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panorama avatar AP 2010
  Foto: 20th Century Fox, AP
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Kommentar: Warum "Avatar" keinen Oscar bekommen konnte

VON LUDWIG JOVANOVIC - zuletzt aktualisiert: 08.03.2010 - 14:39

Düsseldorf/Los Angeles (RP). James Cameron hat es fast geschafft. Mit „Avatar“ wird Science Fiction preiswürdig. Kritiker haben sich verbogen, um den Zukunftsfilm gut zu finden. Am Ende hat es aber nicht für einen Oscar in der Kategorie „Bester Film“ gereicht. Das war aber abzusehen.

Der Science-Fiction-Fan reibt sich verwundert die Augen und glaubt sich in einem Parallel-Universum. Ein Film mit Außerirdischen und Raumschiffen – gemeinhin als Science-Fiction bezeichnet - hat es es fast bis zu höchsten Oscar-Ehren gebracht. Ein Genre also, das von Filmkritikern und Intellektuellen bislang oft als niedere Form der Unterhaltung angesehen wurde. Und weil der Film so erfolgreich ist, bemühen sich viele Kritiker, den Begriff „Science Fiction“ zu vermeiden.

Nein, anfreunden können sie sich nicht damit. Viele, die Filme mit Raumschiffen und Außerirdischen sonst nicht mit der sprichwörtlichen Kneifzange angefasst hätten, verbiegen und verdrehen sich – um den Film an Ende gut zu finden. Da wird „Avatar“ schnell mal eben intellektuell überfrachtet und die dreidimensionale Bildtechnik als Entschuldigung angeführt, warum man so beeindruckt ist.

Science-Fiction ist keinen Oscar wert

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Oder die hohen Produktionskosten müssen herhalten, um zu erklären, warum „Avatar“ denn nun so erfolgreich und irgendwie auch gut sei. Nur eins will man nicht sagen: Science Fiction. Aber was, bitte schön, soll ein Film sein, mit Raumschiffen, fremden Planeten und Außerirdischen – außer eben Science Fiction. Und das ist eben keinen Oscar wert.

Schließlich belächelt das Feuilleton weltweit das bisher sehr oft als etwas, das irgendwo zwischen Kindern und, höflich gesagt, Naivlingen angesiedelt ist. Man sollte als SciFi-Fan trotzdem vor James Cameron auf die Knie fallen, weil dank ihm die bislang so belächelten Zukunftsfilme preiswürdig geworden sind.

Sicher, der gescheiterte, hoffnungslose und irgendwie entmenschlichte Protagonist, der in eine neue Gemeinschaft aufgenommen wird und dadurch einen neuen Sinn findet. Nun, das wurde schon mehrmals im Genre verfilmt („Soldier“ mit Kurt Russell, „Equilibrium“ mit Christian Bale). Auch die scheinbar primitiven Eingeborenen. Na ja, nicht nur für SciFi-Fans nichts Neues. Und mit der Planeten-Intelligenz erinnert der Film an das das Strategie-Spiel „Alpha Centauri“. Dort spielt ja auch „Avatar“.

Aber solche Feinheiten werden für die Wahl der Jury weniger eine Rolle gespielt haben. Cameron hat eben viele Anleihen im Genre genommen und trotzdem etwas Neues geschaffen. Nicht nur wegen der Bilder und der 3D-Technik. Denn was den Film vor allem ausmacht, ist Camerons Gespür für Stimmungen. Mit „Avatar“ schenkt er dem Sehnen und den Träumen vieler Menschen ein Refugium: Raus aus der längst entzauberten Existenz, die nur wenig Überraschungen zu bieten hat.

Neuanfang in einer heilen Welt

Dafür ein Neuanfang in einer heilen Welt, über die ein transzendentes Wesen schützend die Hand hält. Keins, an das man nur glauben kann, sondern ein reales und erfahrbares. „Avatar“ ist die ultimative Antwort auf die Sinnsuche in einer komplexen, hochtechnisierten Welt, die nach dem Ende des Kalten Krieges zwischen Terrorismus, Gewinnstreben und Umweltkatastrophen keinen Frieden findet.

„Avatar“ - das ist ein Ankommen in einer friedlichen, naturverbundenen Welt, die gegen den modernen Menschen verteidigt werden muss. So gesehen, ist der Film mehr ein Märchen. Ein Ideal, das zwischen den Sternen eine Heimat gefunden hat. Es ist aber auch eine konsequente Weiterentwicklung von Camerons Sicht auf die Welt. In „Terminator“ (1984) zeigt er uns eine Zukunft, in der Menschen von Robotern, ihrer Hightech-Schöpfung, gnadenlos gejagt werden.

Dann kam „Aliens“ (1986): Da führte er die Idee von Außerirdischen fort, die den Menschen kaum eine Chance lassen. Außerirdische wollten in „Abyss“ (1989) die Menschen vernichten, wenn sie sich nicht auf ihre Menschlichkeit besinnen würden. In „Terminator II“ (1991) dann wuchs aus künstlicher Intelligenz echte Menschlichkeit. In „Avatar“ (2009) finden Menschen die Menschlichkeit wieder. Zwischen den Sternen. Auch wenn es buchstäblich in Außerirdischen ist.


 
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