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Nachruf auf Bud Spencer
Grazie, Mann!

Bud Spencer ist tot: Sein letztes Wort war "Danke"
Düsseldorf. Der Schauspieler Bud Spencer ist tot. Der 86-Jährige führte das herrlichste Leben, das man sich vorstellen kann. Eine Verbeugung vor einem großen Komödianten und wichtigen Lehrer. Von Philipp Holstein

Diese Wampe, diese herrliche Wampe! Irgendwann in jedem seiner Filme hat er sie eingesetzt, das waren dann die schönsten Szenen, er hat die Bösen und Doofen an seinen mächtigen Bauch gedrückt, und entweder funktionierte der dann als Trampolin, von dem die Gegner fortgeschleudert wurden, oder als Kissen, in dem sie zur Ruhe kamen und Demut lernten. Diese Wampe hat die Welt ein bisschen besser gemacht, das kann man schon sagen, eigentlich bräuchten wir sie gerade jetzt ganz dringend, und deshalb ist es so traurig, dass sie nun nicht mehr da ist: Bud Spencer ist in Rom gestorben, er wurde 86 Jahre alt.

Eigentlich hieß er Carlo Pedersoli, unter diesem Namen wurde er in Neapel geboren, und ohne ihm je begegnet zu sein, darf man sagen, dass er das allerherrlichste Leben gehabt hat. Dieser 1,92 Meter große Kerl war ja nicht bloß Schauspieler, er hat auch eine Fluglinie gegründet und die Reisezahnbürste mit integrierter Zahnpasta und den Spazierstock mit eingebautem Sitz erfunden. Er war Schwimmer und nahm in den 50er Jahren zwei Mal an den Olympischen Spielen teil.

Reaktionen auf den Tod von Bud Spencer

Er komponierte Lieder und sang sie selbst ein. Er heiratete seine große Liebe und blieb 54 Jahre mit ihr zusammen. Und zwischendurch aß er und rauchte, er war ein Genießer, das Essen nannte er seine andere große Liebe, und oft aß er gemeinsam mit seinem Kumpel Terence Hill (heute 77), denn die beiden taten in 16 Filmen nicht bloß so, als wären sie beste Freunde, sie waren es echt. Man würde gerne mal genau so Urlaub machen, wie Bud Spencer gelebt hat.

Lust war überhaupt das Allerwichtigste

Dass Bud Spencer so verehrt wird, hängt denn auch mit der Vorstellungswelt der Kindheit zusammen, man kann den Einfluss nicht überschätzen, den dieser Mann auf ein zehn Jahre altes Gehirn hat. Er war der Bürgermeister der idealen Vorstellungswelt, ein Bär, dem man gern die Hand gereicht hat, man würde im echten Leben auch gerne so einen kennen. Bud, das klingt nach Buddy, nach Kumpel also, und das war er: ein großer Freund.

1967 bekam er einen Anruf, man brauchte beim Film einen dicken Mann, und der Regisseur fragte, ob Pedersoli nicht Lust habe mitzumachen, obwohl er ja eigentlich Jura studiert hatte und etwas ganz anderes werden wollte. Pedersoli hatte Lust, natürlich, Lust war ja überhaupt das Allerwichtigste, also sagte er zu. Er mochte sich allerdings nicht den Ruf als Schwimmer verderben, deshalb dachte er sich einen Künstlernamen aus, eine Mischung aus seinem Lieblingsschauspieler Spencer Tracy und der Biermarke Budweiser.

So spielte er also in "Gott vergibt, Django nie", und in diesem Film war schon alles angelegt, was Produktionen wie "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle", "Die rechte und die linke Hand des Teufels" oder "Vier Fäuste für ein Halleluja", der allein in Deutschland 35 Millionen Mark einspielte, später so toll gemacht haben.

Bud Spencer erfand die Doppelbackpfeife und den Dampfhammer

Das waren ja nicht bloß Prügelfilme. Das waren im Grunde Hörspiele. Wer auch immer die Idee gehabt hat, den Schlägereien einen Soundtrack zu geben, sei gepriesen: Es war genial. Das Zischen der Fäuste, die durch die Luft schießen. Das Krachen der Fingergelenke, das Schmatzgeräusch beim beidhändigen Griff an Gegners Backen. In dieser Choreografie stand Bud Spencer als Fels in der Brandung, er erfand die Doppelbackpfeife und den Dampfhammer, bei dem er dem Gegner gerade auf den Kopf schlug, so dass der eine Pirouette drehte. Alles große Errungenschaften – aus Sicht eines Kindes.

Dabei hatte das alles nichts mit Gewalt zu tun. Es floss kein Blut, und die Gegner schüttelten den Schmerz meist weg und flohen dann. Es gab keine Waffen, es wurde lediglich die Sprache entsichert und mit Kalauern geschossen. Filme mit Bud Spencer waren genau genommen sogar zärtlich, das waren Freundschafts- und Erlöserfilme. Es begann immer damit, dass eine Gruppe von dunkel gekleideten Gestalten ihn und Terence Hill schlecht behandelte oder beim Essen störte. Die Bösen waren zumeist ziemlich dumm, sie kannten die Freuden des Genießens nicht, sie waren ja auch sehr dünn, und sie konnten das Subversive der Gags und Scherze nur erahnen, die die Freunde vor Beginn der Prügeleien abfeuerten. "Entweder der führt was im Schilde oder der will flirten" ist so ein Satz und "Hast Du dich eigentlich mit dem Presslufthammer gekämmt?" Und dann klingelten die Glocken, Kopfnüsse, und Ohrfeigen waren Bud Spencers Gemüse.

Ein Charlie Chaplin mit Faust und Bauch

Das Böse gab es in diese Filmen nur als Karikatur, damit das Gutsein noch lustiger war. Bud Spencer tanzte durch diese Filme, er war das Fleisch gewordene Lustprinzip und von einer Arglosigkeit, die anrührte. Er war ein Charlie Chaplin mit Faust und Bauch, und seine Rollen hatten fast immer Kosenamen, Mücke etwa, Plattfuß und Bomber. Er lehrte, dass man sich nicht unterkriegen darf, dass alle zusammenhalten müssen, wenn sie auf der guten Seite der Macht stehen.

Bud Spencer war zu beneiden um sein grundsätzliches Einverstandensein mit der Welt. Ein unverbrüchlicher Optimist. Und als Lehrer nicht zu übertreffen.

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