Comeback in "Sin City": Mickey Rourkes "einzige zweite Chance"
zuletzt aktualisiert: 08.08.2005 - 15:25München (rpo). "Diner", "9 1/2 Wochen", "Angel Heart" - Mickey Rourke konnte in den 80er Jahren einige Erfolge verbuchen. Doch plötzlich stand der Schauspieler nicht mehr aufgrund filmischer Leistungen in den Schlagzeilen, sondern surch sein Rüpel-Image. Er versuchte sich als Boxer und landete auf dem Boden. Jetzt feiert der 51-Jährige sein Comeback - in "Sin City" als einsamer Kampfkoloss, der seine getötete Geliebte rächt.
Mr. Rourke, hätten Sie gedacht, dass Ihnen dieses Comeback in Hollywood nach all den Jahren gelingen würde?
In den ersten paar Jahren schon, als dann allerdings viele Jahre vergingen, habe ich irgendwann aufgehört, noch daran zu glauben.
Wie fühlt es sich jetzt an?
Es fühlt sich gut an, aber ich bin sehr vorsichtig, weil ich nicht wieder die gleichen Fehler machen will. Das erste Mal habe ich es ziemlich versaut. Die letzten 12, 13 Jahre waren nicht sehr schön - durch mich. Erst als ich mir das eingestanden habe, konnte ich daran arbeiten. Dieses Mal will ich es nicht wieder vermasseln. Ich habe verstanden, dass das hier die letzte Chance ist, meine einzige zweite Chance. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich sehe heute nichts mehr als selbstverständlich an.
Welche Fehler haben sie gemacht?
Es sind zu viele, um sie hier zu aufzuzählen. Wenn ich zum Beispiel einen Film gedreht habe, sah ich automatisch die Produzenten und alle anderen als Feinde. Ich wollte keine PR machen, keine Interviews geben. Ich habe nicht verstanden, dass man diplomatisch sein muss, dass es Regeln gibt im Filmgeschäft. Für mich gab es in dieser Zeit keine Regeln. Jetzt, bei den letzten Filmen habe ich mich anständig benommen und mein Bestes gegeben. Deswegen haben die Produzenten von "Sin City" auch zugestimmt zu meiner Besetzung.
Wie schützen Sie sich heute vor Fehlern?
Ich habe erkannt, was ich falsch gemacht habe. Ich musste den Kontakt zu einigen Leuten abbrechen, denen ich sehr nahe war. Am Anfang habe ich mich dadurch ziemlich allein gefühlt, weil ich es gewohnt war, mit diesen, sagen wir, bösen Jungs rumzuhängen.
Wann haben Sie gemerkt, dass es Zeit ist, etwas zu ändern?
Als ich meine Frau (Model Carré Otis), mein Haus, mein Geld, meine Karriere verloren hatte. Ich sah mich im Spiegel und dachte, kein Wunder dass sie dich verlassen hat, kein Wunder dass du jetzt an diesem Punkt gelandet bist. Damals meinte ich noch, in sechs Monaten würde alles besser. Aber als fünf, sechs Jahre vergingen, dachte ich, wow, es ist vorbei.
Mögen Sie Hollywood heute?
Wissen Sie, ich führe keinen Krieg mehr gegen Hollywood, wie ich es früher getan habe. Aber das hatte etwas mit den Problemen zu tun, die ich mit Autorität hatte. Ich verlor damals schnell die Lust, schon bei "Angel Heart". Zum ersten Mal macht mir Hollywood heute Spaß. Und ich liebe die Tatsache, dass alle diese Idioten, die gesagt haben, "der ist erledigt, seine Karriere ist gestorben", dass ich es denen jetzt beweisen kann. Und zwar konstruktiv, nicht wie damals nur mit dieser Wut in mir.
Haben Sie gezögert, in "Sin City" die Rolle der Kampfmaschine Marv zu übernehmen?
Wenn man so lange aus dem Geschäft ist, ist es leicht jede Rolle anzunehmen, die man angeboten bekommt (lacht). Ich fand das Buch interessant und glaubte daran, dass Robert Rodriguez etwas wirklich Gutes daraus machen würde. Ich habe ihm vertraut, das war der Hauptgrund, warum ich diesen Film gemacht habe.
Wie war die Arbeit?
Es ist sehr leicht, mit Robert zu arbeiten. Ich mag es, dass er gegen den Strom schwimmt, er ist so innovativ, ein junger Cowboy, der Spaß beim Drehen hat. Ich langweile mich nie mit ihm am Set. "Sin City" hätte mit einem anderen Regisseur richtiger Mist werden können.
Sie haben für die Fortsetzung von "Sin City" schon zugesagt. Könnten Sie sich vorstellen, auch mal eine romantische Komödie zu spielen?
Es ist ja so, dass ich mir immer nur etwas aussuchen kann, was mir auch angeboten wird. Aber, wenn mal eine romantische Komödie dabei wäre, bei der ich die Geschichte mag und den Regisseur und die Darsteller, sicher. Allerdings würde ich keine romantische Komödie drehen wollen, nur damit ich mal eine gemacht habe.
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