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Kinofilm "72 Stunden": Wenn der Professor zur Killermaschine wird

zuletzt aktualisiert: 20.01.2011 - 13:14

Frankfurt/Main (RPO). Was passiert mit einem bislang unbescholtenen und eher unauffälligen Universitätsdozenten, wenn seine Frau plötzlich unschuldig des Morde verdächtigt und auch noch verurteilt wird? Nun, er wird zur Killermaschine. Das zumindest ist der Fall in dem Thriller "72 Stunden" mit Hollywood-Größe Russell Crowe.

Der Englischlehrer John Brennan hätte niemals erfahren, zu welchen außerordentlichen Energien er fähig ist, wäre nicht eines Tages seine geliebte Frau Lara unter Mordverdacht festgenommen und in Haft gebracht worden.

Dieses Ereignis, das auch das Leben des gemeinsamen kleinen Sohnes Luke völlig durcheinander bringt, wird zum Startschuss für ein zweistündiges Thriller-Drama, das unter dem Titel "72 Stunden" ab dem 20. Januar in die Kinos kommt. Regisseur und Drehbuchautor ist Paul Haggis, ebenso Oscar-Preisträger wie Hauptdarsteller Russell Crowe als John Brennan.

Brennan zweifelt keinen Moment an der Unschuld seiner Frau, der wohl auch viele Zuschauer keinen Mord zutrauen dürften. Doch alle Beweise sprechen gegen Lara, ihre Verurteilung muss deshalb geradezu zwangsläufig erfolgen. Der Lehrer setzt alle Hebel in Bewegung, um seine Frau vor vielen Gefängnisjahren zu bewahren - vergeblich.

Nun bleibt nur noch ein verzweifelter Ausweg, um Lara wieder in Freiheit zu bringen und das zerstörte Familienglück zu erneuern: Brennan muss seine Frau aus dem Gefängnis befreien. Um dieses Ziel zu erreichen scheut der Ehemann auch nicht vor Kontakten zu zwielichtigen Gestalten, ja auch nicht vor kriminellen Aktionen zurück.

Paul Haggis hat mit "72 Stunden" einen französischen Thriller mit dem schönen Originaltitel "Pour Elle" unter anderen örtlichen und personellen Vorzeichen erneut in Szene gesetzt. Mit dem maskulinen Russell Crowe kann der Filmemacher in der Hauptrolle einen Star der Sonderklasse aufbieten, dem man allerdings weniger den Englischlehrer als den entschlossenen Tatmenschen abnimmt.

Auch wenn Crowe schon in besseren Rollen und Filmen zu sehen war: Er allein ist den Kinobesuch wert. Die Handlung hingegen ist herzlich unglaubwürdig, das Ende der Geschichte, das nicht verraten werden soll, alles andere als überzeugend.

Schwachstelle ist die Hauptdarstellerin

Das Misslingen des Films, der so laut das Hohelied von der Unverbrüchlichkeit von Ehe und Familie intoniert, liegt auch in der nicht überzeugenden Besetzung der vermeintlichen oder realen Mörderin Lara begründet.

Die 36-jährige Elizabeth Banks mag großes komödiantisches Talent in früheren TV-Rollen und Leinwandauftritten bewiesen haben: In "72 Stunden" und an der Seite des charismatischen Crowe wirkt Banks überfordert. Sie provoziert deshalb immer wieder die leicht boshafte Frage beim Betrachter, ob ein Mann tatsächlich alles, selbst sein Leben, aufs Spiel setzen würde, um sie vor weiteren Gefängnisjahren zu retten. Es hätte einer starken Darstellerin mit großer Ausstrahlung bedurft, um das glaubwürdiger zu gestalten.

Liam Neeson hat einen Kurzauftritt als von Brennan konsultierter Ausbruchspezialist. Die makellos schöne Olivia Wilde ist als Frau zu sehen, die Brennan in Versuchung zu bringen versucht.

Es wirkt schon kurios, dass ausgerechnet Drehbuch-Guru Paul Haggis (er schrieb die mit Oscars gekrönten Skripts zu "L.A. Crash" und "Million Dollar Baby") eine bekannte Story noch einmal verfilmt hat. Sein Film ist ein Remake des französischen Krimis "Ohne Schuld" und leidet wie das Original unter der flauen Figurenzeichnung sowie einer bisweilen unglaubwürdigen Handlung.

Erst im letzten Filmdrittel kommt mit dem Gefängnisausbruch samt Flucht so etwas wie Spannung auf. Wobei es schon arg grotesk anmutet, wenn sich der bislang brave Lehrer urplötzlich in eine Killermaschine verwandelt.

Quelle: apd/csr

 
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