Oscar-Verleihung in Los Angeles: "No Country For Old Men" räumt ab
zuletzt aktualisiert: 25.02.2008 - 05:02Hollywood (RPO). Die Regie-Brüder Joel und Ethan Coen sind die strahlenden Sieger der 80. Oscar-Verleihung. Für ihren Western-Thriller "No Country For Old Men" erhielten sie am Sonntagabend die besonders begehrten Auszeichnungen in den Kategorien "bester Film" und "beste Regie".
Der blutige Film über einen Drogendeal an der mexikanisch-amerikanischen Grenze war als Favorit in den Wettbewerb gegangen und hat die hohen Erwartungen erfüllt: Auch in den Kategorien "bestes adaptiertes Drehbuch" und "bester Nebendarsteller" wurde der Film ausgezeichnet.
Mit dem Streifen haben die Coen-Brüder zum ersten Mal den Oscar in der Königsklasse "bester Film" gewonnen. In der Kategorie setzte sich ihr Film gegen den Mitfavoriten "There Will Be Blood" durch, der den Preis für den besten Hauptdarsteller erhalten hatte. Ebenfalls nominiert waren das Historiendrama "Atonement" ("Abbitte"), der Justiz-Thriller "Michael Clayton" und die Schwangerschaftskomödie "Juno".
Die Überraschung bei der Vergabe der Oscars in Los Angeles: Den Preis als beste Hauptdarstellerin erhielt die 32 Jahre alte Französin Marion Cotillard für ihre Darstellung der Edith Piaf.
Cotillard erhielt den Oscar für ihre bewegende Darstellung der Chanson-Legende Edith Piaf in dem Film "La Vie En Rose". Sie setzte sich gegen die 66-jährige Mitfavoritin Julie Christie durch, die für ihre Rolle in dem Alzheimer-Drama "Away From Her" nominiert worden war. Cotillard ist erst die zweite Französin, die den Oscar als beste Hauptdarstellerin gewann. Die erste war vor gut 50 Jahren die Schauspielerin Simone Signoret.
In einer emotionalen Ansprache bedankte sich Cotillard für die hohe Auszeichnung. "Ich bin sprachlos", sagte sie ergriffen. "Danke an die Liebe, danke an das Leben!". Zu den weiteren Nominierten in der Kategorie "beste Hauptdarstellerin" zählten Cate Blanchett, Ellen Page und Laura Linney.
Die britische Schauspielerin Tilda Swinton ist für ihre Rolle in dem Film "Michael Clayton" mit dem Oscar als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet worden. In dem spannenden Polit-Thriller spielt Swinton eine intrigante Anwältin, die alles daran setzt, ihre Ziele in einer Drei-Milliarden-Dollar-Sammelklage durchzusetzen. "Ich habe einen amerikanischen Agenten, der diesem (Oscar) wie aus dem Gesicht geschnitten ist", sagte die Schottin in ihrer Dankesrede. "Dieselbe Kopfform, und, wie festgestellt werden muss, dasselbe Gesäß." Ihm widme sie den Oscar, denn ohne ihn wäre sie nie nach Amerika gelangt, sagte Swinton.
Der spanische Schauspieler Javier Bardem ist bei der 80. Oscarverleihung für seine Rolle in dem Thriller "No Country for Old Men" als bester Nebendarsteller ausgezeichnet worden. In dem Film spielt Bardem einen Serienkiller. Die rabenschwarze Geschichte erhielt ingesamt acht Oscar-Nominierungen.
Erstmals ist in diesem Jahr ein österreichischer Film mit einem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet worden. Der österreichische Regisseur Stefan Ruzowitzky nahm den Preis am Sonntagabend in Hollywood für "Die Fälscher" entgegen. In dem Streifen geht es um eine Gruppe von KZ-Häftlingen, die während der nationalsozialistischen Diktatur im Gefangenenlager Sachsenhausen für die Nazis ausländische Währungen fälschen sollen. Zu den Darstellern des Films zählen die Deutschen August Diehl und Devid Striesow.
Die Ratten-Komödie "Ratatouille" aus den Disney-Pixar-Studios hat den Oscar als bester Zeichentrickfilm gewonnen. Der Kassenhit setzte sich bei der 80. Oscar-Gala am Sonntagabend in Hollywood gegen die Mitbewerber "Persepolis" und "Könige der Wellen" durch. Der Film erzählt die Geschichte der kulinarisch ambitionierten Ratte Remy, die eine Karriere als Koch in Paris anstrebt. Der Film war der bislang aufwendigste aus den Pixar-Studios, die 2006 von Disney übernommen worden waren. An seiner Erstellung waren gut 500 Menschen beteiligt. Für Buch und Regie war Brad Bird verantwortlich, der bereits zwei Oscars für die Pixar-Produktion "Die Unglaublichen" gewonnen hatte.
Tausende Filmfans hatten sich bereits mehrere Stunden vor Beginn der Oscar-Verleihung vor dem Kodak-Theatre in Hollywood versammelt. In der Hoffnung, am roten Teppich einen Blick auf die eintreffenden Stars werfen zu können, trotzten sie heftigem Regen. Erst später kam die Sonne hinter dichten Wolken zum Vorschein. Der rote Teppich selbst blieb trocken - über ihm wurde eilig ein Zelt errichtet.
Auch die Tribünen für Zaungäste, die dort per Losglück einen Sitzplatz ergattert hatten, waren vor Regen geschützt. "Der Gedanke, Prominente sehen zu können und Teil der Vorgänge zu sein, die man im Fernsehen sieht - und man selbst ist da und beobachtet alles", sagte Lynn Lilje, die aus Vancouver angereist war. "Es ist fast unwirklich."
Für Spekulationen sorgten auch wieder die professionellen Sitzplatzfüller, die festlich gekleidet in Smoking oder Abendkleid in großer Zahl am Kodak Theatre eintrafen. Sie hatten die Anweisung, mit niemandem zu sprechen und ihre Identität nicht zu verraten. Ihre Aufgabe ist es, während der Zeremonie in dem Moment den Platz eines Stars einzunehmen, in dem dieser auf die Bühne gerufen wird oder auch nur auf die Toilette geht. Damit soll erreicht werden, dass die Fernsehzuschauer während der Show keine leeren Sitzplätze sehen. Gerüchten zufolge sind viele der Sitzplatzfüller Beschäftigte der Filmakademie, die die Oscars vergibt, oder des Fernsehsenders ABC, der die Zeremonie überträgt.
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