Interview mit dem Macher von "The Village": M. Night Shyamalan denkt nicht an Horror-Effekte
zuletzt aktualisiert: 09.09.2004 - 07:17München (rpo). Schon in seinem fulminanten Debüt "The Sixth Sense" (1999) fuhr Regisseur Manoy Night Shyamalan mit einem überraschenden Ende auf. Er gilt als einer der unkonventionellsten Drehbuchautoren und Regisseure Hollywoods. Auch mit den Nachfolgern "Unbreakable" (2000) und "Signs" (2002) hat der in Indien geborene US-Amerikaner ein Genre massentauglich gemacht, das Thriller, Suspense-Schocker und Fantasyfilm vereint. Im Interview nahm er zu seiner ganz persönlichen Ansicht von Horror und Ängsten Stellung.
Frage: Es gibt Parallelen zwischen "Signs", ihre bis dato jüngste Produktion, und "The Village": In beiden Filmen wird eine Gemeinschaft mit einer unbekannten Macht konfrontiert. Welche Rolle spielt Angst in ihrem Werk?
Shyamalan: Das ist lustig, denn ich denke bei diesen Filmen nicht an den Angst-Faktor. Bei "Signs" geht es darum, dass alle Charaktere offen aussprechen, was sie fühlen. Sie glauben an die Familie, an deren Stärke. In "The Village" geht es ebenfalls darum, herauszufinden, was für einen selbst eigentlich zählt. In diesem Film ist die übernatürliche Kraft die Liebe - nicht im übertragenen Sinn, sondern wahrhaftig. Sie glauben wirklich an diese übermenschliche Kraft namens Liebe.
Dennoch spielen sie gern mit dem Thema Angst. Filme wie "The Sixth Sense" und "The Village" leben von unterschwelligem Horror.
Aber ich denke nicht in diese Richtung. Keiner der Filme ist wirklich ein Horrorfilm. Ich mag Dunkelheit, finstere Einstellungen, komplizierte Liebe und ebensolche Situationen. Ich mag Schlussszenen, die entgegengesetzt zu dem verlaufen, was man angenommen hat. Und die Erfahrungssuche setzt sich fort. Nach dem Film, beim Dinner, spricht man darüber, und der Prozess hält an, weil er noch nicht beendet ist. Kopf und Herz sind noch damit beschäftigt, zu erkunden, was man fühlt. Angst wird von mir nur benutzt, um eine angespannte Atmosphäre zu erzeugen, damit die Leute bereit sind für die Geschichte, damit sie aufnahmefähiger sind. Alle sind dann auf einer gleichen emotionalen Ebene, und ich kann leichter eine dramatische Story erzählen.
Sie erzählen ihre Geschichten gern fließend, die Szenen greifen oft ineinander. "The Village" wirkt fast wie ein Tanz. Welches Konzept steckt dahinter?
Ich mag es nicht, Filme im Schneideraum zu machen. Große Produktionen entstehen heute meistens dort, nach dem Prinzip: Erst Material sammeln und dann mal sehen, was man damit machen kann. Bei mir gibt es auf jeden Fall eine Choreographie. Das rührt von jener Idee her, den Film eben nicht im Schneideraum entstehen zu lassen. Das ist keine unbeabsichtigte Choreographie, das ist komplett gesteuert - vom Anfang bis zum Ende. Das kann natürlich auch zu Problemen führen: Wenn sich mein Ansatz als nicht korrekt herausstellt, fallen wir böse auf die Nase. Denn wir haben dann keine Möglichkeit mehr, es anders zu machen.
Neben der Neuentdeckung Bryce Howard konnten Sie für "The Village" auf namhafte Schauspieler zurückgreifen wie Sigourney Weaver und Adrien Brody. Auch Joaquin Phoenix war dabei, was schätzen Sie an ihm?
Er ist roh und überhaupt nicht geformt, ein Selbstentzünder. Denn er bringt sich selbst in die Situation, in der er explodiert. Das ist gefährlich - auf eine wunderbare Art und Weise. Wenn du ihn bittest, das zu wiederholen, tut er es. Und wenn er explodiert ist, ist es vorbei, dann ist das Feuer sofort wieder erloschen. Das ist magisch.
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