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Apokalyptischer Ausblick mit Isabelle Huppert: "Wolfzeit": Düsterer geht es nimmer

zuletzt aktualisiert: 29.12.2003 - 10:18

Etwas gestresst erreicht die vierköpfige Familie das Ferienhaus im Wald. Wenig später wird der Vater verblutet am Boden liegen, wenig später wird für Anne und ihre Kinder ein apokalyptischer Exodus durch eine provinzielle französische Landschaft beginnen, in der nur noch das Überleben zählt. Mitten im Leben sind wir vom völligen Chaos bedroht, das zeigt der Film "Wolfzeit" von Michael Haneke.

Wenn der düstere Film des Österreichers am ersten Tag des Jahres 2004 in die Kinos kommt, ist das hoffentlich kein schlechtes Vorzeichen für den neuen Zeitabschnitt. Hanekes Ausblick auf eine Welt ohne Gnade ist jedenfalls nicht dazu geeignet, Hoffnung in die Zukunft zu setzen. Der gebürtige Münchner, der 2001 mit dem verstörenden Kinodrama "Die Klavierspielerin" einen internationalen Erfolg hatte, nimmt keine Rücksichten auf Zuschauererwartungen, sondern präsentiert in fahlem Licht, ohne jeden Glamour Menschenschicksale, die sich verzweifelt und überfordert in einer existenziellen Extremsituation zurechtfinden müssen.

Erstickender Pessimismus und abgrundtiefe Düsternis

Haneke selbst sagt, welche Grundfrage ihn bei diesem Film umgetrieben hat: "Wie gehen wir mit dem Ernstfall um?" Wenn alle Sicherheiten zerstört, wenn nichts mehr berechenbar und nichts mehr gewiss ist - was machen Menschen dann, wie reagieren sie, wie haltbar ist dann das, was wir Zivilisation nennen? Die Antwort des Filmemachers, der auch ein grüblerischer Denker ist, fällt vernichtend aus. Denn die Welt. durch die sich Anne und ihre Kinder bewegen, ist erbarmungslos. In ihr ist Mitleid ein Luxus, den sich kaum noch jemand leisten will. Und es sind die Schwächsten, Kinder und Tiere, die darunter am meisten zu leiden haben.

"Wolfzeit", da verspricht Haneke nicht zu viel, "ist sicher einer der dunkelsten Filme der Kinogeschichte". Aber eben darin liegt auch das Problem: Es ergreift den Zuschauer noch während der Vorstellung eine so tiefe Depression, dass er am liebsten gar nicht mehr hinschauen würde zur Leinwand, auf der es ohnehin oft sehr oder ganz dunkel ist.

Es ist einfach zu viel, was Haneke den Besuchern, deren Zahl sich ohnehin sehr in Grenzen halten wird, zumutet. Theoretisch mag solch ein Film Sinn machen, realisiert aber wirkt er in seinem erstickenden Pessimismus und seiner abgrundtiefen Düsternis abschreckend. Wer will dafür auch noch Geld bezahlen?


 
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