Animierter Kurzfilm nominiert: Grüffelo – die deutsche Oscar-Hoffnung
VON MARTINA STÖCKER - zuletzt aktualisiert: 27.02.2011 - 23:35Düsseldorf (RP). Die Film-Adaption des Kinderbuchs „Der Grüffelo“ ist für einen Oscar nominiert. Illustrator Axel Scheffler kommt dieser Erfolg selbst ein wenig unheimlich vor.
Er wäre auf dem roten Teppich vor der Oscar-Verleihung inmitten aller Schönen und Schön-Operierten der Hingucker schlechthin – mit seinen schrecklichen Hauern und Klauen, den knotigen Knien, der giftigen Warze, den feurigen Augen und den lilafarbenen Stacheln am Rücken.
Doch auch die Stars in Hollywood würden angesichts seiner Gestalt gewiss seufzen: „Ist der niedlich, dieser Grüffelo!“ Monster wie er können eigentlich nur Erfolg haben. So verwundert es nicht, dass sich das Bilderbuch „Der Grüffelo“ bereits weltweit mehr als 3,5 Millionen Mal verkauft hat. In Deutschland liegt es schon in siebter Auflage in den Läden, obwohl bei Bilderbüchern 5000 Exemplare als Erfolg gelten. Und nun ist die Verfilmung der Freundschaft zwischen kleiner Maus und großem Grüffelo – von den beiden deutschen Regisseuren Jakob Schuh und Max Lang umgesetzt – sogar in der Kategorie „Animierter Kurzfilm“ für einen der begehrten Oscars nominiert, die morgen Abend (Ortszeit) in Los Angeles vergeben werden.
Die Kinder lieben ihn
Axel Scheffler wirkt, als wäre ihm dieser Erfolg ein wenig unheimlich. Der Illustrator, in Hamburg geboren und seit nahezu 30Jahren in England wohnhaft, hat sich das Aussehen des liebenswerten Monsters ausgedacht. Die Geschichten liefert die Schottin Julia Donaldson. Gemeinsam haben die beiden schon mehr als zehn Bücher veröffentlicht, „Der Grüffelo“ bleibt aber das bekannteste. Warum ausgerechnet der so beliebt ist, kann sich Scheffler auch nicht recht erklären: „Er ist kuschelig, leicht trottelig und ein bisschen gefährlich.“ Sein erster Entwurf habe sogar noch gefährlicher ausgesehen, doch die Lektorin des Verlages habe darauf gedrungen, ihn ein bisschen harmloser zu gestalten.
Nun lieben die Kinder ihren Grüffelo – zumindest tagsüber, im Hellen. Wenn es dunkel wird, wirkt er um einiges Furcht einflößender. „Mir haben Eltern erzählt, dass ihre Kinder darauf bestehen, dass sie das Grüffelo-Buch nach dem Vorlesen aus dem Kinderzimmer bringen“, sagt der 54-Jährige. Sicher ist sicher, sollte die Anti- Monster-Strategie, sich ganz unter der Bettdecke zu verkriechen, einmal nicht aufgehen.
Die Eichhörnchen haben es ihm angetan
Axel Scheffler, der in Hamburg Kunstgeschichte studierte und 1982 zum Kunststudium nach Großbritannien ging, und Julia Donaldson arbeiten stets nach dem gleichen Muster. Sie entwickelt eine Geschichte, schreibt den Text und schickt ihn an den Verlag. Der wiederum überarbeitet ihn und gibt ihn dann weiter an den Illustrator. Auf dieser Grundlage zeichnet er die Figuren und gibt ihnen eine Gestalt – leuchtend schöne Bilder mit liebevollen Charakteren. Schon in seiner Jugend hat Scheffler Tiere gemalt. Eigentlich wollte er Tierforscher werden, inspiriert von Naturfilmern wie Bernhard Grzimek.
Besonders angetan haben es ihm die Eichhörnchen, die sich in jedem seiner Bücher wiederfinden. Diese Nager sausen gewiss auch durch seinen Garten in Richmond. Im Londoner Vorort bauen er und seine französische Lebensgefährtin Clementine derzeit ein Haus um. Adelie, die dreieinhalb Jahre alte Tochter, wächst dreisprachig auf. Die deutsche Schule liegt in der Nähe. Adelies Lieblingsbuch heißt „Für Hund und Katz ist auch noch Platz“ – natürlich auch von Julia Donaldson und Axel Scheffler.
Darin freundet sich eine Hexe mit Tieren an, die ihr dann im Kampf gegen einen Drachen helfen. „Es geht im Moment bei ihr nur um Hexen“, erzählt der Vater, und er kann eigentlich froh sein, dass die Pferdephase im Leben seiner Tochter noch nicht begonnen hat. „Ich bin wirklich kein guter Pferdezeichner.“ Wenn sich Donaldson und Scheffler dann und wann persönlich treffen, kann es passieren, dass er sich ein wenig Abwechslung wünscht. „Es gab eine Zeit, da mochte ich keine Bäume mehr sehen.“
Der Grüffelo versteckt sich überall
Umso dankbarer war er dann für Manuskripte mit einem maritimen Hintergrund wie „Die Schnecke und der Buckelwal“ oder „Flunkerfisch“. Das neue Buch „Zogg“, seit wenigen Wochen auf dem Markt, spielt wieder an Land und handelt von einem Drachen, der in der Drachenschule alles lernt, was man unter Seinesgleichen braucht. Ob solch ein Erfolg auch in Deutschland möglich gewesen wäre? „Die Kinderbuch-Verlage in Großbritannien denken schon kommerzieller“, sagt der Hamburger, „das macht es aber auch bei kontroversen Themen natürlich schwieriger.“ Er träumt von einem Kinderbuch in einem freieren Stil, das ganz anders aussieht. Außerdem sammeln sich in seinem Skizzenbuch Cartoons für Erwachsene.
Die Verfilmung seiner berühmtesten Kreation hat selbst Axel Scheffler eine neue Sichtweise auf den Grüffelo ermöglicht, obwohl er ihn doch in- und auswendig kennt. „Es war schön, ihn mal aus anderen Blickwinkeln zu erleben. Ich male ja immer nur eine Ansicht von ihm.“ Und auch in den Büchern, die gar nicht vom Grüffelo handeln, steckt das nette Monster drin. Scheffler hat sich angewöhnt, es in jedem seiner Bücher irgendwo zu verstecken, so dass Eltern und Kinder Seite für Seite Ausschau halten – nach schrecklichen Hauern und Klauen, den knotigen Knien und der giftigen Warze.
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