekämpft. Wesleys verstorbener Vater gehörte ebenfalls zu dieser Organisation.

Um in die Bruderschaft aufgenommen zu werden, muss man sadistische Rituale ertragen. Starker Wille genügt nicht; entscheidend sind die richtigen Gene. Wesley hat sie. Bald ist er sogar in der Lage, um die Ecke zu schießen.

Spätestens in dem Moment wird deutlich, dass „Wanted“ auf einem Comic basiert. Bekmambetow fühlt sich in dieser künstlichen Welt zuhause. Er genießt das Spiel mit Formen und Farben. Seine virtuose Choreografie verdeutlicht, wie lieblos und uninspiriert die meisten anderen Fantasy-Spektakel gemacht sind.

Einen verblüffenden ersten Auftritt hat sich Bekmambetow für seinen weiblichen Star ausgedacht. Ein Routinier hätte zuerst ihre Stöckelschuhe oder ihren Hinterkopf gezeigt, oder man hätte nur ihre Stimme gehört. So geheimnisvoll werden Diven üblicherweise eingeführt. In „Wanted“ dagegen steht Wesley an der Supermarktkasse, unterhält sich mit dem Kassenpersonal, und plötzlich steht Angelina Jolie neben ihm – so leise und unvermittelt, dass man glaubt, ein paar Filmmeter verpasst zu haben. Es ist ein magischer Moment von bestechender Einfachheit.

Ansonsten gibt Jolie einmal mehr das erotische Überweib und Morgan Freeman, als Anführer des Geheimbunds, einmal mehr den weisen Übervater. Schauspielerische Höchstleistungen sind in Filmen dieser Art nicht zu erwarten, aber McAvoy vollbringt eine. Der 170 Zentimeter kleine Antistar überzeugt als Versager und als Held. Seine emotionale Bandbreite ist enorm. Ohne erkennbare Anstrengung wechselt er von einer Einstellung zur nächsten den Gesichtsausdruck. Inmitten der schrillen Comicwelt sorgt McAvoy für psychologische Glaubwürdigkeit.


 
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