Neue Jury: Kritische Stimmen vor der Filmpreis-Verleihung
zuletzt aktualisiert: 08.07.2005 - 14:00Berlin (rpo). Am Freitagabend wird der mit 2,845 Millionen Euro höchstdotierte Kulturpreis Deutschlands - die Lola - in der Philharmonie in Berlin vergeben. Erstmals besteht die Jury des Deutschen Filmpreises nicht aus einem unabhängigen Komitee, sondern aus der 2003 gegründeten Filmakademie. Dieses Vorgehen sorgte im Vorfeld für Kritik.
Vorwürfe der möglichen Mauschelei und Vetternwirtschaft bei der Vergabe des Deutschen Filmpreises wies Senta Berger, Präsidentin der Deutschen Filmakademie, wehement zurück. "Das würde einer anderen Berufssparte nur nach erwiesener Probe unterstellt werden können", sagte die Schauspielerin am Freitag im Bayerischen Rundfunk. Kritiker der Neuerung hatten befürchtet, dass kommerziell orientierte Produzenten mehr Einfluss auf die Wahl der Sieger gewinnen könnten und kleine, künstlerisch wertvolle Filme künftig keine Chance mehr hätten.
Berger sagte, angesichts von 680 Akademie-Mitgliedern könne der Vorwurf der Vetternwirtschaft nicht stimmen. Mauschelei sei viel eher möglich, "wenn elf Jurymitglieder 14 Tage zusammen 20 Filme sehen", sagte sie in Anspielung auf die alte Jury. Diese hatte sich aus Politikern, Kritikern, Kirchenvertretern und Filmschaffenden zusammengesetzt. Ihr war Proporzdenken vorgeworfen worden. Das neue Verfahren soll gewährleisten, dass ausschließlich Fachleute über die Preise entscheiden.
Berger wehrte sich auch gegen Kritik, der Filmpreis sei mit knapp drei Millionen Euro staatlicher Filmförderung zu hoch dotiert. Sie verwies auf die hohen Subventionen für Opernhäuser und Theater. Film sei auch subventionswürdig: "Wenn man bedenkt, dass der gesamte Kulturetat nur 0,1 Prozent des Staatshaushaltes ausmacht, dann kann man nicht von Verschwendung von Steuergeldern sprechen", sagte sie.
Levys "Alles auf Zucker" großer Favorit
Großer Favorit bei der 55. Verleihung des Filmpreises ist die Komödie "Alles auf Zucker" von Dani Levy, die in zehn der 16 Kategorien nominiert ist. Konkurrenten sind in der Königskategorie "Bester Film" "Agnes und seine Brüder", "Der neunte Tag", "Der Wald vor lauter Bäumen", "Die fetten Jahre sind vorbei" und "Sophie Scholl".
Chancen auf die Lola für die beste Schauspielerin dürfen sich Hannelore Elsner "(Alles auf Zucker"), Julia Jentsch ("Sophie Scholl") und Jessica Schwarz ("Kammerflimmern") ausrechnen. Bei den Männern gehen August Diehl ("Der neunte Tag"), Ulrich Matthes ("Der neunte Tag"), Henry Hübchen "Alles auf Zucker") und Bruno Ganz ("Der Untergang") ins Rennen. Regisseur Reinhard Hauff ("Stammheim") soll den Ehrenpreis für seine Verdienste um den deutschen Film erhalten.
Kulturstaatsministerin Christina Weiss wird die goldenen Lolas vor 2.200 Gästen an die Sieger überreichen. Moderiert wird die Gala von Michael "Bully" Herbig. Im vergangenen Jahr war Fatih Akins "Gegen die Wand" großer Sieger des Filmpreises.
Die Geschichte des Deutschen Filmpreises begann 1951. Damals räumte der Kästner-Klassiker "Das doppelte Lottchen" in allen Kategorien ab. Seitdem wird der Preis jährlich vergeben. Die Preisgelder sind zweckgebunden für neue Produktionen.
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