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Kirk Douglas hat Geburtstag
Hollywoods Urgestein wird 100 Jahre alt

Los Angeles. Kirk Douglas drehte mit John Wayne und Burt Lancaster, war einer der Großen der Traumfabrik. In seinen Filmen spielte er oft harte, schwierige Typen. Auch im Leben setzte er meist seinen kantigen Kopf durch. Am Freitag wird er 100 Jahre alt. Von Jörg Isringhaus

Diese Kinngrube, dieser stechende Blick, diese adlerscharfen Züge - das Kino hatte auf einen wie Kirk Douglas nur gewartet. Von Physis und Physiognomie ein Heldentyp, aber einer, der Licht und Schatten in sich vereint. Selbst hinter der freundlichsten Fassade schien bei ihm immer ein kleiner, zu allem bereiter Teufel zu schlummern, durchtrieben, angriffslustig, bösartig. Sein Lächeln war eher eine Drohung und nicht weit entfernt vom Zähnefletschen, was er sowieso viel lieber aufsetzte, die grimmig entschlossene Miene des Kämpfers, der niemals aufgibt, weder in seinen Filmen noch im Leben. Douglas trotzte bislang Helikopterabsturz, Schlaganfall und dem Alter - am Freitag wird die größte noch lebende Hollywood-Legende 100 Jahre alt.

Er drehte mit Burt Lancaster, John Wayne, Humphrey Bogart, baute mit ihnen die Stadt der Illusionen, deren Glanz heute allmählich verblasst. Kirk Douglas ist der letzte Überlebende des sogenannten Goldenen Zeitalters, sozusagen der letzte Beweis, dass es diese Jahre gegeben hat, in denen Hollywood die Welt regierte. Das American Film Institut führt ihn derzeit auf Rang 17 der größten männlichen Leinwandhelden aller Zeiten und auf Platz eins der lebenden. Aber was heißt das schon?

Kirk Douglas mischt die Oscar-Verleihung auf FOTO: AFP

Douglas' letzte bemerkenswerte Rolle liegt rund 30 Jahre zurück, für die Jüngeren ist er gerade noch der Vater von Michael Douglas, und auch der ist gefühlt schon länger abgemeldet. Dabei war Issur Danielovitch, der sich auch Izzy Demsky nannte und seinen Namen später in Kirk Douglas änderte, einer der begabtesten Zauberer der Traumfabrik, ein Hexenmeister, der dazu in der Lage war, beim Zuschauer lebenslange Leidenschaft fürs Kino zu entfachen.

Beim Autor dieser Zeilen gelang ihm das mit "The Big Sky - Der weite Himmel", einem Film mit grandiosen Landschaftsaufnahmen, in denen Douglas als Trapper Jim Deakins gleichzeitig Abenteuer besteht und nebenbei aufklärt über den ewigen Kampf zwischen Zivilisation und Wildnis. Überhaupt hat sich Douglas oft Stoffe gesucht mit Fallhöhe, mit Botschaft, spielte immer wieder schwierige, ambivalente Charaktere, Männer mit Durchsetzungskraft, "tough guys", harte Typen. Den egozentrischen Journalisten Chuck Tatum in "Reporter des Satans", für den die Story mehr zählt als ein Menschenleben; den Produzenten Jonathan Shields, der in "Stadt der Illusionen" die Traumfabrik Hollywood entzaubert; den Cowboy Jack Burns, der in "Einsam sind die Tapferen" mit seinem überholten Lebensentwurf scheitert. Alle drei Filme sind Meisterwerke, deren erzählerische Kraft bis heute ungebrochen wirkt.

Ein Mann mit Kampfgeist

Unbeugsam, ausdauernd, stur war Kirk Douglas nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im Leben. Aufgewachsen als Sohn eines jüdisch-russischen Trödlers in Amsterdam, New York, musste er sich schon gegen sechs Schwestern behaupten. Als Hausmeister verdiente er sich das Geld für die Uni, spielte später am Broadway, ging 1941 zur US Navy und zog in den Krieg. Gleich danach gab er mit "Das seltsame Leben der Martha Ivers" sein Filmdebüt und eroberte Hollywood quasi im Handstreich. Schon bald besaß er die Macht, auf Besetzung und Regie einzuwirken. So feuerte er für "Spartacus" den renommierten Regisseur Anthony Mann und ersetzte ihn durch den unbekannten Stanley Kubrick, zugleich ließ er Drehbuchautor Dalton Trumbo im Abspann erwähnen. Ein Affront: Trumbo stand damals auf der Schwarzen Liste des Kommunistenjägers McCarthy, hatte Berufsverbot. Douglas' Kampfgeist beendete die Kommunistenhatz. Die Entscheidung, Trumbo zu nennen, sei die wichtigste seiner Karriere gewesen, sagte Douglas.

Natürlich hatte das alles eine Kehrseite. Douglas war nie besonders pflegeleicht, sondern herrisch, oft unduldsam, ein Kontrollfreak obendrein - das beklagte ausgerechnet Kubrick, der größte Kontroletti aller Zeiten. Zudem waren Douglas' hitzige Wortgefechte mit Burt Lancaster, mit dem er sieben Filme drehte, legendär - die beiden liebten und hassten sich. Klar, dass so einer wie Douglas auch nicht der geborene Familienmensch war, das Verhältnis zu Sohn Michael litt lange darunter. Vielleicht auch, weil Michael die Oscars bekam, die dem Vater verwehrt wurden - dreimal wurde er nominiert, dreimal ging er leer aus. Erst 1996 gab es die begehrte Trophäe, für das Lebenswerk.

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Da hatte Kirk Douglas bereits einen Hubschrauberabsturz, einen schweren Schlaganfall und darauf folgende Depressionen überlebt. Das Sprechen hatte er sich mühsam wieder beibringen müssen. 2004 musste er noch einen Schicksalsschlag ertragen, als sein drogensüchtiger Sohn Eric sich das Leben nahm. Aber auch das bewältigte der damals 88-Jährige irgendwie, einmal Kämpfer, immer Kämpfer. Und es schweißte ihn wieder enger mit dem Rest seiner Familie zusammen. Zum 100. wird groß gefeiert. Geschenke aber will Douglas nicht mehr: Stattdessen hat er angekündigt, sein Vermögen von 80 Millionen Dollar nach seinem Tod zu verschenken, unter anderem an eine Stiftung für erkrankte Schauspieler. Mitnehmen könne er das Geld ja nicht. Was für ein Vermächtnis, was für ein Leben, was für ein Kinn. Cheers, Kirk Douglas, möge die Leinwand immer für dich leuchten.

Quelle: RP
 
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