Komödie "Dinosaurier" von Leander Haußmann: Platte Groteske im Altenheim
VON PETER STEINHART - zuletzt aktualisiert: 24.12.2009 - 23:19(RP). Lina Braake kehrt zurück. Diesmal wird sie von Eva-Maria Hagen als eine liebenswürdige, mädchenhaft schüchterne ältere Dame verkörpert. Sie sträubt sich lange gegen den Vorschlag, eine Bank zu betrügen, von der sie ihrerseits betrogen wurde. Ganz anders als die ursprüngliche, viel bejubelte Titelheldin in dem Film "Lina Braake" von 1975: Das war Lina Carstens als eine grimmige Greisin, die energisch zugriff, sobald sie einen Helfer fand für ihre Rache an den Finanz- und Immobilien-Haien, die sie um ihr Haus brachten. Jene Lina Braake wurde von einem diabolisch gerissenen Fritz Rasp beraten, dem Erzschurken deutscher Filmgeschichte. Der neuen Lina Braake dagegen macht ein verliebter alter Gauner den Hof, der mit lausbübischen Streichen der spröden Witwe näher kommen will.
Diesen Gauner spielt Ezard Haußmann. Er ist der Vater des Regisseurs Leander Haußmann, der den anderen Alten kaum Chancen lässt, jene Würde zu bewahren, die an der 1975er "Lina Braake" bestach. Die Original-Komödie des Autor-Regisseurs Bernhard Sinkel wurde erst von dem amerikanischen Drehbuchautor Mark Kudlow und dann von Haußmann selbst zu einer Burleske umgeschrieben. Sie hält, was der neue Titel ankündigt: Lina Braake gerät in ein Heim voller "Dinosaurier", die sich mal mehr, mal weniger grotesk mit allerlei altersbedingten Gebrechen herumschlagen.
Es ist ja ganz lustig, wenn Walter Giller vor den Augen seiner Gattin Nadja Tiller seine Hochstapelei als eleganter Geschäftsmann zu verpatzen droht, weil sein Gebiss in einem Apfel stecken bleibt. Es erregt aber nur Mitleid, wenn Ingrid van Bergen zu einer Knallcharge in ständigem Kampf um ihre monströse Zahnprothese reduziert wird – als sollte sie noch einmal für ihre Auftritte im TV-"Dschungelcamp" bestraft werden.
Die Nummern-Revue voller Alt-Stars versucht sich bei pubertärer Lachlust anzubiedern, ganz wie der Untertitel des Films: "Gegen uns seht ihr alt aus!" ankündigt. Dass Leander Haußmann auch witzig sein kann wie einst in der "Sonnenallee", zeigt er mit einem Jungstar unter diesen "Dinosauriern": Daniel Brühl ist als aalglatter Banker ein hinreißender Komödiant. Wie er mit betörend strahlendem Berater-Lächeln seine Kunden bezirzt – das ist wirklich sehenswert. Und wirkt recht aktuell.
Bewertung: 2 von 5 Sternen
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