Chen Kaiges Melodram um einen begabten Jungmusiker: "Xiaos Weg" - Ein Großstadtmärchen aus China
zuletzt aktualisiert: 14.07.2003 - 09:21Frankfurt/Main (rpo). Liu Cheng, ein einfacher Mann aus einem chinesischen Dorf, fährt mit seinem 13-jährigen Sohn nach Peking, um dem begabten Xiao Chun eine Ausbildung zu ermöglichen. Dabei prallen zwei Welten aufeinander.
Das Leben im China der Gegenwart ist hart für die Menschen, die Unterschiede zwischen der Provinz und den Metropolen sind groß. Das muss auch der einfache Dörfler Liu Cheng erfahren, der mit seinem 13-jährigen Sohn Xiao Chun nach Peking kommt. Der Vater will dort dem hochbegabten Violinisten eine Ausbildung ermöglichen, die Xiao den Weg in eine Musikerkarriere ebnet. Zwar wird ein Lehrer gefunden, der den Jungen fördern soll. Doch Peking hält viele Überraschungen bereit, die nicht immer erwünscht sind.
Eine davon ist Xiaos Bekanntschaft mit der schönen, ganz dem westlichen Lebensstil verschworenen Nachbarin Lili. Und dass sich der eigenwilliger Professor Jiang manchmal mehr um seine Katzen als um die Lernfortschritte seines begabten Schülers Xiao kümmert, gehört auch zu den Dingen, die der brave Vater Liu nicht erwarten konnte. Er muss mitansehen, wie sich der Junge in der großen Stadt allmählich von ihm frei macht. Doch Liu, der sich mit Gelegenheitsjobs durchschlägt, ist hartnäckig, wenn es um die Zukunft des geliebten Sohnes geht. Und in dem renommierten, aber auch eitlen Musikprofessor Yu entdeckt er einen Mann, bei dem er Xiao besser aufgehoben wähnt.
"Xiaos Weg" heißt der Film des bedeutenden chinesischen Regisseurs Chen Kaige, der diese Geschichte erzählt, die ab dem 17. Juli in die Kinos kommt. In wunderschönen Farbbildern und ohne jede Scheu vor melodramatischen Effekten zeigt Chen Kaige ein modernes Großstadtmärchen, dessen Hintergrund das radikal im Wandel begriffene Peking von heute ist. Natürlich werden chinesische Zuschauer das Geschehen auf der Leinwand mit anderen Augen betrachten, und manche kritische Anspielung auf gegenwärtige Missstände bleibt uns sicher verborgen.
Sehr chinesisch - und doch universal verständlich
Doch spür- wie erfahrbar wird schon, unter welch hoher Anspannung die atemberaubende Entwicklung des Reichs der Mitte verläuft. Die Figuren des Films verkörpern in ihren Charakteren und Handlungen harte Gegensätze: Der verschroben-idealistische Professor Jiang und sein eitel-opportunistischer Kollege Yu; der bäuerlich-provinziell geprägte Vater und die konsumorientiert-großstädtische Lili. Zwischen diesen Gegensätzen bewegt sich ebenso neugierig wie verletzlich das junge Musikgenie Xiao, das von dem 15-jährigen Tang Yun schon deshalb so bewegend glaubwürdig gespielt wird, weil Tang Yun auch real einer der herausragenden Nachwuchs-Violinisten Chinas ist.
Chen Kaige, der selbst als Professor Yu zu sehen ist und dessen schöne Ehefrau Chen Hong die Rolle der Lili übernommen hat, zeigt die Geschichte in Bildern von betörender Farbenpracht und raffinierter Direktheit. Manchmal ist das nur um Haaresbreite vom Kitsch entfernt. Aber ein Mann, der solch großartige Filme wie "Gelbe Erde" und "Lebewohl, meine Konkubine" gemacht hat, kann mir diesem Risiko spielen und sogar die darin liegenden Möglichkeiten ausschöpfen. "Xiaos Weg" ist eine Kunstform von Kino, die sehr chinesisch und doch universal verständlich ist. Achtung Hollywood, es droht ernsthafte Konkurrenz!
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