Er ist der wohl begehrteste Filmpreis der Welt: der Oscar. Am Sonntag findet die 82. Verleihung der Trophäe statt. Wir haben für Sie interessante Fakten und Rekorde zusammengestellt.
Warum der Oscar Oscar heißt, weiß niemand so recht. Seit 1929 wird der begehrte Filmpreis in den Vereinigten Staaten verliehen, am Sonntag also zum 82. Mal. An der Form der goldenen Trophäe hat sich in all den Jahren nichts verändert. Lediglich das Podest für die Figur - ein Ritter, der ein Schwert hält - wurde 1945 erhöht. Der Sockel ist einer Filmrolle nachempfunden, ihre fünf Speichen stehen für die in den Anfängen fünf Sparten der 1927 gegründeten US-Filmakademie: Schauspieler, Regisseure, Produzenten, Techniker und Autoren.
Entworfen wurde die Figur von dem damaligen Art Director der Filmstudios Metro-Goldwyn-Mayer, Cedric Gibbons. Über die Namensgebung kursieren verschiedene Anekdoten. So soll die Statue eine Mitarbeiterin und spätere Direktorin der Filmakademie an ihren Onkel Oscar erinnert haben. Die Schauspielerin Bette Davis wiederum, selbst Preisträgerin, soll Vergleiche mit ihrem Ehemann Harmon Oscar Nelson angestellt haben. Erst seit 1939 spricht die Filmakademie selbst von den Oscars.
Die 34 Zentimeter hohe und knapp vier Kilogramm schwere Statue war ursprünglich aus Bronze. Wegen der Metallknappheit während des Zweiten Weltkriegs bestand die Auszeichnung vorübergehend aus Gips. Anschließend nahm der Oscar seine heutige Farbe an: Ein Überzug aus 24-karätigem Gold bedeckt einen massiven Leib aus einer Metall-Legierung.
In diesem Jahr gibt es beim Oscar einige Neuerungen: Bei der Oscar-Gala in diesem Jahr soll es um noch mehr Filme gehen als bislang. Für den besonders begehrten Preis als bester Film des Jahres hat die zuständige Akademie in diesem Jahr gleich zehn Streifen nominiert - üblich waren bislang nur fünf. Nach einem Jahrzehnt rückläufiger Einschaltquoten für die Preisgala hofft die Akademie, durch die verschärfte Konkurrenz um den Hauptpreis mehr Zuschauer vor die Fernsehgeräte zu locken. Das erweiterte Kandidatenfeld erlaubt es der Akademie, mehr publikumswirksame Kassenschlager für den Hauptpreis zu nominieren und das Rennen für die Zuschauer interessanter zu machen.
Die Vielzahl der Kandidaten macht das Verfahren zur Ermittlung des Siegerfilms schwieriger. Bislang konnten die knapp 6000 stimmberechtigten Wähler der US-Filmakademie einfach ihren Favoriten ankreuzen. Der Film mit den meisten Stimmen gewann. Bei inzwischen zehn Preisanwärtern empfiehlt sich dieses Verfahren nicht: Bei einer gleichmäßigen Streuung der Stimmen würden knapp elf Prozent für die Sieg ausreichen. Das wäre kein überzeugendes Votum.
Stattdessen müssen die Wähler nun auch Zweit-, Dritt- und Viertpräferenzen angeben. In der ersten Auszählrunde scheidet jener der zehn Filme aus, der die wenigsten Erststimmen erhielt. Nun werden die Zweitstimmen berücksichtigt, welche die Wähler des ausgeschiedenen Films vergeben haben. Sie werden auf die übrigen Filme angerechnet. Dann wird erneut der Film mit den wenigsten Stimmen gestrichen, die Drittstimmen kommen ins Spiel und werden verteilt. Sieger wird jener Film, der zuerst 50 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich vereint.
Hollywood-Veteranin Meryl Streep hat in diesem Jahr ihre 16. Nominierung für einen Oscar eingeheimst - und ist damit unerreichte Spitze. Auf der Liste der am häufigsten nominierten Darsteller stehen Katherine Hepburn und Jack Nicholson mit jeweils zwölf Preisvorschlägen abgeschlagen hinter Streep auf dem zweiten Platz. Streep ist in diesem Jahr für ihre Rolle in "Julie und Julia" nominiert. Gewonnen hat sie den Oscar erst zwei Mal - 1979 für "Kramer gegen Kramer" und 1982 für "Sophies Entscheidung".
Erst zum zweiten Mal in mehr als 80 Jahren Oscar-Geschichte hat ein Trickfilm eine Chance auf die begehrteste aller Oscar-Trophäen: die für den besten Film des Jahres. Der Film "Up" aus den Disney-Pixar-Studios ist in dieser Kategorie nominiert - und noch in vier anderen, unter ihnen "bester Trickfilm". Die Disney-Produktion "Die Schöne und das Biest" war 1994 der bislang einzige Zeichentrickfilm, der als bester Film des Jahres nominiert wurde.
Für die deutschsprachige Filmkunst ist es ein starkes Jahr. Der von Deutschland eingereichte Film "Das weiße Band" ist ein Favorit in der Kategorie bester nicht-englischsprachiger Film. Der Kameramann des Films, der Österreicher Christian Berger, ist zudem für den Kamera-Oscar nominiert. Sein Landsmann Christoph Waltz kann für seine Rolle in "Inglourious Basterds" auf einen Oscar als bester Nebendarsteller hoffen. Der in den USA lebende deutsche Komponist Hans Zimmer ist für die Filmmusik zu "Sherlock Holmes" für einen Oscar nominiert. Die nominierten Filme "Inglourious Basterds" und "Ein russischer Sommer" wurden in Deutschland gedreht und ko-produziert.
In diesem Jahr könnte eine Frau die letzte Männer-Bastion im Oscar-Geschäft stürmen: Die US-Regisseurin Kathryn Bigelow könnte für ihr Irakkriegs-Drama "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" als erste Frau überhaupt einen Regie-Oscar gewinnen. In den 81 bisherigen Oscar-Verleihungen war der Regie-Preis immer an Männer gegangen. Es waren überhaupt erst drei Regisseurinnen nominiert: die Italienerin Lina Wertmüller ("Sieben Schönheiten", 1976), Jane Campion aus Neuseeland ("Das Piano", 1994) und die US-Regisseurin Sofia Coppola ("Lost In Translation", 2003).
Der erfolgreichste Film war "Titanic" von James Cameron. 1997 räumte das Drama bei 14 Nominierungen elf Oscars ab. "Ben Hur" (1959) und "Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs" wurden ebenfalls elfmal ausgezeichnet.
Katharine Hepburn hält den Rekord bei den weiblichen Hauptdarstellern. Sie erhielt den Oscar in dieser Kategorie viermal. Jack Nicholson wurde zweimal als bester Haupt- und einmal als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. John Ford erhielt als Regisseur vier Oscars.