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Krimi-Doku über einen eigentlich geklärten Fall

Ein bestialisch ermordetes Ehepaar aus der besseren US-Westküstengesellschaft - auf der Anklagebank sitzen die Tochter und deren Ex-Freund, ein hochintelligenter deutscher Diplomatensohn. Es geht um Drogen, Sex und junge Liebe. Der Fall hat Thriller-Qualitäten, es ist bester Stoff für ein Justiz-Drama. "Das Versprechen" ist ein wahrlich packender Film.

Denn der Fall ist kein fiktiver Krimi - die zweistündige Doku beruht auf bitterer Realität. Protagonist ist Jens Söring, der seit 30 Jahren im Gefängnis sitzt, verurteilt als Doppelmörder. Die leicht ergrauten Haare zeugen von der Zeit, die vergangen ist, doch sein Gesicht hat immer noch etwas Jungenhaftes. Und wie eh und je beteuert der heute 50-Jährige seine Unschuld.

Am 30. März 1985 werden Derek und Nancy Haysom in ihrem Haus in Lynchburg, Virginia, umgebracht. "Es war, als ginge man in ein Schlachthaus", erinnert sich Ermittler Chuck Reid. Die Tochter des Paars gerät in der Folge unter Verdacht - und mit ihr: Jens Söring, ihr damaliger Freund. Die beiden hatten sich im Sommer 84 bei einem Orientierungsabend für Hochbegabtenstipendiaten kennen- und auch lieben gelernt.

Über die zweieinhalb Jahre ältere Elizabeth sagt Söring: "Sie war sehr wild, erfahren und verdammt sexy." Aber auch: "Letztlich war ich ein dummer Junge, den sie da in diese Sache reingezogen hat." Söring nimmt nach seiner Verhaftung die Schuld auf sich. Später widerruft er das Geständnis. Doch das Gericht schenkt ihm keinen Glauben mehr. Er bekommt zweimal lebenslang.

Akribisch rekonstruieren die Filmemacher den Fall, machen auf Widersprüche aufmerksam und halten ein Plädoyer für die Freiheit Sörings.

Das Versprechen - erste Liebe lebenslänglich, Deutschland 2016 - Regie: Marcus Vetter und Karin Steinberger, mit Jens Söring, 118 Minuten

(dpa)
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