Schweizer Schauspielerin feiert Geburtstag: Lachend zum Erfolg: Liselotte Pulver wird 75
zuletzt aktualisiert: 11.10.2004 - 12:30Berlin (rpo). Was auffällt, und das schon seit Jahrzehnten, sind ihr ansteckendes Lachen und ihre fröhlichen Augen: Am Montag wird die Schweizerin Liselotte Pulver 75 Jahre alt. Sogar Gustaf Gründgens schickte ihr 1960 einen großen Blumenstrauß mit der Notiz: "Filmen ohne Sie ist nicht so lustig."
Mit Lilo Pulver konnte man dagegen garantiert viel Spaß haben, fand vor allem in den 50er und 60er Jahren auch das deutsche Publikum, das sie fünf Mal zur beliebtesten Filmschauspielerin wählte. Die gebürtige Bernerin wurde nach ersten Schritten auf heimischen Bühnen rasch zum deutschen Film geholt. Als ihr Entdecker gilt der Regisseur Kurt Hoffmann, dem wohl Begabteste einer von der Nazi-Filmpolitik arg deformierten Generation, der sein Handwerk noch Anfang der 30er Jahre gründlich erlernt hatte. Er machte sie 1955 mit dem Melodram "Ich denke oft an Piroschka" zum Star. Zwei Jahre später folgte das außerordentlich erfolgreiche Filmmusical "Das Wirtshaus im Spessart".
Insgesamt neun Hoffmann-Pulver-Produktionen entstanden bis 1967, darunter auch "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull", "Dr. med. Hiob Prätorius" und zwei "Spessart"-Fortsetzungen. Hoffmann-Komödien zeichneten sich durch eine Leichtigkeit aus, die dem deutschen Film sonst abging. Kritiker Joe Hembus hätte sich allerdings gerade beim "Wirtshaus im Spessart", wo Pulver zuerst als Page verkleidet den Räuberhauptmann Carlos Thompson austrickst und dann in den Hafen der Ehe manövriert, "mehr Ruchlosigkeit im Erotischen" gewünscht.
Dafür sprühten nicht selten bei den Dreharbeiten zwischen Lilo Pulver und ihren Filmpartnern erotische Funken. Über Hans Albers, mit dem sie 1950 ihren ersten deutschen Film "Föhn" drehte, berichtete sie: "Er hat mir etwas nachgestellt. Er war reizend und hat mir sehr geholfen, denn eine so große Rolle als junger Mensch, das war schon ein bisschen problematisch. Er hat immer wieder die Szenen durchgesprochen und darauf geachtet, dass ich zur Geltung kam." Trotz häufiger Techtelmechtel war sie dann mehr als 30 Jahre lang mit ihrem Kollegen Helmut Schmid, der 1992 starb, glücklich verheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Tochter Melisande beging 1990 in Bern Selbstmord.
Der Berliner Produzent Atze Brauner erinnerte sich, dass das Premierenpublikum in den 50er Jahren einmal Lilo Pulver beinahe zu Tode gedrückt hätte - "vor lauter Liebe". Sie musste sich ins Auto eines fremden Passanten retten. Ihre Schwester Corinne Pulver erklärte später in einer Biografie die übermäßige Verehrung so: "Das damals bis ins Innerste erschütterte deutsche Volk ließ sich nur zu gerne von einer Schweizer Träumerin trösten, die dem Ernst der Stunde nichts anderes entgegenzusetzen hatte als ein hartnäckiges Lachen."
Ab den 70er Jahren war Liselotte Pulver dann überwiegend in Fernsehrollen zu sehen. Sie spielte die Ehefrau des Eisenbahnräubers Horst Tappert in der Fortsetzung der "Gentlemen"-Filme "Hoopers letzte Jagd" und die Schwester von Pfarrer Günther Strack in "Mit Leib und Seele". Außerdem wirkte sie von 1973 bis 1983 in der deutschen Fassung der US-Kinderserie "Sesamstraße" mit. Nach einer letzten Kinorolle in Sönke Wortmanns "Das Superweib" (1996) zog sie sich aus dem Filmgeschäft zurück.
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