Porträt des Berlinale-Jury-Präsidenten: Paul Schrader: Der Bären-Verteiler
zuletzt aktualisiert: 16.02.2007 - 12:43Berlin (RPO). Welcher Film ihm als Präsident der Jury besonders gefällt, lässt sich Paul Schrader natürlich nicht entlocken. Bis Samstag muss ihre Entscheidung über die Gewinner des Goldenen und der Silbernen Bären aber feststehen. Ein Porträt des charismatischen Mannes.
Am Samstagabend werden die besten Filme und Darsteller gekürt. 22 Wettbewerbsfilme sahen sich die Juroren seit dem 8. Februar an. Der Drehbuchautor und Regisseur Schrader hat nun die undankbare Aufgabe, die Meinungen der Juroren unter einen Hut zu bringen.
Der 60-jährige Jury-Präsident der 57. Internationalen Filmfestspiele in Berlin lächelte auf die Frage eines Journalisten nach seinem Favoritenfilm nur, sonst würden ihm die anderen sechs Juroren den Kopf abreißen. Und die Richter sind starke Persönlichkeiten. Mit dabei sind Mario Adorf, Willem Dafoe, Hiam Abbass, Gael García Bernal, Nansun Shi und Molly Malene Stensgaard.
Doch Schrader glaubt nicht, dass es zu größeren Auseinandersetzungen kommen wird. «Es ist eine ganz harmonische Gruppe. Es wird wohl nicht zum großen Drama kommen», sagte der intellektuell wirkende Amerikaner. Da hatte er aber schon einmal ganz andere Erfahrungen gemacht.
1987 sei er schon einmal Jury-Mitglied der Berlinale gewesen, damals sei es eine Gruppe von elf Leuten gewesen, erzählte er. "Das war die letzte Jury zu Zeiten des Kalten Kriegs. Da standen die Leute im Beratungsraum auf und schrien sich an." So etwas werde sich 2007 wohl nicht wiederholen.
Drehbuchautor von «Taxi Driver»
Schrader wurde am 22. Juli 1946 in Michigan geboren. Er hat deutsche Wurzeln, stammen seine Großeltern mütterlicherseits doch aus Friesland - und der Vater seines Vaters kam auch aus Deutschland. Seine Karriere begann er nach einem Studium als Filmkritiker.
Sein erstes Drehbuch verfasste er 1974 zum Film "Yakuza". Als Drehbuchautor von "Taxi Driver" schrieb er 1976 Filmgeschichte mit. Dank der finanziellen Unterstützung von Martin Scorsese konnte er 1978 seine erste Regiearbeit "Blue Collar" vollenden. Zu seinen bekanntesten Filmen zählen "American Gigolo", "Mishima" und "Light Sleeper".
Bei der Berlinale wurde auch sein Film "The Walker" uraufgeführt - der natürlich außer Konkurrenz lief. Er knüpft an seinen Filmklassiker "American Gigolo" von 1980 an.
War damals noch Richard Gere der Gigolo, so ist es 27 Jahre später Woody Harrelson, der unter anderem Lauren Bacall auf Partys der High-Society eskortiert. "The Walker" zeige einen Gigolo, der in die Jahre gekommen sei, sagte Schrader.
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