| 14.17 Uhr

"Nightcrawler" im Kino
Der Reporter des Grauens

Szenen aus "Nightcrawler" mit Jake Gyllenhaal
Szenen aus "Nightcrawler" mit Jake Gyllenhaal FOTO: ap
Düsseldorf. Jake Gyllenhaal spielt in "Nightcrawler" einen Videoreporter ohne Moral. Der US-amerikanische Superstar dürfte sich mit seiner Leistung bereits eine Oscarnominierung gesichert haben.  Von Britta Schmeis

Ausgemergelt, mit durchdringendem Blick aus riesigen Augen in dunklen Höhlen umschleicht er seine Opfer, linkisch beobachtet er sie, um dann mit seiner Kamera zu filmen. Lou Bloom ist ein Emporkömmling, der für Geld und Erfolg alles tut. Und er gleicht einem Kojoten im Großstadtdschungel von Los Angeles. Jake Gyllenhaal spielt diesen Soziopathen in "Nightcrawler" grandios.

Lou ist ein Kleinkrimineller, der sich sein Geld mit Metalldiebstählen verdient. Ausgerechnet bei dem Schrotthändler, dem er seine Ware anbietet, will er für einen ehrlichen Job anheuern. Doch der Händler gibt ihm zu verstehen, dass er zwar Geschäfte mit Dieben macht, aber sie sich nicht in das eigene Haus holt. So funktioniert die Welt, in der jeder auf seinen Profit und auf eine reine Weste bedacht ist. Eine Doppelmoral, die sich Lou später erfolgreich zunutze machen wird - ohne jegliche Bedenken.

Auf einem seiner nächtlichen Beutezüge beobachtet er einen Unfall und sieht einen Tatortfilmer, der ohne Rücksicht auf Opfer und Helfer die Rettung in Bildern einfängt. In den Morgennachrichten sieht Lou genau diese Bilder. Rasch ist ihm klar, dass mit solchen Aufnahmen viel zu verdienen ist. Kurzum stiehlt er am Strand von Los Angeles ein Fahrrad, macht es zu Geld und kauft sich davon eine Handkamera. Schon da spürt man, dass dieser Mann nicht an den Strand mit fröhlichen Menschen gehört. Lou agiert in der Dunkelheit der Nacht.

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Fortan streift er mit Polizeifunk im Ohr durch die nächtliche Großstadt, filmt Autounfälle, Überfälle und Tote und verkauft die Bilder an die schwächelnde Morgensendung der Redakteurin Nina (Rene Russo). Die bescheinigt ihm nicht nur ein gutes Auge, sondern vor allem erhofft sie sich bessere Einschaltquoten. Früh ahnt sie zwar, dass Lou jegliche moralische Grundsätze missachtet. Doch der Erfolg lässt sie ihre Zweifel schnell vergessen.

Man kann diesen Film als Medienschelte verstehen, als Gesellschaftskritik. "Nightcrawler" ist aber in erster Linie ein beklemmender Thriller, der mitunter ein wenig an der Oberfläche bleibt, wie sein Protagonist, den der wandlungsfähige Gyllenhaal so großartig spielt.

(dpa)
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