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Interview mit Kai Pflaume: Mehr als netter Schwiegersohn

VON DÖRTE LANGWALD - zuletzt aktualisiert: 14.12.2004 - 13:56

Müchen (rpo). Kai Pflaume wagt immer wieder etwas Neues: Nachdem der Fernseh-Moderator kürzlich seine Sport-Kollektion in Kooperation mit Adidas präsentierte, ist er nun in dem Disney-Film "Die Unglaublichen" zu hören. Pflaume synchronisiert die Figur "Frozone", die Menschen schockgefrieren kann - eine Fähigkeit, die der TV-Star auch im wahren Leben gerne mal ausleben würde.

Frage: Wie kamen Sie dazu, eine Synchronrolle zu übernehmen?

Pflaume:
Ich arbeite schon länger mit Disney zusammen, habe z.B. auf der DVD von "Schneewittchen" das interaktive Menü erklärt und vor drei Jahren eine Ausgabe von "Nur die Liebe zählt" in Disneyland in Paris gedreht. Irgendwann habe ich einfach gefragt, ob ich mal eine Rolle synchronisieren dürfte - nicht gleich morgen, aber am liebsten nächste Woche (lacht). Naja, und so bot man mir schließlich die Rolle des Frozone an.

Wie groß ist der Unterschied zwischen Synchronarbeit und Moderation? 

Synchronisieren geht in den schauspielerischen Bereich hinein, allerdings ohne dass es wirklich Schauspiel ist: Ein guter Synchronsprecher muss noch lange kein guter Schauspieler sein und umgekehrt. Als Moderator musste ich erst einmal lernen, alle Emotionen nur über meine Stimme zu transportieren - ohne Mimik oder Gestik zur Hilfe nehmen zu können. Das war eine tolle Erfahrung, ich habe auf jeden Fall etwas dazugelernt.

Wollen Sie nun ins Schauspielfach wechseln?

Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Außerdem würde sich das mit meinem Beruf als Moderator beißen. Stellen Sie sich vor, ich hätte als Schauspieler Erfolg. Dann würden die Leute glauben, ich spiele ihnen in meinen Moderationen auch etwas vor. Allerdings würde es mich interessieren, mal zu sehen, wie beim Film gearbeitet wird.

Viele Schauspieler nehmen auch deshalb gerne Synchronrollen an, weil sie damit ihre Kinder beeindrucken können. Wie war das bei Ihnen?

Natürlich ist es ein schöner Nebeneffekt, wenn man mit seinen Kindern ins Kino geht und sagen kann: ‚Hört mal genau hin, der Frozone hat Papas Stimme’. Aber das wirklich Tolle war für mich, in einer Disney-Produktion eine Rolle bekommen zu haben, sehe ich als echte Auszeichnung – auch wenn es mich freut, wenn meine Kinder mich jetzt endlich cool finden (lacht).

Die Synchronarbeiten fanden statt, als sich der Film noch im Rohzustand befand – wie sind Sie damit zurecht gekommen?

Ich hatte mir das natürlich alles ganz anders vorgestellt und dachte, man synchronisiert den fertigen Film. Statt dessen bekamen wir eine schwarz-weiß-Version, in der die Figuren teilweise noch von Szene zu Szene unterschiedlich aussahen, weil man sich noch nicht auf die endgültige Optik festgelegt hatte. Manchmal konnte man fast nichts erkennen, weil die Bilder gepixelt waren und mit schwarzen Balken und Timecode verdeckt waren. Dennoch hat das Ganze viel Spaß gemacht.

Haben Sie beim Synchronisieren richtig mitgespielt? Vielleicht ein paar Surfbewegungen eingebaut?

Ja, bei manchen Szenen muss man agieren, um den nötigen Druck in die Stimme zu bekommen oder eine gewisse Aufregung transportieren zu können. Aber ich habe mich nicht so viel bewegt wie mein Kollege Markus Maria Profitlich, der völlig aus sich herausgegangen ist (lacht).

Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle vorbereitet? Sprechunterricht genommen?

Nein, ich bin sehr spontan an die Sache herangegangen und habe alles auf mich zukommen lassen. Ich habe auch nicht das ganze Drehbuch im Vorfeld auswendig gelernt, sondern mich vom Regisseur bewusst anleiten lassen. Natürlich hat es eine Weile gedauert, bis ich richtig drin war. Man muss ja nicht nur den Inhalt stimmlich vermittlen, sondern auch synchron sprechen und auf den Punkt genau sein. Aber als ich das erst einmal drauf hatte, lief alles ganz wunderbar.

Haben Sie Ähnlichkeiten zwischen sich und Frozone entdeckt?

Interessanterweise ja. Wenn man sich die Daten von Frozone anschaut, stellt man fest, dass wir gleich groß sind, das gleiche Gewicht haben - achja, und seit diesem Film bin ich jetzt natürlich auch cool und lässig. Frozone ist ein ganz Netter. Das zeigt er im Film nicht so sehr, aber wir kennen uns ja auch privat.

Im Original spricht Samuel L. Jackson den Frozone – befürchten Sie nun Vergleiche?

Nein, darüber mache ich mir keine Gedanken. Im Gegenteil, ich finde das cool – sollte ich Samuel L. Jackson jemals auf einer Premierenparty treffen, kann ich ihn ansprechen und sagen: ‚Hi, ich bin Ihre deutsche Stimme’.

Sie haben bereits mit Ihren ironischen Moderationen bei Stefan Raabs „Wok-WM“ gezeigt, dass Sie nicht nur der nette Schwiegersohn-Typ sind. Versuchen Sie bewusst, Ihr Publikum immer wieder zu überraschen?

Nein, ich versuche nur zu zeigen, dass ich mehrere Facetten habe. „Nur die Liebe zählt“ ist einfach nicht die Sendung, in der man lockere Sprüche klopfen kann oder mal auf unkonventionelle Art moderieren kann. Insgesamt will ich die Menschen immer wieder interessieren. Das geht am besten, indem man ab und zu das Gegenteil von seinem Image präsentiert. Wenn ich in eine Playback-Show gehe, dann singe ich eben keine Schmuseballade, wie man es viwelleicht erwarten würde, sondern einen Song von Billy Idol mit Punkfrisur. Ich finde es spannend, ein breites Spektrum zu bieten. Ich kann heute mit hochrangigen Wirtschaftsbossen auf der Bühne stehen und morgen einen Animationsfilm synchronisieren.

Wenn Sie sich eine Fähigkeit der Superhelden aus dem Film aussuchen könnten, welche wäre das?

Das mit dem Einfrieren finde ich schon ganz gut. Es gibt da so drei bis fünf Leute auf diesem Planeten, die ich gerne mal schockgefrieren würde – und wahrscheinlich auch nicht wieder auftauen würde. Wer das ist, verrate ich aber nicht. Vielleicht, wenn „Die Unglaublichen Teil 2“ ins Kino kommt (grinst).

Quelle: rpo

 
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