Neue Komödie "Whatever Works": Woody Allen und die Frauen
VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 01.12.2009 - 07:41Düsseldorf (RP). Mit "Whatever Works" beendet der Regisseur nach fünf Jahren seine europäische Phase und kehrt heim nach Manhattan. Die sehenswerte Komödie, die am Donnerstag ins Kino kommt, parodiert die großen Themen des 74-Jährigen.
Das ist ein schneller Film, altmodisch und versabbelt zwar, aber unheimlich sympathisch und auch ein bisschen giftig. Er variiert die Lebensthemen von Woody Allen: New York, die Männer und die Frauen, das Judentum und den zu erwartenden Untergang der Welt. Eigentlich funktioniert "Whatever Works" wie ein Stück vom Boulevard, das Türenknallen und die Chargen inklusive. Jede Szene endet mit einer Pointe, die mal zündet, aber nicht immer; und was wir da zu sehen bekommen, ist nichts anderes als eine zynische Dekonstruktion von "My Fair Lady", und zwar im Geist der späten 70er Jahre.
Woody Allens Professor Higgins heißt Boris Yellnikoff (Larry David). Er ist in seinen Fünfzigern angekommen, war angeblich mal für den Nobelpreis in Physik nominiert, warf sich dann aber in endgültiger Absicht aus dem Fenster – ihm war aufgegangen, dass es mit seiner Gattin allzu perfekt lief, um weiterleben zu können. Unten angekommen lebte er aber noch, und nun geht er durch Manhattan, zieht das Bein nach, spielt im Park um Geld mit Kindern Schach und schimpft und pöbelt, dass es eine Freude ist. "Wie sah deine Frau aus, als ihr einander begegnet seid?", wird er gefragt. "Ihr IQ war hoch und ihr Kleid lang", antwortet er.
Yellnikoff zitiert gleich mal Jesus und Karl Marx und begegnet alsbald einer 19-jährigen Südstaaten-Schönheit, Melody (Evan Rachel Wood) heißt sie, sie ist blond. Sie zieht bei ihm ein, in das Appartement eines alleinstehenden Bohemiens, dann heiraten sie, und als sie ausgeht und noch wissen möchte, wie sie aussieht in dem neuen Kleid, sagt er: "Als ob du in einer Abtreibungsklinik arbeiten würdest." Solche grobmotorischen Rampensauereien gibt es zuhauf, sie bringen ätzenden Witz in die Produktion, die bewusst nicht das Herz berühren soll, sondern ein rein intellektuelles Vergnügen ist.
Allen verfilmte ein Drehbuch von 1977, das war damals seine ganz große Zeit, die klassische Phase sozusagen, und wie im "Stadtneurotiker" gibt es auch hier Ansprachen ans Publikum. Yellnikoff tritt häufig aus der Erzählung heraus, geht auf die Kamera zu, kommentiert das Geschehen, er sagt sinngemäß stets dasselbe: Was ist das Leben für ein schlechtes Schauspiel! Und so ist die Geschichte denn auch inszeniert: New York als Kulisse, die Figuren bloß skizziert, die Fabel eigentlich ein Witz. Ein guter indes.
Man muss die Künstlichkeit des Vorgeführten akzeptieren, damit man seinen Spaß hat. In den USA gab es zum Kino-Start im Sommer eine Reihe übler Verrisse, viele hielten sich an der luftig gestrickten Story auf. Ein jugendlicher Liebhaber kommt da ins Spiel, und Melodys Mutter (Patricia Clarkson) sucht nach ihrem Küken und wandelt sich in der Metropole von der Provinz-Glucke zur promisken Hippie-Künstlerin. Auch der Vater (Ed Begley Jr.) steht bald vor der Tür, er wird am Ende mit einem Mann zusammenleben. Yelnikoff ist alles egal, er zieht die Brauen hoch, zuckt mit den Schultern. Sehen Sie, soll das heißen: Wir Menschen existieren auf Vorabend-Serien-Niveau. Es geht dabei nicht um Liebe, Glück oder andere Kategorien von Dauer. "Whatever Works" ist ein in den Wind geschriebener und hübsch verwehter Versuch über die titelgebende Redensart, die man mit "jeder, wie er mag" übersetzen könnte.
Der 74-jährige Woody Allen schließt mit seinem vierzigsten Werk seine europäische Phase ab. Vier Filme hat er in den fünf Jahren dort gemacht, große wie "Match Point" und "Vicky Cristina Barcelona". Nun ist er wieder daheim, und seine Wiedersehensfreude verpackt er in diesen 90-minütigen Scherz. Das nächste Projekt ist bereits abgedreht. Carla Bruni hat darin eine Rolle übernommen.
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