Erfolgreichster deutscher Entertainer: "Peter der Große" wird 80
VON PETER KORN - zuletzt aktualisiert: 30.06.2006 - 10:43Wien/Düsseldorf (RP). Er ist der größte Entertainer, den das deutschsprachige Showgeschäft zu bieten hat. 97 Prozent aller Bundesbürger kennen Peter Alexander. Am 30. Juni feiert er Geburtstag im Familienkreis. Öffentliche Auftritte wird es nicht geben.
Sein Haus, eine schmucke Villa aus den 20er Jahren in Wien, verlässt er nur noch selten. Fernsehauftritte, Interviews - Fehlanzeige. „Ich habe alles in meinem Leben sehr ernst genommen“, erklärt Peter Alexander. „Genauso halte ich es mit dem Ruhestand.“
Hoppla: Das sagt ausgerechnet einer, den die Kritiker jahrzehntelang als Inbegriff des gut gelaunten Lausbuben, als Charmeur der Doppelrahmstufe gefeiert haben? Einer, der immer präsent war - in 57 Filmen und rund 600 TV-Auftritten?
Peter Alexander ist konsequent. Das war er in seiner nahezu beispiellosen Showkarriere, seinem absolut skandalfreien Familienleben, und das ist er jetzt auch als Show-Rentner. Und doch würden die Fans ihren Star so gerne noch einmal live erleben, wenn ihm das ZDF aus Anlass seines 80. Geburtstags jetzt eine große Gala widmet. Aber Alexander will nicht. Er werde nur mit seinen Kindern feiern, verrät sein langjähriger Freund, der Produzent Wolfgang Rademann: „Peter wird sich an sein neues Klavier setzen und für Tochter und Sohn ein paar Wiener Weisen klimpern. Ein Gläschen Champagner, und fertig ist die Lage.“
Immerhin: Einen Videogruß an die Zuschauer wird es wohl geben. Außerdem will die Crème de la Crème der deutschen Fernseh-Unterhaltung den Star ehren, von Thomas Gottschalk über Udo Jürgens bis Harald Schmidt. Zehn Bambis, fünf goldene Kameras, zahllose weitere Preise: Kein Wunder, dass in der Branche alle nur ehrfürchtig von „Peter dem Großen“ sprechen.
Um dorthin zu gelangen, hat der in Wien geborene Peter Alexander Ferdinand Maximilian Neumayer enorm geackert. Eigentlich sollte der Sohn eines Bankrates Arzt werden. Doch seine Immatrikulation 1946 war nur eine Geste, um den Vater zu besänftigen. Am Max-Reinhardt -Seminar entwickelte der lange Schlaks sein wirkliches Talent: Schauspielerei und Gesang, gewürzt mit jungenhaftem Charme. Ein verschmitzter Schwiegermuttertyp. Wegen verschiedener Streiche war Alexander vom Gymnasium geflogen. Nun entdeckte er, wie sich mit einem losen Mundwerk Geld verdienen lässt.
Erste Schauspielerfahrung in Wien
Am Wiener „Bürgertheater“ unternahm der junge Peter seine ersten Schauspiel-Gehversuche. Kollegin Marika Rökk, damals ein Weltstar, sagte ihm schon bald voraus: „Langer, du wirst machen eine steile Karriere. Glaube mir, Marika täuscht sich selten.“ Tatsächlich wurde Peter Alexander kurz darauf für den Film entdeckt. Die wegen ihrer Mischung aus Schmalz und Klamauk heute eher unfreiwillig komisch wirkenden Streifen wie „Im Weißen Rößl“ oder „Charlys Tante“ wurden zu Straßenfegern der 50er und 60er Jahre. Dabei tat sich der Theatermann mit den ungewohnten Dreharbeiten zunächst schwer. „Ich wusste anfangs nie, wo ich hinschauen sollte“, verriet er später. „Also haben mich die Kameraleute mit diesen langen Beleuchtungsstangen am Schienbein gestoßen. Für mich war es die Hölle.“
Über 120 LP’s spielte er im Laufe seiner Karriere ein, Hits wie „Das machen nur die Beine von Dolores“ oder „Die kleine Kneipe“ wurden Evergreens. Alexanders größtes Talent blieb allerdings seine Verwandlungsfähigkeit. Prinz Charles, Boris Becker, die Queen - die Parodien waren Highlights seiner Shows, in denen er Traumquoten von bis zu 78 Prozent einfuhr. „Ein Gigant“, lobt Rudi Carrell, der sich so gut wie nie positiv über Kollegen äußert.
Doch in dem Maße, in dem das Fernsehen schriller und schnelllebigerer wurde, zog sich Peter Alexander aus dem Scheinwerferlicht zurück. „Fernsehen ist eine teuflische Erfindung“, schimpfte er einmal. Gecastete Sternchen, „die ein bisserl zwitschern, gleich ins Fernsehen kommen und sich dann wundern, wenn sie nach einem Jahr wieder weg sind“, sind dem Unterhaltungs-Fleißarbeiter ein Graus.
Mit seiner Ehefrau Hilde Hagen, die er 1952 heiratete und die ihn fünf Jahrzehnte lang erfolgreich managte, widmete er sich immer mehr seinem Privatleben. Vor allem seinen Kindern Susanne, eine Malerin, und Michael, ein Banker. Vom Tod seiner Frau 2003, die er zärtlich „Schnurrdiburr“ nannte, hat er sich bis heute nicht richtig erholt. Dennoch sagt Susanne über ihren Vater, es gehe ihm „gesundheitlich sehr gut“. Auch seinen Humor habe er wiedergefunden. Nur mit TV-Auftritten will er nichts zu tun haben. Da spiele er lieber Modelleisenbahn. „Das Kind im Manne lebt er gern aus“, sagt die Tochter. Peter Alexander - auch mit 80 noch ein großer Junge? Das klingt doch irgendwie beruhigend.
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