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Eigentlich vom Film zurückgezogen: Omar Sharif empfängt Goldenen Löwen für sein Lebenswerk

VON DÖRTE LANGWALD - zuletzt aktualisiert: 29.08.2003 - 17:03

Vendedig (rpo). Bevor der 73-jährige Alt-Star Omar Sharif seinen Ehrenpreis erhält, präsentierte er seinen neuen Film "Monsieur Ibrahim und die Blume des Koran". Mag sein Bart auch weiß geworden sein, und die Furchen im Gesicht etwas tiefer - der Frauenschwarm aus legendären Filmen wie "Doktor Schiwago" verzaubert noch immer mit tiefem Blick und betörendem Zahnlückenlächeln, wie unsere Mitarbeiterin Dörte Langwald auf der Biennale in Venedig festgestellt hat.

Stars, Stars, Stars - die geballte Promi-Power am Lido lässt
manchmal fast vergessen, dass die Biennale auch faszinierende Filme jenseits der Hollywood-Blockbuster zu bieten hat. So stellte Omar Sharif - der am Abend den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk erhält - ein wundervolles Werk namens "Monsieur Ibrahim und die Blume des Koran" vor. Kennern der Bestsellerlisten dürfte dieser Titel dank des gleichnamigen Romans von Eric-Emanuel Schmitt ein Begriff sein - immerhin stand die zauberhafte Geschichte um einen Araber, der einen jüdischen Jungen adoptiert, wochenlang auf Platz eins.

Charmante Weisheiten im Gewand einer märchenhaft-religiösen Parabel - "Monsieur Ibrahim" sensibilisiert für die kleinen Glückseligkeiten des Alltags. Omar Sharif spielt den alten Händler Ibrahim, einen koranbelesener Moslem, der auf der Pariser Rue Bleue einen kleinen, vollgestopften Kolonialwarenladen führt. Hier erledigt der 12-jährige Moses, genannt Momo, täglich seine Einkäufe.

Der jüdische Junge muss für seinen griesgrämigen Vater den Haushalt führen, die Mutter und ein älterer Bruder sind lange verschwunden. Aus anfänglich kleinen Höflichkeitsplaudereien zwischen Momo und Ibrahim werden bald immer tiefgründigere Unterhaltungen. Ibrahim zeigt Moses die Schönheiten des Lebens, erklärt ihm die Bedeutung von Religion und gibt ihm vor allem eines: jene Liebe, die Momo durch seinen depressiven Vater nie erfahren hat. "Liebe ist allübergreifend.

Egal, welche Religion oder Hautfarbe man hat", erklärt Omar Sharif in der Pressekonferenz. Roman- und Drehbuchautor E.-E. Schmitt bestätigt, dass er mit seiner Geschichte beweisen wollte, dass ein Dialog zwischen den einzelnen Religionen - auch zwischen Juden und Moslems - sehr wohl möglich ist. "Religion kann unterschiedlichen Zwecken dienen - man kann sie zum Krieg benutzen, oder aber man sucht durch sie Wege zum Glück und zur gegenseitigen Bereicherung", so Schmitt.

Auf die Frage, wie Sharif persönlich zu den aktuellen Konflikten zwischen der östlichen und westlichen Welt steht, philosophiert der Ägypter diplomatisch: "Meine Einstellung zu Menschen oder Völkern basiert auf einem einzigen Gedanken: Es gibt gute und böse Menschen. Die Guten mag ich, die Bösen nicht. Um das herauszufinden, ist es in jedem Fall wichtig, das Gespräch zu suchen, die Leute kennen zu lernen".

Eine fantastische Neuentdeckung an der Seite des großen Akteurs: Pierre Boulanger (spielt den Momo). Unglaublich, wie der die anspruchsvolle Rolle meistert, mit viel Charme, Anrührung und einem Hauch von Sex-Appeal. "Pierre wird mal ein ganz Großer", prophezeit Omar Sharif, und scherzt: "Er ist alleine seit Beginn der Dreharbeiten 15 cm gewachsen". Dass er am Abend den Goldenen Löwen für seine Gesamtkarriere erhalten wird, ehrt Sharif natürlich. Grinsend kommentiert er, alleine die Tatsache, dass er sich 50 Jahre im Showbusiness gehalten hat, Grund genug sei, ihn zu ehren.

Eigentlich hatte er sich vom Film zurückgezogen, wollte nicht mehr drehen. "Ich fand einfach keine passenden Drehbücher mehr. Ich habe einen sehr außergewöhnlichen Akzent. Als ich jung war, hat man mir die Rollen auf den Leib geschrieben, aber wer hat noch eine Rolle für einen alten Ägypter?", erklärt er.

 Das Buch von E.-E. Schmitt habe ihn völlig in den Bann gezogen und sei seiner Meinung nach das würdigste Leinwand-Comeback, dass er sich nur hätte wünschen können. Der Mann ist wahrlich einen weiten Weg auf der Straße des Zelluloids gegangen, hat sich mit seinen Filmen in die Geschichte der bewegten Bilder unauslöschlich eingetragen. Laut Sharifs  Eigenprognose wird sich "Laurenz von Arabien länger in der Geschichte des Films halten. Ich weiß aber auch, dass die Damenwelt Doktor Schiwago lieber mag", spricht der alte Frauenheld und zwinkert.




 
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