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Christoph Waltz hat den Sprung geschafft: Eine europäische Tellerwäschergeschichte

VON PHILIPP HOLSTEIN UND DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 10.03.2010 - 10:28

Düsseldorf (RP). Seinen Oscar in Hollywood hat sich der Schauspieler Christoph Waltz mit unzähligen Film- und TV-Rollen hart erarbeitet. Nun legt er los im internationalen Filmgeschäft, ein Blockbuster mit Cameron Diaz ist schon gedreht, der nächste mit Keira Knightley in Arbeit.

Er hat etwas Ergreifendes, dieser Oscar für Christoph Waltz. Vielleicht weil der Schauspieler auf seinem Weg zu diesem Triumph so penetrant bescheiden geblieben ist, notorisch Regisseur Quentin Tarantino vorschiebt, dem er alles zu verdanken habe. Und weil man ihm diese artige Demut abnimmt, die immer auch ein wenig Selbstschutz ist.

Vielleicht berührt dieser Oscar auch, weil Christoph Waltz ihn sich erarbeitet hat. Und wir ihm dabei zusehen konnten. Wir haben ihn erlebt in all den mühseligen Film- und Fernsehrollen, die nicht besonders tiefgründig angelegt waren, in die er aber oft etwas Unerwartetes, Unberechenbares hineinspielen konnte. Dieser Mann, der sein schiefes Lächeln inzwischen hinter einem Bart versteckt, besitzt Ausdauer, ein uneitles Selbstbewusstsein und zähes Vertrauen in schauspielerisches Handwerk. Altmodische Tugenden.

Eine Art europäische Tellerwäschergeschichte

Dass einer, der Roy Black gespielt hat, plötzlich in Hollywood stehen kann, einen Oscar in der Hand, das ist eine Art europäische Tellerwäschergeschichte. Und von solchen Geschichten hören alle gern, die sich um etwas bemühen. Für Christoph Waltz hat sich Leistung gelohnt. Je unberechenbarer die Zeiten, ohnmächtiger das Lebensgefühl, desto wohlwollender verfolgt man solche Wege.

Doch die Auszeichnung für den österreichischen Außenseiter hat auch eine prosaische Seite. Denn Oscar-Gewinner steigen direkt in den Club der Gagen-Millionäre auf. So wie der Spanier Javier Bardem, der nach seinem Oscar-Gewinn 2008 in diese Liga gelangte und seine Gage damit verzehnfachen konnte. Gerade Außenseiter profitieren besonders von einem Sieg in Hollywood.

Julia Roberts oder Tom Hanks haben mit Einnahmen zwischen 25 Millionen und in Hanks Fall sogar über 100 Millionen Dollar pro Film längst die Einkommensgrenze erreicht. Waltz hingegen ist neu in die Riege der Gagen-Millionäre aufgerückt und ist der einzige Deutschsprachige dort. Obwohl er mit seiner Lebensgefährtin, der Kostümbildnerin Judith Holste, vorwiegend in London lebt, ist er bereits präsenter in Los Angeles als Kollegen wie Thomas Kretschmann und Ralf Möller, die sich gern mit Hollywood brüsten.

Waltz statt Cage

Auch muss sich Waltz wohl keine Sorgen machen, auf Nazi-Rollen festgelegt zu werden. Schon bevor er den Oscar in Händen hielt, hat Regisseur Michel Gondry, selbst Oscar-Preisträger, Waltz anstelle von Nicolas Cage besetzt. Nun spielt er in der Comic-Adaption "The Green Hornet" an der Seite von Cameron Diaz einen Mafiaboss. Und das nächste Großprojekt ist schon gebucht.

Regisseur David Cronenberg hat Waltz für seinen Film "The Talking Cure" über den Psychiater C. G. Jung engagiert. An der Seite von Keira Knightley wird er Sigmund Freud spielen. Und er kann dabei auf reichlich Erfahrung in der Darstellung von Therapeuten zurückgreifen. Hatte er doch in "Herr Lehmann" einen grandiosen Kurzauftritt als kurioser Arzt und saß auch in Oskar Roehlers "Der alte Affe Angst" als Analytiker im Lehnstuhl und nahm die Ausbrüche seiner Patienten mit dieser seltsam wissenden Gelassenheit hin, die vielleicht nur er so spielen kann.

Den Sprung ins internationale Filmgeschäft hat Waltz also schon geschafft. Dass er demnächst wieder in Sat.1-"Film-Filmen" auftreten wird, ist nicht zu erwarten. Denn er wird jene, die jetzt Vertrauen in ihn setzen, nicht enttäuschen. Das wissen wir, wir haben ihn oft genug gesehen.


 
 
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