Legendärer Film von Fritz Lang restauriert: "Metropolis" kehrt auf die Leinwand zurück
zuletzt aktualisiert: 29.01.2010 - 18:20Wiesbaden (RPO). Einer der bedeutendsten Filme der Kinogeschichte kehrt auf die Leinwand zurück. Während der diesjährigen Berlinale, am 12. Februar, wird erstmals die restaurierte Fassung von Fritz Langs Meisterwerk "Metropolis" der Öffentlichkeit präsentiert. Fachpublikum und Journalisten konnten am Freitag in Wiesbaden bereits erste Szenen des wiederhergestellten Films sehen.
"Diese Fassung wird ein absolutes Filmerlebnis sein", freut sich Eberhard Junkersdorf, der Vorsitzende Murnau-Stiftung, die das deutsche Filmerbe verwaltet. Endlich sei es möglich, den Film so zu sehen, wie Lang ihn konzipiert habe. "Metropolis" ist ein Mythos und begeistert Cineasten bis heute. Filmsprache und Ästhetik des Vorläufers aller Science-Fiction-Filme wurden immer wieder nachgeahmt. Nicht zufällig war "Metropolis" der erste Film, der von der Unesco in das Register des "Gedächtnisses der Welt" aufgenommen wurde.
Zum Mythos hat seine unglückliche Rezeptionsgeschichte nicht wenig beigetragen. Als Lang den Film Ende 1926 fertigstellte, hatte die Produktion mehrere Millionen Reichsmark verschlungen. Da der Streifen an den Kinokassen floppte, geriet die Filmgesellschaft UFA an den Rand des Konkurses. Um zu retten, was zu retten war, wurde der ursprünglich zweieinhalb Stunden lange Film mehrfach umgeschnitten und gekürzt, um ihm doch noch zum kommerziellen Erfolg zu verhelfen.
"Es war einfach grauenvoll"
Das herausgeschnittene Material wurde offenbar von der UFA sofort vernichtet und galt seither als verloren. Zwar tauchten in den vergangenen Jahrzehnten einzelne Sequenzen wieder auf, doch trotz aller Bemühungen fehlten auch in einer 2001 vorgelegten restaurierten Fassung immer noch rund 30 Minuten des ursprünglichen Films. Die Situation änderte sich grundlegend, als im Sommer 2008 in Argentinien eine Filmkopie mit zahlreichen verlorenen Szenen auftauchte. Diese bildet die Grundlage für die nun vorliegende Neufassung.
Dabei sahen sich die Restauratoren zahlreichen Problemen gegenüber. Zum einen war die argentinische Filmkopie von einer äußerst dürftigen Qualität. "Es war einfach grauenvoll", erinnert sich Helmut Poßmann, der Geschäftsführer der Murnau-Stiftung, an die erste Sichtung des Material. Man habe sich kaum vorstellen können, dass eine Restaurierung überhaupt möglich sei. Zahlreiche vertikale Streifen verunstalteten den Film und erweckten den Eindruck, als sei die schwarze Farbe verlaufen.
Dazu kam das Problem, dass die Schnittfolge der argentinischen Kopie und der bislang bekannten Versionen stark voneinander abwichen. Eine große Hilfe war für die Restauratoren die Partitur der Original-Filmmusik aus den 20er Jahren. Sie war für die Uraufführung komponiert worden und lieferte wertvolle Hinweise auf Szene- und Schnittfolge. "Es hat sich herausgestellt, dass die Schnittfolge der argentinischen Version bestätigt wurde", erklärt die Restauratorin Anke Wilkening.
Ausstrahlung auf Arte
Die am Freitag präsentierten Szenen machen deutlich, dass die Wiedergeburt der Urfassung weitgehend geglückt ist. Die störenden schwarzen Streifen sind weitgehend verschwunden. Die Restauratoren haben das argentinische Filmmaterial digitalisiert und mit speziellen Computerprogrammen von störenden Effekten befreit. Durch die neue Schnittfolge tritt zudem die von Lang angelegte Erzählstruktur erstmals wieder deutlich hervor.
Am 12. Februar kann nun ein breites Publikum "Metropolis" beinahe wieder so sehen, wie der Film bei der Uraufführung 1927 gezeigt wurde. Begleitet von zwei Symphonieorchestern wird der Film zeitgleich in Berlin und Frankfurt am Main vorgeführt. Aber auch die Fernsehzuschauer kommen nicht zu kurz. Das restaurierte Meisterwerk wird am selben Abend vom deutsch-französischen Kulturkanal Arte ausgestrahlt.
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