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Taking Woodstock Tobis NUR MIT FILM
  Foto: Tobis Film Verleih
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Rocknostalgie "Taking Woodstock": Woodstock – der Film

VON FRANK NOACK - zuletzt aktualisiert: 03.09.2009 - 13:16

(RP). Oscar-Preisträger Ang Lee erzählt in seinem Film "Taking Woodstock" die Geschichte des berühmtesten Festivals der Welt. Der Regisseur inszeniert Woodstock allzu traumhaft als Sternstunde in der Geschichte der US-Gegenkultur.

 Foto: Tobis
Foto: Tobis

Ob als Vermieterin oder als Mutter: Sonia Teichberg (Imelda Staunton) ist ein Monster. Gäste, die sich über den schlechten Service in ihrem heruntergekommenen Motel beschweren, werden von der untersetzten, kurzsichtigen Frau beschimpft und vor die Tür gesetzt. Den eigenen Sohn behandelt sie nicht besser. Als Elliot (Demetri Martin) den Wunsch äußert, als Innenausstatter zu arbeiten, fällt sie ihm ins Wort: "Wozu denn, du wirst doch hier gebraucht." Und Elliot fügt sich, weil man dieser Frau nicht widerspricht – wenn nicht aus Angst, dann aus Mitleid. Sonia Teichberg ist eine russisch-jüdische Immigrantin, die sich nie eine ruhige Minute gegönnt hat und deshalb auch kein Verständnis fürs Harmoniebedürfnis anderer hat.

Info

"Taking Woodstock" läuft am 3. September in den deutschen Kinos an.

USA 2009, 121 Minuten

Regie: Ang Lee

Darsteller: Liev Schreiber, Emile Hirsch, Jeffrey Dean Morgan

Altersfreigabe: ab 6 Jahren

Ausgerechnet diese kleinbürgerliche Familie, zu der noch der schweigsame Vater Jake (Henry Goodman) gehört, spielt eine zentrale Rolle bei der Organisation von Woodstock, dem berühmtesten Open Air Festival des Jahrhunderts. Bethel, die verschlafene Kleinstadt in den Catskill Mountains, hat zwar keine großen Attraktionen vorzuweisen. Aber eigentlich braucht man im Sommer 1969 auch nicht mehr als großflächige Wiesen und eine Ortsverwaltung, die deren Nutzung zulässt.

Der taiwanesische Regisseur Ang Lee stand vor demselben Problem wie die Familie Teichberg. Auch er musste logistische Probleme bewältigen, mit denen er keine Erfahrung hatte. Und er hat sie bewältigt. Die Personen sind nicht überschaubar; seit Robert Altmans "Nashville" (1975), der ebenfalls von einem Musikfestival handelt, gab es in keinem Film so viele Sprechrollen. Statt sich mit einem Porträt der Familie Teichberg zu begnügen, versucht Lee jeder Nebenfigur gerecht zu werden.

Zur Besetzung gehört auch Mamie Gummer, unverkennbar die Tochter von Meryl Streep. Lees Meisterschaft erkennt man daran, dass der Zuschauer nie den Überblick verliert. Die Spinner und die kühlen Köpfe ergänzen sich, so dass am Ende jeder auf seine Kosten kommt.

Die Musik spielt eine untergeordnete Rolle. Janis Joplin kommt ebenso wenig vor wie Jimi Hendrix. Man kann dabei gewesen sein, ohne eine dieser Legenden gesehen zu haben, denn Woodstock war mehr als nur ein Konzert. Es war ein Lebensgefühl. Lee führt Politaktivisten vor, die gegen den Vietnamkrieg protestieren und sich für die Frauen- und die Schwulenbewegung engagieren. Elliot selbst scheint zumindest bisexuell zu sein. In dem Transvestiten Vilma (Liev Schreiber) findet er einen zugleich väterlichen und mütterlichen Freund.

Gewalt liegt in der Luft. Eine Bürgerwehr will den Hippies den Kampf ansagen. Rechtsradikale Jugendliche schmieren antisemitische Parolen an das Haus der Teichbergs. Schutzgelderpresser melden sich an. All diese Probleme werden überwunden. Das mag historisch korrekt sein, aber im Film wirkt es unglaubwürdig, wenn die Hinterwäldler zur Toleranz bekehrt werden oder, sofern sie intolerant bleiben, den Mund halten. Drogen und Alkohol haben ausschließlich befreiende Wirkung und helfen Mutter Teichberg dabei, ihre menschliche Seite zu entdecken. Sanitäre Probleme werden ganz ausgeklammert.

Ang Lee hat sich fest vorgenommen, Woodstock als Sternstunde in der Geschichte der US-Gegenkultur zu feiern. Er hat auf jedes erdenkliche Detail geachtet und sogar authentische "Woodstock-Körper" gefunden. Vor seiner Kamera tummeln sich junge Darsteller mit blasser Haut und Bauchansatz, schwer zu finden im Zeitalter von Solarium und Fitness-Studio. Trotz solcher realistischer Details ist der Film insgesamt etwas zu märchenhaft, um zu überzeugen. Was man zu sehen bekommt, ist nicht Woodstock, sondern der Traum von Woodstock.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Quelle: RP

 
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