"Nanga Parbat": Messners Ex-Bergkameraden kritisierten Film
zuletzt aktualisiert: 08.01.2010 - 19:58Hamburg/München (RPO). Kurz vor dem Kinostart des Films "Nanga Parbat" haben sich die Expeditionsteilnehmer Max von Kienlin und Gerhard Baur wieder mit Kritik zu Wort gemeldet. Regisseur Joseph Vilsmaier hat die realen Ereignisse bei der Besteigung des 8.125 Meter hohen Bergs in Nordpakistan durch die Messner-Brüder im Juni 1970 verfilmt.
Reinhold Messner hatte mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Günther ohne Sauerstoffgerät den Gipfel erklettert, auf dem Abstieg starb Günther Messer unter nie ganz geklärten Umständen. Jahre später, ab 2001, begann eine Auseinandersetzung zwischen Teilnehmern der Expedition mit gegenseitigen Vorwürfen. Messner wehrte sich gerichtlich gegen den Vorwurf, er habe seinen Bruder im Stich gelassen. Er erreichte, dass Kienlin eine Reihe von Behauptungen zurücknehmen musste.
Kienlin und Baur äußern sich nun in der NDR-Sendung "Kulturjournal", die am Montagabend ausgestrahlt wird, zu dem Vilsmaier-Film. "Dass sich irgendjemand von den Expeditionsteilnehmern darüber gefreut hätte, dass beide Messners hätten umkommen können, das ist infam", sagte Baur laut NDR. Max von Kienlin hält besonders die Darstellung des Expeditionsleiters Karl Herrligkoffer für problematisch: "Wir haben ja alle unsere Probleme mit Herrligkoffer gehabt. Aber so krass – ein 'Berg-Hitler' möchte man fast sagen –, wie er dargestellt wird, so war er nicht."
Regisseur Vilsmaier äußert sich ebenfalls im "Kulturjournal". Er hat demnach absichtlich die Expeditionsteilnehmer nicht zu den Geschehnissen am Nanga Parbat befragt. "Da muss man die ganzen Bücher zitieren", sagte er. "Da muss man die gegenüberstellen und so, aber die Arbeit mache ich mir nicht. Also, da habe ich keinen Bock nicht, damit da irgendwelche Kamellen ausgepackt werden von 18 egoistischen Männern."
Im Gespräch mit dem "Münchner Merkur" sagte Vilsmaier: "Jeder, der Messner anschuldigt, sollte mal auf 8.000 Meter ohne Sauerstoff gehen und schauen, was passiert." Der Regisseur fügte hinzu: "Nur Messner weiß, was da oben passiert ist. Ich bin aber überzeugt, dass ein Mensch, der seinen Bruder umgebracht hat, mit dieser Tat nicht leben könnte."
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