"Der Informant" läuft an: Matt Damon dicklich und mit Schnauzer
zuletzt aktualisiert: 05.11.2009 - 11:30Frankfurt/Main (RPO). Matt Damon ist ein echter Frauenschwarm. Der Hollywood-Star sieht gut aus, hat Charme und einen makellosen Körper. Bis jetzt jedenfalls. Wer den Schauspieler in seinem neuen Kinostreifen "Der Informant" sieht, fällt fast vom Glauben ab. Damon hat 15 Kilogramm zugenommen, trägt eine dicke Brille und einen Schnauzbart. Heute läuft der Film in den Kinos an.
Worum geht es? Marc Whitacre ist der Inbegriff des honorigen Bürgers, ein Familienvater, Wohltäter und Topmanager eines Agrarkonzerns in der Provinz. Eines Tages informiert der Biochemiker seine Chefs vom Erpressungsversuch eines japanischen Industriespions, der einen Virus in die Labors der Firma eingeschmuggelt hat. So beginnt Steven Soderberghs neues Werk wie ein spannender Wirtschaftskrimi, in dem er das Porträt eines "Whistleblowers" zeichnet.
Ein "Whistleblower" ist jemand, der kriminelle Machenschaften seiner Firma ausplaudert. Denn als die von Marcs Boss alarmierten FBI-Agenten in Marcs Villa das Telefon anzapfen, um den ominösen Japaner zu erwischen, rückt der Manager plötzlich mit einer brisanten Information heraus, welche die Provinzagenten in helle Aufregung versetzt.
Damon als FBI-Agent
Er enthüllt langjährige Preisabsprachen internationaler Agrarkonzerne, die mit überhöhten Preisen Riesengewinne einsackten. Das FBI macht ihn zum Undercover-Agent, der die heimlichen Treffs der Bosse aufzeichnet und das Material für den größten Wirtschaftsprozess der 90er liefert.
Zunächst unmerklich entspannt sich dabei ein zweiter Handlungsstrang, in dem sich Marc selbst als krummer Hund entpuppt. Und die FBI-Leute, die ihn zunächst als mutigen Zeugen schätzen, japsen am Ende nur noch, wenn er mit einem weiteren Bröckchen Wahrheit herausrückt.
Tatsächlich hat der authentische Marc Whitacre der US-Regierung nicht eine Milliarde Bußgelder beschert - er wurde dabei selbst millionenschwerer Unterschlagungen überführt. Der FBI-Belastungszeuge und Biedermann erweist sich schließlich als eine so schräge Figur, wie sie sich kein Drehbuchautor je hätte ausdenken dürfen.
Regisseur Soderbergh, der zuletzt mit einem bierernsten, vierstündigen Che-Guevara-Epos langweilte, wechselt quasi vom Stand- aufs Spielbein und inszeniert diese wahre Geschichte als feinsinnige, lakonische Groteske. Er verdichtet den Originalcharakter zu einem amerikanischen Schweijk, der den Überblick über seine Schwindeleien verliert.
Plauze und Schnäuzer
Matt Damon, der bereits als Sunnyboy in den "Ocean's Eleven"-Krimikomödien das Verkleiden übte, ist als alerter Manager mit dicklichem Bubigesicht, Plauze und Schnauzer einfach großartig. Er verleiht der Hauptfigur eine wieselige Verdruckstheit, die schließlich zur Vollmeise erblüht.
Allerdings bekleckern sich in diesem Sittenbild einer Geschäftswelt, die in zeitlos hässlichen Hotels tagt, auch die dilettantischen FBI-Agenten nicht mit Ruhm. Und obwohl der Film sieben Jahre Vorbereitungszeit brauchte, wirkt sein Antiheld wie ein Kommentar zur Finanzkrise, als Verkörperung jener kindlichen Gier, die Börsenzocker an den Tag legten.
In dieser amüsanten Satire zumindest, die nach dem Motto "Darf's noch eine Million mehr sein?" verfährt, lässt es sich über den schlampigen Umgang mit Fantastilliarden lachen. Bei den Preisabsprachen ging es übrigens um Geschmacksverstärker für Junkfood.
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