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Christoph Waltz gewinnt den "Oscar"
Der smarte Bösewicht erreicht den Gipfel

Oscars 2010: Die Gewinner
Oscars 2010: Die Gewinner FOTO: AP
Los Angeles (RPO). Christoph Waltz war die Nervosität anzumerken. Als Penelope Cruz dem Österreicher die Oscar-Statue überreichte, gerät der 52-Jährige ins Stammeln. Vielleicht wurde Waltz in diesem Moment klar, was er erreicht hat: Den Aufstieg vom Darsteller in deutschsprachigen TV-Produktionen in den Olymp der besten Schauspieler der Welt. Der Preis ist verdient: Keiner spielt das Böse so smart und damit so erschreckend wie der gebürtige Wiener.

"Oscar und Penelope, das ist Über-Bingo", witzelte Waltz in seiner kurzen Dankesrede. Er sieht nervös aus, gerät immer wieder leicht ins Stammeln. Auch der Gag "Über-Bingo", eine Anspielung auf seine Rolle als SS-Scherge, zündet nicht wirklich. Aber an diesem Abend ist das egal. Wie seine Kollegen hält er sich bei seiner Rede kurz: "Ich werde mich niemals genug bedanken können. Aber ich kann damit jetzt beginnen. Vielen Dank!"

Waltz ist kein Redner, Waltz ist ein Schauspieler. Er hat den Entführer von Richard Oetker gespielt, lieh dem verstorbenen Schlagerprinzen Roy Black sein Gesicht und gab an der Seite von Götz George den amüsanten Kriminellen mit Herz in "Schimanski". Schon in der Folge "Blutsbrüder" der Revier-Krimireihe gab Waltz einen Vorgeschmack auf seinen außergewöhnliches Können. Der Österreicher spielt den Betrüger Klaus Mandel, der alte Leute mit Anlagebetrug um ihr Vermögen brachte.

Schiefes Kinn, tiefe Falten und immer lächeln 

Doch Waltz spielte den Fiesling derart amüsant, sympathisch und lakonisch, dass er die Zuschauer schnell auf seine Seite zog. In dem sehenswerten Roadmovie aus dem Jahr 1997 spielt der vierfache Vater selbst Götz George an die Wand und machte "Blutsbrüder" zu einem der wenigen Höhepunkte der Reihe. Waltz schien das wie nebenbei, wie aus dem Handgelenk zu gelingen.

Waltz als smarter Bösewicht. Waltz als erschreckend normaler Psychopath. Waltz als Charakterschwein mit Wiener Schmäh. Das ist seine Rolle, das beherrscht er wie sonst niemand. Vielleicht ist der leichte Dialekt, das ihn so überzeugend macht in abgründigen Rollen; weil der Wiener Schmäh elegant ist, aber immer auch ein wenig zu süß, um nicht Misstrauen zu wecken.

Vielleicht ist es auch das leicht Näselnde seiner Aussprache, das er ins Neurotische treiben kann. Vielleicht ist es auch einfach sein Gesicht mit dem etwas schiefen Kinn, den tiefen Falten um den Mund, die immer ein Lächeln andeuten, auch wenn die Augen längst kalt blicken, höhnisch, erbarmungslos. Christoph Waltz kann Figuren umschlagen lassen vom Liebenswürdigen ins Bedrohliche oder changieren zwischen Harmlosig- und Bösartigkeit.

"Ernster jungen Mann" auf Schauspielschule

Christoph Waltz wurde 1956 in Wien geboren als Kind zweier Bühnenbildner und Spross einer Familie, in der sich Schauspieler finden bis in die Urgroßvater-Generation. Am Wiener Max-Reinhardt-Seminar studierte er bei dem Körpersprache-Altmeister Samy Molcho und der österreichischen Schauspiel-Eminenz Erni Mangold.

Die erinnert sich an den Schauspielschüler als einen "ernsten jungen Mann", der sich das Spielen nicht leicht gemacht habe, "hart zu sich war" und vielleicht auch darum so viel Erfolg habe als Bösewicht. Jedenfalls trägt der Österreicher Christoph Waltz, der in London lebt und auch mal in New York studiert hat, nun dazu bei, dass von deutschsprachigen Darstellern die Rede ist in der internationalen Filmszene.

Weil unter ihnen Entdeckungen zu machen sind, Darsteller, die ihr Handwerk gelernt, im Theater Erfahrungen gesammelt haben. Waltz etwa hat unter Regisseuren wie August Everding, Jürgen Flimm, Thomas Langhoff gespielt und ist nicht Schauspieler, um Star zu sein, sondern, weil er die Grenze des Darstellbaren erkunden – und verschieben will.

Waltz' SS-Mann rettete Tarantino-Film

Und da kam ihm die Figur eines SS-Manns bei Quentin Tarantino gerade recht. Als "Jahrhundertrolle" hat Waltz sie bezeichnet, weil er in 20-Minuten-Szenen einen charmanten Mann von Welt zur Bestie werden lassen musste. Tarantino wusste, dass er dafür einen Ausnahmeschauspieler brauchte, und wollte sein Projekt schon absagen.

Doch dann sprach Christoph Waltz vor und überzeugte den Regiestar. Das deutsche Publikum hat er längst für sich gewonnen in so unterschiedlichen Rollen wie als Oetker-Entführer oder als Schlagerstar Roy Black. Auch den hat er gespielt als vieldeutige Figur, als Idol der einsamen Herzen, der diese Rolle brauchte und doch daran zugrunde ging.

Jetzt wird sich Waltz auch international beweisen dürfen. Das Kinopublikum in aller Welt darf sich freuen.

(RP/Krings/RP/csi)
 
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