Schauspieler mit Profil: Otto Sander will 65. ohne Alkohol feiern
zuletzt aktualisiert: 30.06.2006 - 07:08Berlin (rpo). Sein Gesicht erzählt Geschichten; er ist ein Mensch, der viel gelebt und viel erlebt hat. Otto Sanders zweites Markenzeichen ist die unnachahmlich kratzig-tiefe Stimme. Der Schauspieler hat sich in rund 40 Berufsjahren quer durch die Bühnenliteratur gespielt, in Kino- und TV-Produktuktionen mitgewirkt und jede Menge Fans gewonnen. Was sich so einer zu seinem 65. Geburtstag am Freitag noch wünscht? Keinen Alkohol auf jeden Fall.
Und warum? Weil er seine derzeit schwierigste Aufgabe gerne noch bewältigen möchte, so berichtete er der Berliner Zeitung, er wolle keinen Alkohol mehr trinken. Das Gute am Nicht-Trinken: "Ich habe viel mehr Zeit ohne den Kater am Morgen danach." Auch das sollte ihm noch gelingen, denn im Juni glänzte Sander als Krapp in Samuels Becketts Solostück "Das letzte Band" im Renaissance-Theater in Berlin: Ein alternder erfolgloser Schriftsteller, der sein Leben Revue passieren lässt - Reminiszenz an das wirkliche Leben?
Otto Sander, die "Berliner Sehenswürdigkeit", zählt zu den profiliertesten und vielseitigsten deutschen Schauspielern. Sander, der sich selbst als schüchtern beschreibt und offen über sein starkes Lampenfieber spricht, geht auch als Vorleser auf die Bühne. Zu seinen Lieblingsstoffen gehören Texte von Ringelnatz. Als Synchronsprecher leiht der Unermüdliche anderen Schauspielern seine Stimme.
Sander stammt aus einer Theater- und Literatur liebenden Familie. Er lebt in Berlin und ist mit der Schauspielerin Monika Hansen verheiratet, die ihre heute ebenfalls erfolgreich schauspielernden Kinder Meret und Ben Becker mit in die Ehe gebracht hatte. Otto Sander wird am 30. Juni 65 Jahre alt.
Kasperltheater
Sander wurde 1941 als Sohn eines Marineoffiziers in Hannover geboren und wuchs mit zwei jüngeren Brüdern in Peine auf. 1957 kam noch eine Schwester hinzu. Zu seinen Kindheitserinnerungen gehört das Kasperletheater, das die Eltern den kleinen Söhnen wöchentlich vorspielten. Dann übernahmen die Kinder das Spielen, "Affentheater hinter der Pferdedecke", so Sander. Später veranstalteten die Kinder jedes Jahr zu Weihnachten ein Theaterstück, das sie teilweise selbst schrieben. "Ich habe immer die Bösewichte gespielt" berichtete Sander vor Jahren in der "Zeit".
Nach dem Abitur leistete Sander seinen Wehrdienst bei der Marine ab und studierte vier Jahre Theaterwissenschaften, Literaturwissenschaften, Kunstgeschichte und Philosophie in München, um Regisseur zu werden. Nebenbei besuchte er eine Schauspielschule, spielte Theater und trat als Kabarettist auf.
Seine ersten Engagements hatte er in Düsseldorf und Heidelberg. 1968 holte Claus Peymann Sander an die Berliner Freie Volksbühne. Zwei Jahre später ging er zu Peter Stein an die Schaubühne, wo er bis 1979 in fast allen Inszenierungen auf der Bühne stand.
Blechtrommel und Boot
Er spielte sich in die allererste Reihe der deutschsprachigen Schauspieler. In den 60er Jahren begann er auch mit der Filmarbeit. Zu seinen Paraderollen gehörten der ständig betrunkene Trompeter in der "Blechtrommel", und der Ritterkreuzträger Thomsen im U-Boot-Drama "Das Boot". Er drehte mit Wim Wenders, Margarethe von Trotta und Doris Dörrie.
In seiner Heimatstadt Berlin steht er immer wieder auf der Bühne, er feiert Erfolge in Zürich, bei den Salzburger Festspielen. Zur Kieler Woche war der passionierte Hochseesegler in diesem Jahr an der Ostsee engagiert.
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