Film-Kritik: Walk the Line: Starkes Paar und starke Songs
zuletzt aktualisiert: 30.01.2006 - 11:41Er hat bei den Golden Globes und den SAG-Awards abgeräumt und gilt als einer der großen Oscar-Favoriten: Nun kommt auch in Deutschland "Walk the Line" in die Kinos, die Verfilmung des Lebens der Country-Legenden Johnny Cash und June Carter. Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon liefern in den Hauptrollen beeindruckende Darstellungen ab. Und eine absolut unschlagbare Attraktion sind natürlich all die musikalischen Ohrwürmer Johnny Cashs.
"Er personifiziert das Herz und die Seele, das, was das Land wirklich ausmacht." Kein Geringerer als Bob Dylan hat das über einen Mann gesagt, dessen Lieder auch zwei Jahre nach seinem Tod so lebendig und mitreißend sind wie am Tag ihrer ersten Präsentation. Der Mann ist Amerikas Country-Legende Johnny Cash, dessen Leben, Karriere und große Liebe zur Kollegin June Carter nun im Mittelpunkt des Films "Walk the Line" steht, der am 2. Februar in die Kinos .
James Mangold hat diesen Film geschrieben und inszeniert. "Walk the Line" - der Titel ist einem der berühmtesten Cash-Songs gewidmet - gilt als einer der heißen Favoriten für die diesjährige Oscar-Verleihung Anfang März in der Kategorie Bester Film des Jahres 2005. Ob er diese Auszeichnung in Anbetracht starker Konkurrenz verdient, mag bestritten werden. Zweifellos hat der 136-minütige Streifen viele Qualitäten und eine absolut unschlagbare Attraktion, nämlich all die musikalischen Ohrwürmer, die Cash im Laufe seiner langen Karriere gesungen hat.
Viele Millionen Menschen in den USA und aller Welt haben ihn dafür bewundert, sie dürften nun auch nicht den Film um ihr Idol versäumen wollen. Doch "Walk the Line" ist nicht nur deshalb ein bewegendes Stück Kino, weil es zeigt, wie ein Mann aus ärmlichen Verhältnissen den Traum verwirklicht, seine Lieder zu singen. Es ist natürlich auch eine große Liebesgeschichte, die erst mit dem Tod von Johnny Cash und June Carter binnen weniger Monate im Jahr 2003 endete, im Himmel aber sicher weitergeht.
Mit Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon in den Hauptrollen des berühmten Musiker-Ehepaares hat Mangold außergewöhnlich geeignete und begabte Schauspieler für diese Aufgabe gefunden. Phoenix, dessen Ähnlichkeit mit dem jungen Cash verblüffend ist, und die energische Witherspoon gelten vollkommen zu Recht als Favoriten für die Darsteller-Oscars. Denn sie verkörpern Cash und Carter nicht nur glaubwürdig, sondern singen auch deren Songs mit eigener Stimme. Dabei kommen sie vokal zwar nicht an die Originale heran, meistern ihre schwierige Aufgabe aber so leidenschaftlich engagiert, dass ihnen höchstes Lob gebührt.
Perfekte Besetzung der Hauptrollen
Der 31-jährige Phoenix, bei einem schweren Autounfall gerade dem Tod entronnen, hat Cash und Carter noch persönlich kennen gelernt. Der Sänger war zu Lebzeiten eingebunden in das Filmprojekt, zusammen mit seiner Frau konnte er mehrere Drehbuchfassungen begutachten. Über den Schauspieler, der ihn verkörpern sollte, hat er gesagt: "Ich hoffe nur, dass er weiß, wie man seine Gitarre halten muss. Man hält sie nicht wie ein Baby, als ob man Angst davor hätte, dass sie zu Bruch geht. Man packt sie an ihrem Hals." Und das hat der junge Schauspieler eindrucksvoll genug getan, um von nun an in Hollywoods erster Liga zu spielen.
In der ist Reese Witherspoon, die Dame mit dem energischsten Kinn der Branche, eigentlich schon drin. Doch die Rolle als June Carter, die so wichtig und unverzichtbar im Leben des Sängers war, ist ihr bislang größter Leinwandtriumph. So energisch, so zäh muss die Frau gewesen sein, die Cash vor der Selbstzerstörung mit Alkohol, Medikamenten und Drogen rettete. Und so anziehend muss die Frau gewesen sein, die das Country-Idol zu seiner unvergänglichen Liebeshymne "The Ring of Fire" inspiriert hat. Geschrieben hat diesen Song übrigens June Carter zusammen mit Merle Kilgore.
"Walk the Line" beginnt mit Cashs Kindheit während der Großen Depression in einer Neusiedlung am Mississippi. Der Film zeigt, wie der Sänger im Alter von zwölf Jahren seinen älteren, bewunderten Bruder durch einen schrecklichen Unfall verlor. Als Soldat in Deutschland stationiert, verfasste Cash hier zu Lande seine ersten Kompositionen. Zurück in den USA, scheiterte er als Vertreter, heiratete er und wurde Vater. 1955 hatte er mit seiner Band den ersten Hit. Und er wurde die Stimme der einfachen Leute, die ihn dafür liebten und das noch immer tun. Mangolds Film wird Johnny Cash endgültig zur Mythengestalt der Populärkultur des 20. Jahrhunderts machen.
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