Kino-Drama über die Messner-Brüder: "Nanga Parbat": Kälte, Qualen, Einsamkeit
zuletzt aktualisiert: 13.01.2010 - 18:56Berlin (RPO). Bergsteiger ticken anders. Wenn Sie in der Wand stehen, kann ihnen niemand mehr helfen. Trotzdem zieht es sie immer wieder hinaus. Von der Faszination des Bergsteigens handelt auch der Kino-Film "Nanga Parbat". Er schildert den dramatischen Tod von Reinhold Messners Brüder Günther im Juni 1970. Den Gipfel erreichten die beiden noch. Der Abstieg geriet zum Verhängnis.
Die Brüder Günther und Reinhold Messner, gespielt von Andreas Tobias und Florian Stetter, sind Bergsteiger aus Leidenschaft. Gemeinsam wollen sie die höchsten Gipfel der Erde erklimmen. Im Sommer 1970 brechen die beiden Südtiroler unter der Leitung von Karl Maria Herrligkoffer (Karl Markovics) zu einer wagemutigen Expedition zum Nanga Parbat auf. Trotz schlechter Wetterprognosen wagen sie den Aufstieg. Sie erklimmen den Gipfel. Der Abstieg aber endet tödlich.
Seit Günther Messner im Juni 1970 am pakistanischen Nanga Parbat ums Leben kam, muss sich Reinhold Messner schwere Vorwürfe gefallen lassen. Er habe seinen Bruder beim Abstieg fahrlässig im Stich gelassen, behaupten einige der damaligen Expeditionsteilnehmer bis heute.
Reinhold Messner als Berater
In Joseph Vilsmaiers Drama "Nanga Parbat" bekommt Reinhold Messner nun in Form eines Spielfilms die Gelegenheit, seine Version der Tragödie zu erzählen. Immerhin stand der legendäre Bezwinger aller 8000er dem "Comedian Harmonists"-Regisseur als Berater zur Seite.
Die Ereignisse des dramatischen Abstiegs schildert der Bergfilm in Form einer langen Rückblende. Sogar auf die Kindheit der beiden Messner-Brüder wird kurz eingegangen. Schon dabei zeichnet sich das drohende Schicksal der beiden passionierten Bergsteiger geradezu fatalistisch ab. Reinhold wird zweifelsfrei als der wesentlich entschlossenere und talentiertere Kletterer in die Handlung eingeführt. Günther wirkt hingegen zögerlich und nachdenklich. Auch die Mutter schlägt sich früh mit bösen Vorahnungen herum. Um Reinhold macht sie sich keine Sorgen, doch um Günther hat sie permanent Angst.
Die Wahrheit bleibt im Dunkeln
Ob Vilsmaier in "Nanga Parbat" tatsächlich die Wahrheit über die gescheiterte Bergtour erzählt, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Regisseur Vilsmaier gab noch kürzlich zu Protokoll, dass er den Streit der Bergsteiger gar nicht thematisieren wollte. Er habe die Expeditionsteilnehmer mit voler Absicht gar nicht erst zu den Geschehnissen am Nanga Parbat befragt, sagte der Regisseur im NDR-Kulturjournal. Auf "irgendwelche Kamellen" ausgepackt von "18 egoistischen Männern" habe er schlichtweg keinen Bock.
Im Gespräch mit dem "Münchner Merkur" sagte Vilsmaier: "Jeder, der Messner anschuldigt, sollte mal auf 8.000 Meter ohne Sauerstoff gehen und schauen, was passiert." Der Regisseur fügte hinzu: "Nur Messner weiß, was da oben passiert ist. Ich bin aber überzeugt, dass ein Mensch, der seinen Bruder umgebracht hat, mit dieser Tat nicht leben könnte."
"Nanga Parbat" überzeugt durch beeindruckende Landschaftsaufnahmen und eine solide Besetzung. Wobei neben den beiden Hauptdarstellern Florian Stetter ("Sophie Scholl") und Andreas Tobias ("Der Baader Meinhof Komplex") vor allem Karl Markovics ("Der Fälscher") in der Rolle des Expeditionsführers gefällt. Der Film startet am 14. Januar.
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