Interview: Nina Hoss sucht das Abenteuer
zuletzt aktualisiert: 12.09.2005 - 15:14Berlin (rpo). Nina Hoss gehört heute zu den renommiertesten deutschen Schauspielerinnen - auf der Bühne wie im Film. Der Durchbruch gelang ihr vor rund zehn Jahren mit dem Fernsehfilm "Das Mädchen Rosemarie". Seit Donnerstag ist 30-Jährige in "Die Weiße Massai" im Kino zu sehen. Im Interview spricht sie von Liebe, Abenteuer und anderen Kulturen.
Nach dem Erfolg mit "Das Mädchen Rosemarie" entschied Hoss sich, ihre Schauspielausbildung zu beenden. Sie war in "Nackt" von Doris Dörrie und "Wolfsburg" von Christian Petzold zu sehen. Regelmäßig tritt sie am Deutschen Theater Berlin und am Berliner Ensemble auf. In diesem Jahr spielte sie bei der Salzburger "Jedermann"-Inszenierung die Rolle der Buhlschaft.
"Die weiße Massai" von Regisseurin Hermine Huntgeburth beruht auf der wahren Geschichte von Corinne Hofmann, die mit dem gleichnamigen Buch einen Bestseller landete. Carola (Hoss) lernt am Ende ihrer Ferien in Kenia den Samburu-Krieger Lemalian (Jacky Ido) kennen. Sie verliebt sich Hals über Kopf - und beschließt, ihr Leben in der Schweiz aufzugeben und mit ihm und seinem Stamm in der Wildnis zu leben. Doch die Probleme lassen nicht lange auf sich warten.
Glauben Sie an Liebe auf den ersten Blick?
Ja - weil ich das erlebt habe.
Könnten Sie sich vorstellen, wie ihre Filmfigur Carola in eine solch fremde Umgebung zu ziehen?
Wenn ich ehrlich bin nicht. Das würde bedeuten, sein gesamtes Leben und damit auch die Kultur aufzugeben, die für mich sehr wichtig ist. All das, was einen hier ausmacht, gibt es dort nicht. Außerdem würde ich mich auch sehr langweilen. Das wäre das Hauptproblem.
Wie bereit wären Sie, sich selbst aufzugeben?
Das weiß ich nicht, das wurde noch nicht so richtig von mir gefordert. Mir ist es sehr wichtig, etwas zu tun zu haben. Nur von Liebe und Luft allein kann ich nicht leben. Ich bin ein Mensch, der sich Aufgaben sucht und beschäftigt werden will.
Haben Sie schon mal etwas gegen alle Vernunft gemacht?
Nicht wirklich. Die Reisen, die ich unternommen habe, macht allerdings so auch nicht jeder. Ich suche schon das Abenteuer. Ich bin mit einem Zelt auf dem Rücken durch die Pyrenäen gewandert, habe in Brasilien in der Hängematte auf einem Boot geschlafen. Das finde ich erhebender als die ganze Zeit am Strand zu liegen. Insofern ist mir die Art von Abenteuerneugier von Carola schon nah.
Ist Carola besonders mutig oder naiv?
Ich glaube beides. Sie trifft diesen Mann in einem Moment, in dem sie sich in ihrem Leben langweilt und fragt "was jetzt"? Außerdem sucht sie auch das Abenteuer und ist risikobereit. Ihr Weg vollzieht sich aber in Schritten, sie gibt nicht sofort alles in ihrem alten Leben auf. Natürlich hat sie eine gewisse Naivität zu denken, das klappt schon alles - aber wie man so schön sagt, manchmal macht Liebe eben blind. Dann glaubt man, alle Hindernisse überwinden zu können.
War die richtige kenianische Familie von Corinne Hofmann in die Dreharbeiten vor Ort eingebunden?
Nein, das wollten die ebenso wenig wie die Produzenten, das ist dann zu vermischt. Genauso wenig wollte ich, dass Corinne Hofmann bei den Dreharbeiten dabei ist. Das hemmt einen, weil du dann ständig unter Beobachtung stehst. Und ich spiele auch nicht sie. Das ist eine fiktive Figur auf der Grundlage ihrer Geschichte. Ich empfinde eine Verantwortung, weil das ihr Leben ist. Aber wenn diejenige, die all das erlebt hat, permanent daneben steht und zuguckt, ist man völlig blockiert.
Sie waren zum ersten Mal in Afrika. Hat das eine Liebe geweckt?
Es ist schon ein besonderer Kontinent: diese Weite, dieses Licht, die Tiere, die Farben... Dort herrscht eine so warme Ausstrahlung, die mich unglaublich ruhig gemacht hat. Ich fühlte mich nie gestresst, obwohl die Arbeit stressig war. Ich habe das selten erlebt, dass ich mich innerhalb von Minuten so erholen kann, weil das Land so eine Wärme ausstrahlt.
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