Oscarnominierung für "Der Stoff ,aus dem die Helden sind": "Kultur-Cowboy" Sam Shepard wird 60
zuletzt aktualisiert: 05.11.2003 - 15:37Los Angeles (rpo). Privat trägt er am liebsten Jeans und Cowboystiefel und arbeitet auf seiner Ranch in Minnesota. Auf der Leinwand schlüpft er eher in kultiviertere Rollen. Sam Shepard, der seit 20 Jahren mit der Schauspielerin Jessica Lange zusammenlebt, wird am Mittwoch 60 Jahre alt.
Sein grüblerischer Blick und seine asketischen Gesichtszüge passen perfekt zu den Figuren, die Sam Shepard auf der Leinwand berühmt machten: der einsame Farmer in Terence Malicks "In der Glut des Südens", der Einzelgänger in Volker Schlöndorffs "Homo Faber" oder der unbeugsame Testpilot in Philip Kaufmans "Der Stoff, aus dem die Helden sind". Diese Rolle brachte ihm 1984 eine Oscarnominierung ein. Shepard, der am 5. November 60 Jahre alt wird, lebt fernab von Hollywood auf einer Ranch im US-Staat Minnesota, wo er nach eigenem Bekunden im Kuh- und Pferdestall kräftig mit anpackt. Shepard trägt am liebsten Jeans und Cowboystiefel und macht so seinem Ruf als Amerikas "Kultur-Cowboy" alle Ehre.
In der Western-Kluft steckt ein Multi-Talent: Hollywoodstar Shepard ist Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur. Sein Bühnenstück "Buried Child" erhielt 1979 den Pulitzer-Preis, die begehrteste amerikanische Litereratur-Auszeichnung. Mit dem Drehbuch für den Wim-Wenders-Film "Paris, Texas" holte er sich 1984 die Goldene Palme in Cannes. Und sein bereits 1980 uraufgeführtes Gesellschaftsdrama "True West" wurde in der New Yorker Theatersaison 2000 erneut zum Publikumsrenner.
Am liebsten schreibt Shepard über zerrüttete Familien, den Mythos des Westens, Pioniere und Individualisten, Dinge, die ihm bestens vertraut sind. Er wuchs als Sohn eines Militär-Offiziers auf, der ständig mit der Familie umzog und nach Shepards Worten "mit Leib und Seele dem Alkohol verfallen war". Von der elterlichen Avocado-Farm in Kalifornien aus schloss sich Shepard einem Tournee-Theater an und kam mit 20 Jahren nach New York, wo er Theaterstücke schrieb. In wenigen Jahren avancierte er zum meistgespielten amerikanischen Dramatiker nach Tennessee Williams.
Viele erfolgreiche Drehbücher verfasst
Nach erfolgreichen Drehbüchern, unter anderem für Michelangelo Antonionis "Zabriskie Point", trat Shepard selbst vor die Kamera. In dem Farmer-Drama "In der Glut des Südens" (1978) wurden die Filmneulinge Shepard und Richard Gere entdeckt. "Es war der Blick Gary Coopers, unbestechlich, illusionslos, offen", sagte Regisseur Wim Wenders über Shepard. Auch Philip Kaufman meint: "Sam ist reserviert wie Gary Cooper. Er spricht wenig und sagt doch viel." Bei den Dreharbeiten zu "Frances" lernte Shepard 1982 seine Lebensgefährtin Jessica Lange kennen, mit der er zwei Kinder hat.
Shepard, der nach eigenen Worten nie ein Filmstar werden wollte, um nicht seine Glaubwürdigkeit als Autor zu verlieren, ließ sich dennoch für große Hollywoodproduktionen einspannen, darunter "Die Akte", "Password Swordfish" und "Black Hawk Down". Wenders, der ihn unbedingt als Hauptdarsteller in "Paris,Texas" vor die Kamera holen wollte, erhielt von Shepard eine Absage. Angeblich zögerte er, weil er als Drehbuchautor der Figur viele autobiografische Züge verliehen hatte.
Doch Wenders neuestes Angebot nahm Shepard an: Wie das Fachblatt "Variety" unlängst berichtete, schreibt er gerade das Drehbuch für die Komödie "Don't Come Knockin'", die Story eines alternden Cowboy- Darstellers, der bei den Dreharbeiten einfach keine Lust hat mehr hat, und davonreitet. Eine Idealrolle für einen Sechzigjährigen, der gerne Cowboystiefel trägt.
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