Kino-Kritik: Wolf Creek: Horror in Australien
zuletzt aktualisiert: 10.07.2006 - 12:43Der fünfte Kontinent ist für viele das Traum-Urlaubsziel schlechthin. Exotische Tiere, unendliche Weiten, tolle Strände. Auch die beiden Britinnen Liz Hunter und Kristy Earl werden von den Hochglanzversprechungen hergelockt. Doch was sie dann bei Ihrem Trip erwartet, hätten sie sich in ihren schlimmsten (Alp)-Träumen nicht vorgestellt.
Zusammen mit dem sympathischen Australier Ben Mitchell haben die beiden Mädels einige tolle Tage am Meer der Westküste hinter sich, als sie gemeinsam zu einem langen Autotrip aufbrechen. Sie sind etwas verkatert von der Abschiedsparty am Vorabend, aber voller Vorfreude auf neue Erlebnisse. Doch die werden von ganz besonderer Art sein. Denn im glühend heißen Innern des Kontinents wartet das Grauen auf die Drei. Aber das ahnen sie noch nicht bei ihrem Abstecher zum Wolf- Creek-Nationalpark. Der erinnert an eine vorzeitliche Katastrophe, als ein Meteorit aus dem All einschlug und einen gigantischen Krater hinterließ, der nun eine Touristenattraktion darstellt.
Die drei jungen Leute picknicken im Krater, das Auto haben sie weitab geparkt. Zwischen Liz und Ben funkt es. Es werden die letzten Stunden ihres Lebens, die sie glücklich verbringen, auch wenn Kristy ungeküsst bleibt. Bei hereinbrechender Dämmerung kehren sie zurück zum Auto, doch das springt nicht mehr an. Und merkwürdig: All ihre Uhren sind stehen geblieben. Eine Erklärung für dieses Phänomen gibt es nicht, die beiden Engländerinnen und ihr Freund sind verunsichert. Umso erleichterter reagieren sie auf die Begegnung mit einem Truckfahrer, der vorgibt, zufällig vorbeigekommen zu sein.
Mick Taylor ist ein ziemlich schrulliger Typ, so eine Art "Crocodile Dundee"-Naturbursche. Er schleppt das defekte Auto mitsamt den drei Insassen ab in seine einsame Behausung inmitten eines längst aufgegebenen Bergwerks. Der Ort ist voller Gerümpel und Schrott, aber Taylor scheint sich dort wohl zu fühlen. Seine Gäste sind zu müde, um die beunruhigenden Zwischentöne in seinen prahlerischen Erzählungen am nächtlichen Lagerfeuer zu registrieren. Liz, Kristy und Ben rollen sich in ihre Schlafsäcke ein. Sie wissen noch nicht, welch grausames Schicksal auf sie wartet.
Einklang von Natur, Geschichte und Charakteren
Und die Kinobesucher müssen sich von jetzt an auf einen Horrortrip gefasst machen, der für sanfte oder schwachnervige Gemüter absolut ungeeignet ist. Mehr sei keinesfalls verraten vom Fortgang eines Films, der selbst abgebrühten Kinobesuchern unter die Haut gehen wird. "Wolf Creek" ist das vielversprechende Kinodebüt des Australiers Greg McLean, der nicht nur inszeniert, sondern auch das Drehbuch verfasst hat. Mit Cassandra Magrath als Liz, Kestie Morassi als Kristy, Nathan Phillips als Ben und dem 54-jährigen John Jarrat lässt McLean Schauspieler seines Landes agieren, die bei uns fast unbekannt sind und deren Gesichter ganz unverbraucht wirken.
Aber der größte Trumpf dieses Films ist natürlich die ebenso grandiose wie beängstigende Landschaft eines Kontinents, der mit Ausnahme seiner Küstengebiete extrem menschenfeindlich erscheint. Regisseur McLean hat es hervorragend verstanden, diesen natürlichen Hintergrund in stimmigen Einklang mit der Geschichte und den Charakteren zu bringen. Deshalb ist "Wolf Creek" mehr als nur ein weiterer Horror-Thriller.
Der Film ist auch das das düstere Psychogramm eines Riesenlandes, das zwei völlig verschiedene Gesichter hat: Traumstrände und entspanntes Leben am Meer, trockene Ödnis voll giftiger Schlangen im Innern. In dieser können Menschen ganz schnell spurlos verschwinden und Serienmörder völlig unauffindbar werden. Für australische Fremdenverkehrsbüros könnte dieser Film ein echtes Problem werden. Für nervenstarke Kinogänger aber ist "Wolf Creek" eine Herausforderung, die angenommen werden sollte.
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