Aufwärtstrend bestätigt sich auf der Berlinale: Neue Perspektiven für Deutsche Filme
zuletzt aktualisiert: 17.02.2005 - 12:32Berlin (rpo). Der deutsche Film ist wieder da. Was in jüngster Vergangenheit eher Beschwörung und Hoffnung war, ist nun Tatsache: Deutsche Produktionen erfreuen sich im In- und Ausland wachsender Beliebtheit. Thema ist überwiegend das reale Leben im eigenen Land - und das scheint das Publikum anzusprechen. Ein großes Interesse ist jedenfalls unverkennbar, das hat die 55. Berlinale bereits gezeigt.
Nahezu 70 deutsche Filme werden auf dem größten Filmfestival der Republik gezeigt, fast alle vor ausverkauften Häusern. Das trifft auf die drei im Wettbewerb gezeigten deutschen Produktionen ebenso zu wie auf die Arbeiten junger Nachwuchsregisseure in der zum vierten Mal veranstalteten Reihe "Perspektive Deutsches Kino". Diese Reihe hat Alfred Holighaus vom Mauerblümchen zu einer Trumpfkarte der Berlinale gemacht. Holighaus gibt sich nicht ohne Grund selbstbewusst: "Nehmen wir einmal an, die Perspektive böte einen Ausblick auf die Zukunft des deutschen Kinos. Dann gäbe es bald weniger gute Spielfilme als bisher, aber noch bessere."
In Filmen wie "Katze im Sack" des Koblenzers Florian Schwarz, "Netto" des Berliners Robert Thalheim und das "Das Lächeln der Tiefseefische" des Hamburgers Til Endemann treten Dreißigjährige ins Rampenlicht, die das Lebensgefühl und die Existenznöte ihrer Generation auf die Leinwand bringen. Manches in ihren Filmen ist noch unfertig, doch für Erstlingswerke, die mit geringen Mitteln erstellt wurden, sind das schon erstaunlich professionelle Arbeiten. Zu diesen Filmemachern zählt auch der in Frankfurt aufgewachsene Lars Kraume, Jahrgang 1973, dessen "Keine Lieder über Liebe" in der Reihe "Panorama Special" ebenso zu sehen war wie Andreas Dresens Roman-Verfilmung "Willenbrock".
Für deutsche Filmkunst steht Christian Petzold
Dresen ist ein Jahrzehnt älter und errang mit der Ostdeutschland-Tragikomödie "Halbe Treppe" 2002 einen sensationellen Berlinale-Erfolg, der im Kino viele Besucher fand. Auf diese kann nun auch Marc Rothemund hoffen für sein bewegendes Drama um "Sophie Scholl - Die letzten Tage". Der 36-jährige Regisseur hat mit der herausragenden Hauptdarstellerin Julia Jentsch eine neuen Blick auf das Martyrium der Widerstandskämpferin gewagt, der in Berlin große Beachtung fand. Zum Favoriten der deutschen Kritik ist mit seinem poetischen Wettbewerbsfilm "Gespenster" Christian Petzold geworden.
Der 44-jährige Autor und Regisseur macht ganz bewusst Kunstfilme, die sich dem schnellen Unterhaltungskonsum verweigern. Petzold reklamiert in der Spaßgesellschaft ein Recht auf "Traurigkeit" und Reflektion. Von Filmen wie denjenigen des Wahlberliners können die Kinos nicht leben, aber ohne diese sind sie bloße Abspielstätten durchkalkulierter Industrieprodukte. Der deutsche Film braucht Kassenmagneten und Leinwandkunst gleichermaßen. Die Berlinale lässt erkennen, dass für beide Seiten der einen Medaille genügend einheimisches Potenzial und Personal vorhanden ist. Das ist ermutigend.
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