Drama "Mitte Ende August" mit Marie Bäumer und Milan Peschel: Liebeswirren, von Goethe inspiriert
VON FRANK NOACK - zuletzt aktualisiert: 30.07.2009 - 02:23(RP). An Johann Wolfgang von Goethes Roman "Wahlverwandtschaften" (1809) haben Filmemacher erst sehr spät Interesse entwickelt. Der Stoff war für das Kinopublikum nie so reizvoll wie "Faust" oder "Werther"; er war zu idyllisch, zu wenig dramatisch, zu dialoglastig. Erst seit den achtziger Jahren entstanden Adaptionen durch Regisseure wie Claude Chabrol, Rudolf Thome und die Brüder Paolo und Vittorio Taviani. Auch sie schienen eher fürs Fernsehen geeignet als für die große Leinwand.
Die neueste Adaption durch Sebastian Schipper, "Mitte Ende August", wird trotz ihrer unleugbaren Qualitäten wenig an den Vorbehalten ändern. Die "Wahlverwandtschaften" sind kein Stoff, der unbedingt auf die Leinwand muss.
Im Mittelpunkt von Schippers Film stehen Hanna (Marie Bäumer) und Thomas (Milan Peschel), ein kinderloses Paar in den dreißigern. Sie haben sich ein Landhaus gekauft. Bei letzten Gesprächen mit dem Notar, beim Inspizieren des Hauses und beim Einkauf im Baumarkt wird schnell deutlich, wer in dieser Beziehung die Hosen anhat. Hanna ist praktisch veranlagt, Thomas dagegen ein Chaot, der schon mal ein Loch in die Wand schlägt, ohne sich über die Statik Gedanken zu machen. Dass er seinen älteren Bruder Friedrich (André Hennicke) einlädt, ohne Hanna vorher um Erlaubnis zu bitten, müsste diesem ländlichen Idyll eigentlich den Rest geben.
Doch nach anfänglicher Skepsis findet Hanna Gefallen an Friedrich. Er verbreitet zwar schlechte Laune, ist arbeitslos und von Frau und Kindern verlassen worden. Aber er ist ein Profi, der sich bei der Instandsetzung des Hauses nützlich machen kann.
Schipper charakterisiert seine Figuren subtil, mit Hilfe von Nebensächlichkeiten wie die Vorliebe für Tee oder Kaffee. Sein Film krankt jedoch an der Hinzufügung weiterer Personen: Hannas Patenkind Augustine (Anna Brüggemann) stößt zu der Gesellschaft, dann kommt noch Hannas Vater (Gert Voss) mit seiner russischen Geliebten (Agnese Zeltina). Die Konstellation wirkt konstruiert. Das Dreigespann Hanna-Thomas-Friedrich hätte ausgereicht. Alles, was an diesem Film gut ist, hätte Schipper auch ohne Goethe zustandegebracht.
Ein Fortschritt ist immerhin zu begrüßen. Schippers bisherige Filme "Absolute Giganten" und "Ein Freund von mir" waren oberflächliche Porträts unreifer Männer. Hier sorgen eine reife Frau (Hanna) und ein reifer Mann (Friedrich) für erhöhtes Interesse. Schipper ist mit seinen 40 Jahren noch lange kein Meister, aber ein vielversprechendes Talent. Das lässt hoffen.
Bewertung: 3 von 5 Sternen
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